Geprüft von: István Fazekas, Martin Scheutz, Thomas Winkelbauer. 31.05.2025.
Ort

Schurz (Žireč)
Königreich Böhmen

Zeit, Institutionstyp
ab bis Institutionstyp
1636 1773 residentia
Übergeordnete Jesuitenhäuser
ab bis Institutions
1636 1773 Domus probationis S. Annae (Viennae)
Aufhebung
1773
Geschichte

Schurz (Žireč, Königreich Böhmen) Herrschaft.
Die Hauptaufgabe der Residenz war die Verwaltung der Landgüter des Wiener Noviziats in Mähren. Im Jahr 1635 machte Ferdinand II. die Herrschaft Schurz (Žireč, das ehemalige Dorf ist heute Teil der Stadt Dvůr Králové nad Labem / Königinhof an der Elbe), die dem zusammen mit Wallenstein ermordeten Feldherrn Adam Erdmann Graf Trčka konfisziert worden war, zu einer Stiftung des Jesuitennoviziats in Wien. Im Jahr 1636 schätzte die Böhmische Kammer die Herrschaft zum Zweck der Einführung des neuen Besitzers auf 119.000 Gulden. Die Grundherrschaft war bei den Jesuiten sehr begehrt, und im Jahr 1644 schätzte man das Anwesen auf Anordnung Ferdinands III. erneut, diesmal auf etwa 84.386 Gulden. Ferdinand III. bestätigte die Stiftung seines Vaters zugunsten des Noviziats in dieser Höhe und fügte weitere kleinere Güter hinzu, um den Stiftungswert von 100.000 Gulden zu erreichen. Die Jesuiten vergrößerten den Besitz von Schurz nach und nach, vor allem durch den Ankauf weiterer Besitztümer. Zur Herrschaft gehörten auch Fischteiche, mehrere Mühlen, eine Brauerei und Wälder. Der Gesamtwert der beiden Herrschaften, Schurz und Schatzlar, belief sich im Jahr 1773 auf 600.000 Gulden.
Die Jesuiten waren von 1636 bis 1773 tatsächlich in der Residenz Schurz anwesend. Anders hätten sie die weit von Wien entfernten Ländereien nicht verwalten können. Zunächst residierten hier zwei Priester und zwei Laienbrüder, erst im 18. Jahrhundert stieg die Zahl auf über sechs. Im 18. Jahrhundert lebten hier jährlich 10–13 Ordensmitglieder, davon ein Drittel Laienbrüder, die vor allem mit der wirtschaftlichen Administration betraut waren. Die Priester predigten in deutscher und tschechischer („böhmischer“) Sprache und beaufsichtigten eine Volksschule. Das Gut brachte ein jährliches Einkommen von 14.000 bis 16.000 Gulden, das für den Unterhalt des Wiener Noviziats unverzichtbar war. Die Priester kümmerten sich auch um die Seelsorge in den Dörfern, die sie in den 1630er Jahren zum Katholizismus zurückführten. In den jesuitischen Berichten kann man aus den 1650er Jahren von 110–150 Bekehrungen pro Jahr lesen. Verständlicherweise hatten die Jesuitennovizen wenig Kontakt mit dem Landgut, aber während der osmanischen Belagerung Wiens im Jahr 1683 schickten die Ordensoberen die Novizen nach Schurz, wo sie von Juni bis Oktober verweilten.

Schatzlar (Šacliř, Königreich Böhmen) Herrschaft.
Zur Stiftung des Wiener Noviziats gehörte außerdem die Herrschaft Schatzlar (Žacléř). Früher war es ein Besitz von Johann Rudolph Trčka, dem Vater des bereits erwähnten Adam Erdmann Trčka, aber diese Herrschaft wurde auch konfisziert. Im Jahr 1635, zur gleichen Zeit wie Schurz, schenkte Ferdinand II. dieses Gut ebenfalls dem Wiener Noviziat. Die Jesuiten erwarben im Jahr 1692 noch dazu das Gut Krinsdorf und gliederten es der Herrschaft Schatzlar an. Die Herrschaft erwies sich ebenfalls als reiche Einnahmequelle mit einer Brauerei, einer Mühle, einem Sägewerk und Wäldern.
Die beiden Herrschaften, Schurz und Schatzlar, hatten 1773 einen Gesamtwert von 600.000 Gulden.
 

Zunahme der Mitgliedschaft
Archivmaterial
  • Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Länderabteilungen, Klosterakten, Wien, Probhaus St. Anna, Kart. 141

Literatur

Bílek, Tomáš: Statky a jmění kolejí jezuitských, klášterů, kostelů, bratrstev a jiných ústavů v království Českém od čísaře Josefa II. zrušených [Die von Kaiser Joseph II. aufgehobenen Güter und Vermögen der Jesuitenkollegien, Klöster, Kirchen, Bruderschaften und anderer Einrichtungen im Königreich Böhmen] Praha, 1893. 93–95.

Duhr, Bernhard: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. Bd. II./1–2. In den ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Freiburg im Breisgau, 1913. IV/1. 320.

Duhr, Bernhard: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. Bd. III. In der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. München–Regensburg, 1921. 191–193.

Duhr, Bernhard: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. Bd. IV/1–2. Im 18. Jahrhundert. München–Regensburg, 1928. IV/1. 357–358.

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