Gebäude
Mauer bei Wien (Herrschaft, Schloss, Sommerresidenz): Schloss Mauer
Beschreibung

Das Dorf und die Herrschaft gehörten seit 1609 zum Wiener Jesuitenkolleg, als Schenkung Margarita Cassos de Castilia, Witwe des Grafes Claudius von Tribulz. Die Stifterin war eine Wohltäterin der Jesuiten und ihre Schenkung war durch den Brand des Wiener Kollegs (1607) motiviert. Für den Rest ihres Lebens bat die Gräfin um eine jährliche Rente von 1.200 Goldscudi aus den Einkünften der Herrschaft.
Der Sitz der Herrschaft war das Schloss Mauer, das nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu im Jahr 1776 für militärische Zwecke gewidmet und als „Untere Kaserne“ bekannt wurde. 1895 wurde das Gebäude abgerissen. Die Jesuiten bauten das Schloss erstmals 1622 um, um auch vornehme Gäste zu empfangen. Im Jahr 1679, während der Pestepidemie, flohen die Mitglieder aus dem Akademischen Kollegs nach Mauer. Während der osmanischen Belagerung von 1683 wurden die Herrschaft und das Schloss vollständig zerstört, und der Schaden des Akademischen Kollegs wurde auf 100.000 Gulden geschätzt. Einige der Untertanen starben, andere flohen oder wurden als Sklaven verschleppt. Bereits 1686 war der Wiederaufbau im Gange, und 1688 konnten die Jesuiten wieder die Herbstferien hier verbringen. 1701 ließen die Jesuiten das Schloss erheblich umbauen und vergrößern, und in dieser Form blieb das Schloss bis 1895 erhalten. Zur gleichen Zeit erbaute man eine Kapelle und 1702 wurde eine Turmuhr angebracht.
Zur Herrschaft gehörte die Filialkirche Hl. Erhard, die sich südöstlich des Schlosses befand und auch heute noch steht. Die gotische Kirche wurde während der Jesuitenzeit erweitert, zuerst 1682 renoviert. Beim barocken Umbau blieb der mittelalterliche Chor erhalten. In der Kirche ist noch das Hauptaltarbild von 1739/1742 von Paul Troger (oder einem Troger-Schüler) zu sehen: Der Hl. Erhard vor der Hl. Dreifaltigkeit. Die Jesuiten kamen nur an Sonn- und Feiertagen in die Kirche, um die Messe zu feiern, zu predigen und Katechese zu halten. (Die Kirche war eine Filialkirche der Pfarre Atzgersdorf.) Im Jahr 1744 führten einige adelige Herren unter der Leitung von Jesuitenpriestern hier Ignatianische Exerzitien durch – das Exerzitienhaus wurde jedoch im folgenden Jahrzehnt nicht hier, sondern in der so genannten Engelsburg, in einem Haus des Noviziats, errichtet. (Siehe: Domus probationis S. Annae Viennae).
Im Jahr 1773 zählte das Gut 159 Untertanen, sein Wert wurde auf 42.656 Gulden geschätzt.
An die ehemalige Jesuitenherrschaft in Mauer erinnert heute nur noch der Straßenname „Jesuitensteig“.

48.15254, 16.26338


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

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