Gebäude
Kirche Am Hof, zu den neun Chören der Engel. (Obere Jesuitenkirche.)
Beschreibung

Die beschuhten Karmeliten errichteten Anfang des 15. Jahrhunderts ihre spätgotische Hallenkirche und ihr Kloster am Platz Am Hof. Nach ihrer Ankunft in Wien erhielten die Jesuiten im Jahr 1554 mit päpstlicher Genehmigung von Ferdinand I. die Gebäude des aufgelösten Karmeliterklosters zugesprochen. Die Jesuiten reparierten und bauten die Kirche zunächst nur nach Bedarf um, der große Umbau erfolgte nach dem Brand von 1607 und verzögerte sich bis 1648. Das Innere der Kirche wurde barockisiert (wahrscheinlich nach Entwürfen von Giovanni Battista Carlone), und an die spätgotischen Seitenschiffe, zwischen den ehemaligen gotischen Strebepfeilern, wurden jeweils vier Seitenkapellen angebaut. Im Jahr 1625 errichtete man auf beiden Seiten der Vorhalle noch je eine Kongregationskapelle.
Bis 1642 war der neue Hochaltar fertiggestellt, der auf vier übereinander liegenden Ebenen (1.) die neun Chöre der Engel, (2.) die Hl. Katharina von Alexandrien, den Hl. Joseph, die Hl. Barbara, Johannes den Täufer mit einem gemalten Bild der Jungfrau in der Mitte, (3.) die vier lateinischen Kirchenväter und das IHS-Monogramm und darüber (4.) die Jesuitenheiligen, und im Giebel das Jesuskind mit der Weltkugel, die vier Evangelisten sowie die Erzengel Michael und Gabriel darstellte. Die Seitenkapellen folgten dem jesuitischen System, entsprachen aber auch den Repräsentationsansprüchen der Habsburger und anderer Wohltäter des Ordens. Ihre zeitgenössischen Titel waren (links, von der Eingangshalle ausgehend:) Hl. Leopold, Schutzengel (später Judas Thaddaeus), Hl. Barbara (später Hl. Franz Regis), Hl. Liborius (später Hl. Antonius, gestiftet von Kaiserin Eleonora Gonzaga, 1657), Hl. Franz Xaver (Hl. Aloysius); (und rechts, von der Eingangshalle ausgehend:) Mariä Himmelfahrt (heute nicht benutzt), Hl. Petrus Canisius, Hl. Joseph (später Herz Jesu), Hl. Rosalia (später Pius X.), Hl. Ignatius.
Die barocke Neugestaltung der Kirchenfassade finanzierte die Witwe Kaiser Ferdinands III., Eleonora Magdalena Gonzaga von Mantua-Nevers. Die mittelalterliche Fassade und die Seitenkapellen auf beiden Seiten wurden von einem barocken „Fassadenkörper“ überdeckt, der eine außergewöhnliche Terrasse enthält und das Gesamtbild des Platzes verändert. Die barocke Fassade wurde bis 1663 nach dem Konzept von Filiberto Lucchese fertiggestellt. Die Kaiserin schenkte der Kirche zudem eine goldene Monstranz („ferculum eucharisticum ex auro“) im Wert von 15.000 Gulden.
Das barocke Innere der Kirche ist teilweise erhalten geblieben, obwohl man mehrere Kapellen und Altäre später renoviert oder neugestaltet hat. Im Jahr 1709 errichtete Andrea Pozzo einen neuen Hochaltar mit dem großen Altarbild von der Krönung der Jungfrau Maria.
Nach 1773 wurde die Kirche als Militärkirche verwendet und seit 1783 dient sie als Pfarrkirche. Im Jahr 1786 wurde der kleine mittelalterliche Friedhof hinter dem Chorraum abgetragen und die Kreuzwegstationen außerhalb der Kirche (an der Kirchenmauer) wurden entfernt und durch kleine Verkaufsstände ersetzt.
1798 erfolgte der Umbau des Chores im neoklassizistischen Stil (kassettiertes Tonnengewölbe) und ein neuer Hochaltar kam hinzu. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche mehrmals renoviert. 1908 bis 1952 benutzte die Kirche wieder die Gesellschaft Jesu. Heute dient sie als Rektoratskirche der Erzdiözese Wien und ist Sitz der Kroatischen Mission.

Jesuitenhäuser

48.21096, 16.36841


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
Alle Rechte vorbehalten! / Minden jog fenntartva! © Kádár, Zsófia