(Bäckerstraße 20–22., Wollzeile 25–27.) Die Schule hatte einen annähernd L-förmigen Grundriss, deren größter Trakt in der Bäckerstraße 20 ein völliger Neubau war und der größtenteils noch heute existiert. Sie wurde von Ferdinand II. finanziert und beherbergte zunächst Vorlesungen in Philosophie und Theologie sowie das Gymnasium. Das Gebäude verfügte über vier große Klassenzimmer im Erdgeschoss, drei Klassenzimmer und eine Kapelle im ersten Stock (im gleichen Grundriss) und darüber über einen großen Theatersaal (Auditorium) in der Höhe von zwei Stockwerken. Die sieben Klassenzimmer wurden bereits Mitte des 18. Jahrhunderts von den sieben Klassen des Gymnasiums genutzt: Die kleineren gingen ins Erdgeschoss, die größeren ins Obergeschoss.
Das Schulgebäude war mit dem Südflügel des Jesuitenkollegs durch zwei Gänge verbunden, die die Straße überquerten. Der östliche Anbau des Gymnasiums entlang der Bäckerstraße war ebenfalls Teil der Schule. Es handelte sich um zwei von der mittelalterlichen Universität übernommene Gebäude, die ehemalige Neue Schule („nova structura“, Konskriptionsnr. 1150) und das ehemalige Studiengefängnis (Konskriptionsnr. 1149). Diese gestalteten die Jesuiten um, aber sie rissen es nicht ab. (Dieser Gebäudeteil wurde erst nach der Jesuitenzeit abgerissen und später durch ein Wohnhaus ersetzt.) Die mittelalterliche Neue Schule war ein schmaleres Gebäude als das Gymnasium, mit einer gewölbten Halle im Erdgeschoss (vermutlich mit einem gotischen Kreuzgewölbe und einer Säule in der Mitte der Halle) und einem kleinen Theater darüber. Auf der Höhe des zweiten und dritten Obergeschosses, über dem kleinen Theatersaal, befanden sich vier kleinere Räume, von denen einer mit der Bühne verbunden werden konnte (er befand sich in der Verlängerung der Bühnenachse). Am Ende der Bäckerstraße (Nr. 22), in Verbindung mit dem beschriebenen Gebäudekomplex, befand sich ein Gebäudeteil, ebenfalls mittelalterlichen Ursprungs, mit drei Stockwerken und mehreren kleinen Räumen. Bis 1753 beherbergte er die (nicht-jesuitische) Universitätsbibliothek, dann zog hier die neugegründete Orientalische Akademie ein. Daneben wurde der Gebäudeteil teilweise für den Universitätsunterricht genutzt und „Schola philosophorum“ genannt.
Der kürzere Flügel des Schulgebäudes wurde an der Stelle der Gebäude errichtet, die nach 1623 übernommen wurden und die sich, wahrscheinlich nach einem größeren Umbau, an die Wollzeile (Nr. 25–27) anschlossen. An der gleichen Stelle eröffneten die Jesuiten einen Durchgang, der den Universitätsplatz mit der Wollzeile verband. Das Gebäude wurde als Wohnhaus für Seminaristen und möglicherweise (teilweise) für Unterrichtszwecke genutzt.
Aufgrund des dringenden Platzmangels erwogen die Jesuiten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts den Ankauf mehrerer Bürgerhäuser in der Wollzeile (Jägerhornmachers Haus, Haus Ruckl, Wollzeile 29–31). Dieser Plan wurde vermutlich wegen des Baus der Neuen Aula nicht verwirklicht.
Gebäude
Schulgebäude (Akademie, Gymnasium und Seminar)
Beschreibung
Jesuitenhäuser
Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia
Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041.
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