GRUNDDATEN
Gyöngyös
Königreich Ungarn, Komitat Heves
| ab | bis | Institutionstyp | |
|---|---|---|---|
| 1633 | 1635 | missio | |
| 1635 | 1773 | residentia |
| ab | bis | Institutions | ||
|---|---|---|---|---|
| 1635 | 1773 | collegium | Collegium Tyrnaviense |
1705–1710
GESCHICHTE UND TÄTIGKEIT
Geschichte
Gyöngyös war ein wichtiges ungarisches Handelszentrum mit 6.000 bis 8.000 Einwohnern am Rande des osmanisch beherrschten Ungarn. Die konfessionelle Verteilung war zu zwei Dritteln römisch-katholisch und zu einem Drittel reformiert. Es war die wichtigste Pfarrei des Bistums Erlau (Eger) und ganzen Ungarns unter osmanischer Herrschaft: Der Pfarrer war der katholische Erzdekan und Vikar von Türkisch-Ungarn. Seit dem 14. Jahrhundert gab es in der Stadt ein Franziskanerkloster, das im 17. Jahrhundert 20–22 Brüder hatte.
Die Jesuiten waren seit den 1610er Jahren kontinuierlich im osmanisch beherrschten Teil des Königreichs präsent: Seit 1612 hatten sie eine ständige Mission in Fünfkirchen, wo sie ein Gymnasium und eine höhere katholische Schule einrichten wollten. Da Fünfkirchen jedoch ein osmanisches Militär- und Verwaltungszentrum war (Sitz eines Sandschak), konnten sie die Schule stattdessen in Gyöngyös einrichten.
Im 17. Jahrhundert wurde die Jesuitenresidenz, die fünf–sechs Mitglieder hatte, zum Zentrum der lokal-regionalen katholischen Mittelschulbildung. Die unteren Klassen des sechsklassigen Gymnasiums wurden manchmal nur von Jesuiten-Noviziaten-Aspiranten unterrichtet. Die Volksschule wurde unter den jesuitischen Schulpräfekten von Laienlehrern geleitet. In den 1640er Jahren lag die Zahl der Schüler bei 200–300 Personen. Das Gymnasium befand sich unmittelbar neben der Pfarrkirche. Die Jesuiten besaßen keine eigene Kirche, hatten aber zwei Altäre in der Pfarrkirche St. Bartholomäus als Eigentum. Die Niederlassung blieb eine Residenz ohne besondere Stiftung, wurde aber durch Almosen wohlhabender lokalen Handelsbürger und Adeliger unterstützt.
Der katholische Stadtrat geriet regelmäßig in Konflikte mit den osmanischen Behörden: Widerständige ungarische Soldaten versuchten, ihre Söhne aus der Schule zu entführen und beschneiden zu lassen. Auch mussten die Jesuiten regelmäßig mit Repressalien rechnen, wenn Schüler aus christlichen Grenzfestungen oder sogar aus dem Fünfkirchner Missionsgebiet als Leibeigene der Branauer Spahi nach Gyöngyös kamen. Trotz aller Schwierigkeiten funktionierte die Residenz stabil: Die Schuldramen, die Predigten vor bis zu 4–5.000 Gläubigen, die Mariä-Himmelfahrt- und die Agonia-Christi-Sodalitas sowie die auch andernorts üblichen barocken Andachtsformen und Prozessionen zeigen, dass die Residenz von Gyöngyös zu einem wichtigen Glied im jesuitischen Institutionssystem wurde. Tatsächlich gab es auch eine große Anzahl an Jesuitenberufungen: Vor 1700 stammten 22 Ordensmitglieder aus Gyöngyös.
Das Leben der Residenz wurde durch die Kuruzzenbewegung und den Großen Türkenkrieg beeinträchtigt, später wurde das Gymnasium in einem ähnlichen Rahmen reorganisiert: Sein Barockgebäude beherbergt heute eine Musikschule. Die Niederlassung erlangte nie den Status eines Kollegs, und die Residenz wurde im 18. Jahrhundert mit vier–fünf Mitgliedern in einem Gebäude weitergeführt, das selbst zur Zeit seiner Auflösung sehr bescheiden war.
Kongregationen
„Assumptio Mariae” lateinische Schülerkongregation. Die Kongregation war im Jahr 1644 gegründet. Während der osmanischen Herrschaft waren jesuitische Kongregationen nur in Gyöngyös tätig und diese war die erste. Schon 1644 zählte sie aufgrund der zahlreichen externen Mitglieder 200 Personen.
„Agonia Christi” Kongregation. Die Todesangst-Sodalität wurde mit bischöflicher und päpstlicher Bestätigung ab 1670 tätig. Die Initiative der Gründung kam vom jesuitischen Superior János Ordódi. Die Präsides der Sodalität waren die Superioren der Residenz. Neben Zsófia Báthory und Ferenc Rákóczi I. trugen sich zirka 8.000 Mitglieder nach der Gründung ein. Die Mitglieder kamen aus einem Umkreis von 15 Meilen und vor allem aus den Märkten Gyöngyös und Jászberény.
QUELLEN
Archivmaterial
- Historia Residentiae Gyöngyösiensis Societatis Iesu ab anno 1711 ad 1773, quo reducta est. Ungarische Széchényi Nationalbibliothek, Budapest, Handschriftensammlung, Quart. Lat. 2824.
Literatur
Forgács Ferenc: A gyöngyösi jezsuita gimnázium története. D) A három százados múlt személyi és tárgyi adatainak összefoglaló kimutatása. [Geschichte des Jesuitengymnasiums von Gyöngyös. D) Eine Zusammenfassung der persönlichen und materiellen Daten aus den drei vergangenen Jahrhunderten.] In: A Gyöngyösi M. Kir. Állami Koháry István-Reálgimnázium értesítője, 1935/1936. 1–80.
Antal Molnár: Mezőváros és katolicizmus. Katolikus egyház az egri püspökség hódoltsági területein a 17. Században. [Marktflecken und Katholizismus. Die katholische Kirche im Bistum von Erlau unter der Türkenherrschaft im 17. Jahrhundert.] Budapest, 2005.

