Gebäude
Akademisches Kolleg
Beschreibung

Ein Teil der Baugeschichte ist durch die Erforschung der Universitätsgeschichte und die jüngste Renovierung des Komplexes (bis 2022) bekannt, aber das Bild bleibt aufgrund der Zerstörung relevanter Quellen fragmentarisch. Vor allem die „historia domus“ oder das „diarium“ des Kollegs wären hilfreich, aber für die Bauzeit fehlt beides. Ferdinand II. als Stifter legte am 1. August 1624 selbst den Grundstein für den gesamten Gebäudekomplex. Laut dem Jahresbericht der Jesuiten spendete er zwischen 1625 und 1635 rund 87.000 Gulden für die Bauarbeiten. Die Gesellschaft Jesu erkannte deshalb den Monarchen als neuen Stifter des Kollegs an. Einer von den Jesuiten verfassten Eloge zufolge diente der Anfangsbuchstabe „F“ des Stifternamens als Muster für die Form des Kolleggrundriss.
Der Umzug des Kollegs ins Stubenviertel begann eigentlich schon im Jahr 1623, als die Jesuitenscholastiker und ihre Professoren (die Jesuiten, die an der Universität lehrten) in einem Gebäude der Dominikaner und dann in das zu diesem Zweck umgebaute Collegium Ducale umzogen. Im Winter 1623/24 wurde mit dem Abriss der Universitätsgebäude und der im Rahmen der „pragmatica sanctio“ übernommenen Bursen begonnen. Das neue Kolleg wurde nach den vom Jesuitengeneral genehmigten Plänen errichtet, auf welche die Rektoren des Kollegs, darunter Wilhelm Lamormaini (Rektor: 3. Mai 1622–18. Jan. 1625), wahrscheinlich entscheidenden Einfluss hatten. Der Bau des Kollegs, der Schule und der Kirche dauerte bis 1648. Die Jesuiten kauften auch andere Stadthäuser, um den Komplex und den Platz vor der Kirche zu schaffen. Von 1624 bis zu seinem Tod am 2. Dezember 1647 war Paulus Koneczni (Konezny), ein jesuitischer Laienbruder polnischer Herkunft, als „praefectus fabricae“ für die Bauarbeiten verantwortlich. Zuerst wurde das Kolleg gebaut, dann (teilweise gleichzeitig) die Kirche und schließlich das Schulgebäude und der südöstliche Anbau des Kollegs (Bäckerstraße, Sternwarte-Trakt).
Das Collegium Academicum diente in erster Linie als Wohngebäude für die Jesuitengemeinschaft (im 18. Jahrhundert jährlich 120–130 Personen) und zu diesem Zweck war auch das dreistöckige Gebäude gewidmet, das an die Ostseite der Kirche angebaut war und einen Arkadenhof umschloss. An der Nordseite befand sich ein Flügel mit einem Refektorium im Erdgeschoss und einer repräsentativen Bibliothek im ersten Stock. Im Erdgeschoss, an der Nordwestseite des Refektoriums, befand sich ein mittelalterlicher (gotischer) Saal, wahrscheinlich ein Teil des ehemaligen Collegium Ducale, das man erst beim Neubau des Flügels im 19. Jahrhundert abtrug. Der Saal der Jesuitenbibliothek ist mit Fresken von Anton Hertzog und Franz Anton Danne geschmückt. Möglicherweise arbeiteten die jesuitische Laienbrüder Johann Kraz und Johann Neugebauer, die eine Tischlerwerkstatt im Kolleg zwischen 1729 und 1735 leiteten, an der Ausgestaltung des Bibliothekssaals.
An den Südosten des Kolleggebäudes baute man eine Sternwarte an, die man bereits 1739 nutzte, aber nach 1754 durch eine neue Sternwarte in der Neuen Aula ersetzte (in der auch Maximilian Hell arbeitete). Das schmale, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Gebäude an der Ostseite des Kollegs diente wirtschaftlichen Zwecken (Wohnung der „familia“, d.h. für Knechte und Mägde) und umschloss zusammen mit dem Ostflügel des Kollegs einen schmalen Innenhof. Der südliche Flügel des Kollegs war durch zwei bogenförmige Durchgänge, die die Bäckerstraße im ersten Stockwerk überspannten, mit dem Gymnasium verbunden.

48.20892, 16.37804


 

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