Von Anfang an waren die Jesuiten in Wien auch im Bereich der höheren Bildung tätig. Ein wichtiges Ziel des Stifters (Ferdinands I.) war es, die Wiener Universität vor dem Untergang zu bewahren. Zu diesem Zweck entsandte die Gesellschaft zwei Professoren, die an der Universität theologische Vorlesungen halten sollten — doch sie sahen sich anfangs mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert: Es fehlte an qualifizierten Studenten, und die Zahl der Studierenden war bereits sehr gering. Die Jesuiten hätten es vorgezogen, ein komplettes eigenes Ausbildungsprogramm aufzubauen, in dem nach ihren eigenen Methoden (sog. „modus Parisiensis“) auf die Humaniora die Philosophie und dann die Theologie folgt. Wegen der Konkurrenzsituation kam es jedoch zu einem ernsthaften Konflikt mit der Universität: Die Studenten begannen von der Universität zu den Jesuiten zu gehen, um Philosophie zu studieren. Ferdinand I. verlieh dem Jesuitenkolleg das Promotionsrecht für das Bakkalaureat, d. h. er erkannte die akademische philosophische Ausbildung der Jesuiten an. Diese Erlaubnis nahm Maximilian II. im Jahr 1573 zurück, danach konnte das Kolleg nur die jesuitischen Scholastiker promovieren.
Die Jesuiten bauten ihre eigene philosophische Bildung parallel mit den Universitätskursen auf, während die theologische Ausbildung an der Universität fortgesetzt wurde. Im Jahr 1603 hatte das Jesuitenkolleg bereits drei philosophische Professoren, einen Professor der Mathematik und einen Professor der Moraltheologie, die jesuitische Scholastiker und auch externe Studenten unterrichteten. Inzwischen unterrichteten zwei Jesuiten scholastische Theologie an der Universität. Die eigene Akademie des Kollegs blieb bis 1623 selbstständig. In diesem Jahr übertrug Ferdinand I. mit der so genannten „pragmatica sanctio“ die Theologische und die Philosophische Fakultät der Universität dem Jesuitenkolleg und übertrug deren Leitung und Verwaltung der Gesellschaft Jesu. Gleichzeitig übergab er dem Kolleg mehrere mittelalterliche Universitätsgebäude (Domus universitatis, Collegium Ducale, Liberey, Nova Structura usw.), auf deren Gelände bis 1625 das neue Gebäude des akademischen Kollegs errichtet wurde sowie zwischen 1628 und 1631 die Universitätskirche. Um 1623–1625 zog das Kolleg an den neuen Standort in der Nähe des Stubentors, gegenüber dem Dominikanerkloster, um.
Gebäude
Akademie (1552–1623).
Beschreibung
Jesuitenhäuser
Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia
Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041.
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