Gebäude
Akademisches Gymnasium. 1551–1773.
Beschreibung

Gleichzeitig mit der Gründung des Wiener Jesuitenkollegs (1551) begannen die Jesuiten mit dem Schulunterricht. Im Jahr 1556 unterrichteten zehn Lehrer bereits mehr als 400 Schüler, da in den unteren Klassen („parva“) mehrere Schülergruppen gebildet wurden. Im Jahr 1559 waren insgesamt 363 Schüler, einschließlich der Philosophiestudenten („externi et convictores qui audiunt“), in neun Gruppen unterteilt.
Anfänglich arbeitete das Gymnasium in enger Symbiose mit der philosophischen und theologischen Ausbildung, die im Jesuitenkolleg organisiert war. (Siehe: Akademie.) Im Jahr 1565 hatten das Gymnasium und die Akademie insgesamt acht Klassen mit zwölf Lehrern und mehr als 400 Schülern. Die Gesamtzahl der Schüler stieg in den 1570er Jahren auf 700 und zu Beginn der 1590er Jahre auf über 1.000, sank jedoch um die Jahrhundertwende aufgrund der osmanischen Kriege („Langer Türkenkrieg“) wieder auf 600. Nach die Kriegszeit und der Epidemie ließen die Jesuiten im Jahr 1611 ein Schulgebäude neben dem Kolleg errichten, hauptsächlich mit Unterstützung von Herzog Maximilian von Bayern.
Um 1625 zog das Gymnasium mit dem Akademischen Kolleg um und wurde endlich in dem neuen Schulgebäude in der Bäckerstraße, gegenüber dem Jesuitenkolleg, untergebracht. Die Schule hatte vier Klassenzimmer und einen großen Saal im Erdgeschoss, drei Klassenzimmer, eine Kapelle und ein kleines Theater (am östlichen Ende) im ersten Stock und einen großen Theatersaal (zwei Stockwerke hoch) im zweiten und dritten Stock. Letzterer wurde auch für Universitätsvorlesungen und als Versammlungsraum für die akademische Kongregation genutzt. Der Theatersaal wurde 1736 neu gebaut, das Deckenfresko „Himmelfahrt Mariä“ stammt von Anton Hertzog.
Die Schülerzahl war sehr hoch: 1700 besuchten 1.160 Schüler die sechs Klassen. Im Jahr 1741 hatte das Gymnasium 1.323 Schüler, im Jahr 1768 810 und im Jahr 1770 716 Schüler. Im Gymnasium des Professhauses errichtete die Gesellschaft Jesu im Schuljahr 1745/46 die humanistischen Klassen, weil die Schülerzahlen im akademischen Gymnasium seit vielen Jahren zu hoch waren. (Siehe: Domus professa Viennensis, Gymnasium.)
Die Matrikeln des akademischen Gymnasiums sind entweder verloren oder gegenwärtig nicht auffindbar. Nur eine Minderheit der Schüler ist in die Schulregister der Universität eingetragen. Die Geschichte des Gymnasiums ist noch zu bearbeiten.
Nach 1773 erhielt die Schule den Namen Akademisches Gymnasium, geleitet von einem Exjesuiten, und blieb in der Bäckerstraße 20 (bis 1866). Im Jahr 1802 wurde es von den Piaristen, später von Laienlehrern geleitet. Nach 1773 entstand im Südflügel des ehemaligen Akademischen Kollegs das Kaiserlich-königliche Konvikt.


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

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