Gebäude
Universitätskirche (Untere Jesuitenkirche) Mariä Himmelfahrt, Hl. Ignatius und Hl. Franz Xaver.
Beschreibung

Der Bau der Kirche (neben dem Kolleg) war für die Jesuiten von höchster Priorität. Der Bauherr war Ferdinand II., der im August 1624 selbst den Grundstein für die Kirche und das Kolleg legte. Die zweitürmige Kirchenfassade und ihre Inschrift entsprachen dem gegenreformatorischen Programm des Kaisers und seinen Repräsentationsansprüchen. Die Kirche entstand an der Stelle der mittelalterlichen Gebäude, die 1623 die Jesuiten übernahmen, größtenteils an der Stelle der Sprengenburse und der Lammburse. Ihr Architekt ist unbekannt. Paulus Koneczni (Konezny), ein jesuitischer Laienbruder polnischer Herkunft, leitete die Bauarbeiten als „praefectus fabricae“. Obwohl die Inschrift an der Fassade die Jahreszahl 1627 trägt, weihte Kardinal Franz Seraph von Dietrichstein die Kirche erst im Jahr 1631. Während der letzten Bauphase stürzten die beiden Türme ein, was die Arbeiten verzögerte.
Die Universitätskirche ist ein einschiffiger Saalraum mit vier Seitenkapellen auf beiden Seiten. Ursprünglich war der Innenraum frühbarock, ohne Stuck und Fresken, und die Seitenkapellen waren auf den Hochaltar und nicht zum Kirchenschiff hin ausgerichtet. Der Umbau des Innenraums war das Werk des italienischen jesuitischen Laienbruders Andrea Pozzo, der zwischen 1703 und 1711 in Wien tätig war und von seinem Jesuitenbruder Christoph Tausch unterstützt wurde. Pozzo nahm wesentliche Änderungen an den beiden Türmen und dem Innenraum vor. Er bemalte die Decke des Hauptschiffs mit einer Scheinkuppel, fügte dem Kircheninneren reiche Stuckdekorationen und Fresken hinzu, schuf einen neuen Hochaltar (Mariä Himmelfahrt), baute eine Empore über den Seitenkapellen und eine zweigeschossige Sängertribüne am Ende des Kirchenschiffs. Er errichtete neue Seitenaltäre, die nun dem Kirchenschiff zugewandt sind. Auch die hölzerne Ausstattung der Kirche wurde von jesuitischen Meistern angefertigt, zwischen 1706 und 1716 richteten Peter Ross und später Ernest Armbruster, beides jesuitische Laienbrüder, eine Tischlerwerkstatt im Kolleg ein. Die Titel der Seitenaltäre: links, ausgehend vom Eingang: Hl. Katherina (Patronin der philosophischen Fakultät), Hl. Stanislaus Kostka, Schutzengel, Hl. Ignatius (später Herz Jesu), rechts, ausgehend vom Eingang: Hl. Thomas von Aquin (Patron der theologischen Fakultät) und Hl. Petrus Canisius, Hl. Anna (Hl. Franz Xaver), Hl. Leopold, Hl. Joseph (Hl. Familie). An der Nordostseite des Altarraums befindet sich die Sakristei, darüber ein Oratorium. Beide sind mit dem Nordflügel (Schönlaterngasse) des Kolleggebäudes verbunden.
Nach 1773 wurde die Kirche zur Garnisonskirche, dann zur Pfarrkirche (1783). Seit 1856 benutzen sie wieder die Jesuiten. Zuletzt erfolgte eine komplette Restaurierung zwischen 1984 und 1994.

48.20905, 16.37758


 

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