Zu den externen Schülern, die im Jesuitenkolleg eine Unterkunft bekamen, gehörten von Anfang an auch Diözesankleriker, die nicht dem Orden angehörten. Zusätzlich nahm das Kolleg auch nichtadelige, „arme“ Schüler auf und gewährte ihnen Unterkunft und Verpflegung. Der Ort des Internats befand sich neben dem Jesuitenkolleg, an der südöstlichen Ecke des Jesuitenkomplexes, wo die St. Barbara-Kapelle stand (siehe auch Konvikt der Hl. Barbara). Dieser Gebäudeteil wurde damals „neues Kolleg“ genannt. Die ersten Seminaristen trugen kastanienbraune Talare. Zwischen 1560 und 1565 wurden sie in die Landschaftsschule verlegt und waren dann zusammen mit den Konviktschülern bis zum Stadtbrand von 1607 teilweise im Kolleg und teilweise in Privathäusern untergebracht. Danach, in den Jahren vor 1623 (vermutlich zwischen 1616 und 1623), wohnten die Seminaristen, vielleicht gemeinsam mit den „armen Schülern“, in der „domus Pancratiana“ an der Südseite des Platzes am Hof (Nr. 3–4.). Die Einrichtung hat ihren Namen von der mittelalterlichen Kapelle des Hl. Pankraz, die sich in diesem Haus befand, aber nicht mehr genutzt wurde.
Im Jahr 1625/1626 zog das Seminar in das Stubenviertel um, wo es vom adeligen Konvikt getrennt wurde. Eine weitere Differenzierung fand jedoch nicht statt: Ein einziger jesuitischer Regent leitete das Seminar, das sowohl als diözesanes Priesterseminar als auch als „seminarium pauperum“ diente. Seine Bewohner waren vermutlich zumeist Nichtadelige, die am Gymnasium oder an der Universität studierten.
Zu den päpstlichen Stiftungsplätzen kamen im Laufe der Zeit weitere Stiftungen, vor allem durch die Wiener Bischöfe. Die Stiftung von Melchior Khlesl im Wert von 40.000 Gulden und die Bemühungen von Anton Wolfrath und Philipp Friedrich Breuner führten zur Errichtung eines Diözesanseminars, „Seminarium S. Ignatii“, das im Jahr 1645 eigene Statuten erhielt. Doch war die Unterkunft der Seminaristen immer noch nicht gelöst.
Im Jahr 1654 wurde auf Kosten Ferdinands III. ein neues Seminargebäude (wahrscheinlich zwischen dem Dominikanerkloster und dem Konvikt der Hl. Barbara) errichtet, um die Doppelinstitution unterzubringen: Seminarium S. Pancratii et Ignatii. Die Einrichtung behielt ihr zweifaches Profil als Diözesanseminar und „seminarium pauperum“ bei, doch ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Teil der Seminaristen im Wollzeile-Trakt des Schulgebäudes untergebracht wurde. (Siehe auch: Konvikt der Hl. Barbara.)
Das Institut wurde vom jesuitischen Regenten geleitet, der gleichzeitig Präses der eigenen Visitatio Mariä-Kongregation des Seminars war. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts waren jährlich zwei Studienpräfekten (jesuitische Theologiestudenten) im Seminar tätig, wobei einer die Gymnasiasten und der andere die Universitätsstudenten beaufsichtigte. In den 1720er Jahren wurde ein eigener jesuitischer Beichtvater (in manchen Jahren zwei Beichtväter) für das Seminar ernannt. Im Jahr 1665 betrug die Zahl der Seminaristen 59, im Jahr 1727 gab es 65 Stiftlinge und 57 zahlende Konviktschüler, in den 1750er Jahren insgesamt 156–159 Konviktschüler.
Das Seminar nahm sicherlich auch Studenten auf, die von anderen mit der Universität oder dem Jesuitenkolleg verbundenen Stiftungen betreut wurden. Unter den Wohltätern des Seminars finden wir nicht nur die Monarchen und die Bischöfe von Wien, sondern auch weltliche Herren. Ein Wohltäter des Professhauses war z. B. Graf Christoph Simon von Thun, er vermachte bei seinem Tod (1635) dem Seminarium S. Pancratii 7.000 Gulden. Die Geschichte des Seminars ist nur wenig erforscht.
Gebäude
Seminarium S. Pancratii et S. Ignatii
Beschreibung
Jesuitenhäuser
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