Gebäude
Universität. (1623–1735/1773).
Beschreibung

Am 9. August 1623 erließ Ferdinand II. eine „Sanctio pragmatica“, mit der er die Theologische und die Philosophische Fakultät und einen Großteil des mittelalterlichen Gebäudekomplexes der Universität dem Jesuitenkolleg übertrug. Sowohl an der philosophischen als auch an der theologischen Fakultät stieg ab 1623 die Zahl der jesuitischen Professoren und Studenten (jesuitische Scholastiker und externe Studenten). Parallel kämpften die medizinischen und juristischen Fakultäten mit Schwierigkeiten (finanzielle Probleme, geringe Studentenzahlen, Fragen der Unterbringung).
Die Jesuiten spielten zweifellos eine Schlüsselrolle im Leben der Universität, zumindest zwischen 1623 und 1735, aber es ist wichtig festzuhalten, dass die Universität Wien nie vollständig eine Institution der Gesellschaft Jesu wurde. Dies hat immer eine etwas ambivalente Situation verursacht: Einige der Stiftungen und Bursen für die Betreuung der Studenten wurden nicht von den Jesuiten verwaltet, die Bibliotheken und die Archive des Kollegs und der Universität wurden nie zusammengelegt. Die Jesuiten waren nicht an den Tätigkeiten der Juristischen und der Medizinischen Fakultät beteiligt. In der Regel gab es vier bis fünf Jesuitenprofessoren an der Philosophischen Fakultät und sieben bis acht an der Theologischen Fakultät. Die Zahl der Studenten an den beiden Fakultäten (die von Jesuiten unterrichtet wurden) war ziemlich hoch. Im Jahr 1649 waren es 410 Studenten, im Jahr 1703 1.243, im Jahr 1738 etwa 1.000. In den 1760er Jahren war die Zahl auf etwa die Hälfte (400–500) gesunken.
Die Situation der Jesuiten änderte sich durch die ab 1735 an der Universität eingeführten staatlichen Reformen und Aufklärungsmaßnahmen. Der Einfluss des Staates nahm zu, das Ausbildungssystem wurde geändert, das Philosophiestudium wurde zu einem zweijährigen, das Theologiestudium zu einem vierjährigen Studiengang. Professoren, die aktiv unterrichteten, waren von der Verwaltung der Universität (akademische Würden) ausgeschlossen, und im Jahr 1752 wurde der Erzbischof von Wien zum Studienprotektor ernannt. Die Jesuiten lehrten jedoch weiterhin an der Universität bis zur päpstlichen Aufhebung des Ordens im Jahr 1773. Auch danach unterrichteten einige Exjesuiten noch einige Jahre lang weiter.
Die historische Rolle und Bedeutung der Jesuiten in der Universität Wien kann nur dann wirklich verstanden werden, wenn sie in einem komplexen Zusammenhang mit der Geschichte der Universität, des akademischen Gymnasiums und des Jesuitenkollegs erforscht wird. Dies ist eine Aufgabe der Zukunft.


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
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