Gebäude
Ehem. Jesuitenresidenz (sog. Schloß)
Beschreibung

Nach dem Brand von 1632 bauten die Jesuiten das mittelalterliche Klostergebäude nach und nach neu und schenkten ihm sein barockes Aussehen. Die Analyse der historischen Quellen zur Baugeschichte ist die Aufgabe der zukünftigen Forschung.
Wir können uns ein detailliertes Bild über der zeitgenössischen Nutzung und innere Raumverteilung des Gebäudekomplexes schaffen, weil ein Plan der Pfarrkirche und der ehemaligen Jesuitenresidenz, der nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu (19. Mai 1774) aufgenommen wurde, und sich eine detaillierte Beschreibung des Gebäudekomplexes erhalten hat. Die Kirche schließt den Komplex von Osten her ab. An der Südseite der Kirche befand sich ein ummauerter Friedhof, auf der anderen Seite der Mauer lag ein Garten der Residenz. Vor der Kirche befindet sich ein geschlossener quadratischer Hof, der von dem ehemaligen dreiflügeligen Klostergebäude umgeben ist, das die Jesuiten als Residenz nutzten. Daran schloss sich von Westen her ein weiterer (Wirtschafts-)Hof an, in dem sich auf der Südseite (Erdgeschoss) Räume für Knechte („familia“), eine Bindereiwerkstatt und die Brauerei befanden, deren zwei größere Erdgeschossräume den Komplex nach Nordosten abschlossen. Im südlichen Flügel der Residenz, der den inneren quadratischen Hof umschloss, befanden sich im Erdgeschoss zwei Küchenräume, ein Refektorium und drei miteinander verbundene, geräumige Säle (sog. Patergang mit gemalten Türrahmen). Im Ostflügel befanden sich ein Speicher („die obere Dispens“) und zwei Zimmer für den Schneidermeister. Im Nordflügel befanden sich das Zimmer des Kellermeisters, des Dispensator, ein Kerzenlager, ein Wachslager und ein Gästezimmer. Vor 1773 wurde der nordöstliche Anbau des Wohnhauses als Pfarrhof genutzt, mit einem Dienerzimmer.
Im Obergeschoss, im östlichen Teil des Südflügels, zum westlichen Hof hin, befanden sich eine geräumige „Kanzlei“, drei kleine Räume für das Archiv und ein kleiner Vorratsraum sowie das Zimmer des Mesners. Hier befanden sich das Zimmer des Superiors und sein Schlafgemach. Dieser Teil des Gebäudes verfügte auch über ein zweites Stockwerk (dritte Ebene). Im Obergeschoss befanden sich drei Räume für die Bibliothek, ein geräumiges Billardzimmer, ein Gästezimmer und eine kleine Kapelle. Im südlichen (ersten) Stock des Flügels zum Innenhof der Residenz befand sich ein Korridor, der sechs Jesuitenpriestern Wohnzimmern bot und den Zugang zum Musikchor der Kirche ermöglichte. Im Obergeschoss des östlichen Flügels zum Innenhof der Residenz befand sich ein einziger geräumiger Saal.
In den oberen Räumen des Nordflügels sollten nach der Ordensaufhebung ein Zimmer für den neuen Pfarrer, ein Zimmer für den neuen Kaplan, eine kleine Bibliothek und ein Lagerraum eingerichtet werden.

Jesuitenhäuser

47.845831, 13.791254


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
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