Im Januar 1608 eröffneten die Jesuiten die Schule im Benefiziatenhaus zur hl. Dreifaltigkeit mit zwei Klassen und zehn Schülern. Bereits zwei Jahre später führten die Schüler ein Schultheaterstück (zum Thema Vanitas) auf, dem in den folgenden Jahren zahlreiche weitere Schultheateraufführungen folgten.
Obwohl die protestantische Landschaftsschule Oberösterreichs 1600 von Kaiser Rudolf II. geschlossen wurde, hat man sie später zwischen 1609 und 1624 wiedereröffnet. Als die Jesuitenschule entstand, gab es in Linz also sowohl katholische als auch lutherische Sekundarschulen. Im Konkurrenzkampf (im Sinne der gegenreformatorischen Bestrebungen) setzte sich die Jesuitenschule durch. Im November 1629 wurde auf Antrag der oberösterreichischen Landstände die Jesuitenschule zur Landschaftsschule erklärt. Dies trug zur späteren Einrichtung eines höheren, akademischen Kurses neben dem Gymnasium bei.
Im Jahr 1622 wurde im Jesuitengymnasium die Poetikklasse, dann 1623 die Rhetorikklasse eröffnet. Im Jahr 1646–1647 zählte man bereits 292 Schüler (davon 80 aus Linz). Vor der Gründung der Akademie schwankte die jährliche Schülerzahl zwischen 117 und 355, im Durchschnitt waren es 273 pro Jahr. Nach der Gründung der Akademie stieg die Zahl der Gymnasialschülern an und erreichte im Jahr 1701 424. Danach schwankte die Schülerzahl zwischen 330 und 380 pro Jahr, um in den 1740er Jahren auf 220 bis 300 zu fallen. Das Gymnasium war stets eine der größten Jesuitenschulen der Ordensprovinz, mit sechs Klassen, die in der Regel von sechs Magistraten (getrennt) unterrichtet wurden.
Das Alter der Schüler schwankte in der Mitte des 17. Jahrhunderts typischerweise zwischen 8 und 22 Jahren, wobei die humanistischen Klassen besuchten Jungen im Alter von 17 bis 22 Jahren. Es gab regelmäßige Ordenseintritte, so traten z.B im Jahr 1637 drei Buben in den Benediktinerorden und einer in den Augustiner-Chorherrenorden ein.
Die Schülerkatalogen des Gymnasiums sind in zwei Bänden erhalten (1646–1773), heute liegen sie im Oberösterreichischen Landesarchiv (Signatur 14.01.12a–b). Die detaillierte (datenbankähnliche) Bearbeitung und Analyse der Linzer Schülerlisten ist noch nicht erfolgt, obwohl sie zu den ausführlichsten unter den jesuitischen Schulregistern der mitteleuropäischen Region gehören.
Die Schule befand sich zunächst im Benefiziatenhaus der hl. Dreifaltigkeit, ab 1624 in deren Gebäude neben der Minoritenkirche (Welthambersches Haus). 1629 übersiedelte die Schule mit Genehmigung der oberösterreichischen Landstände in das Landhaus. Sie übernahm damit die Mittelschulfunktion der ehemaligen evangelischen Landschaftsschule, die durch die Gegenreformation aufgehoben worden war. Da auch hier der Platz zu knapp wurde, bauten die Landstände im Jahr 1631 das Anomäische Haus zur Schule um. Bis 1669 hat man den Nordflügel des Jesuitenkomplexes (zum Pfarrplatz hin) fertiggestellt, in den das Jesuitengymnasium einzog.
Gebäude
Gymnasium
Beschreibung
Jesuitenhäuser
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