Gebäude
Kirche der Hl. Augustinus (ehemalige Jesuitenkirche, Festsaal)
Beschreibung

Die Kirche des Augustiner-Eremitenklosters, die seit Mitte des 14. Jahrhunderts existierte, wurde 1621 mit dem Klostergebäude von der Gesellschaft Jesu übernommen. Danach schickten die Jesuiten einen Plan nach Rom, der die Pläne für den Neubau des Klosters und den damaligen Zustand der Kirche zeigte. Die Kirche hatte einen Chor mit 5/8-Schluss, der von den Jesuiten erhalten und nicht abgerissen wurde. An den Chorraum war derzeit das Kirchenschiff asymmetrisch (d.h. südlich von der Achse des Chorraums) angebaut.
Am 25. April 1627 brachte die Jesuiten die Reliquien zweier frühchristlichen Märtyrer, des Hl. Cyriacus und des Propertius, in der Kirche unter. Der Prozession mit den Reliquien wohnten der Seckauer Bischof Jakob Eberlein und die örtliche Geistlichkeit bei. Die Jesuiten haben den Kult um die beiden Märtyrer, die so genannten „Bauernsöhne aus Strettweg“ aus dem 4. Jahrhundert, als Stadtpatrone erfolgreich verbreitet, obwohl es keine Aufzeichnungen über die römischen Anerkennung der beiden „Heiligen“ gibt, es sich also um einen lokalen Kult handelt.
Die Kirche wurde 1659 von den Jesuiten in mehreren Phasen umgebaut und barockisiert: Sie hielten den gotischen Chorraum bei, aber ließen das Kirchenschiff vollständig als Wandpfeilerkirche mit sechs Seitenkapellen, Emporen und Musikchor umbauen. Der Neuaufbau wurde durch Spenden mehrerer Wohltäter finanziert, außerdem erhielt das Kollegium mindestens 14.000 Ziegelsteine sowie Kalk und 60 Zentner Eisen von der Stadt. Zu den Wohltätern zählten: der Seckauer Domprobst Antonius de Potiis (der Stifter des Antoneums), seine Nachfolger Dompropst Maximilian Graf von Gleispach (Stifter des Hochaltars), Kaiser Ferdinand III, der Salzburger Erzbischof Graf von Thun, der Judenburger Burggraf Hermann Heinricher von Heinrichsperg, Graf Georg Sigismund von Herberstein (der für seine Spende über 1.000 Gulden den Bau einer Familiengruft bat).
Die Kirche erhielt einen neuen Hl. Augustinus-Hochaltar und verfügte im Jahr 1659 über insgesamt vier Altäre. Unter dem Hochaltar befand sich die Familiengruft der Stifterfamilie Thannhausen.
Die barocken Seitenaltäre sind größtenteils das Werk zweier aus Sachsen stammender, in Judenburg tätiger Bildhauer, Sebastian Maas und Michael Hönel. Die ehemaligen Seitenkapellen (vom Hauptaltar aus gesehen, links) sind: die Ignatiuskapelle (mit der Familiengruft der Familie Herberstein), die Heilig-Kreuz-Kapelle (genutzt von der Todesangst-Sodalität) und die Hl. Josef-Kapelle (mit der Gruft von Erasmus Wilhelm Graf von Saurau d. Ä.), (und rechts): Franz-Xaver-Kapelle (mit dem Stadtwappen Judenburg), in der Mitte eine Marienkapelle (von der Bürgerkongregation genutzt), hinten ein Schutzengelaltar (mit dem Wappen der Familie Inzaghi). Die Grüfte wurden in den 1660er–1680er Jahren errichtet.
Die Stuckdekoration der ersten und dritten Seitenkapellenpaare stammt von Giovanni Battista Cherubini (um 1660). Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde an der Nordseite des Kirchenschiffs eine Loretokapelle angebaut.
Zwischen 1950 und 1953 hat man die ehemalige Kirche in eine Festhalle umgestaltet, den Turm der Hauptfassade riss man ab und teilte das Innere der Kirche horizontal in zwei Teile. Die Räume im Dachgeschoss dienen weiterhin als Stadtmuseum. Bei der anschließenden Renovierung im Jahr 1990 entstanden ein Theatersaal im Obergeschoss, zwei Veranstaltungsräume im Untergeschoss und eine Glaswand an der Seite der ehemaligen Südkapelle (mit Teilabriss der Wand). Das Museum zog aus den Räumlichkeiten aus. Trotz der Umbauten blieb das Gebäude weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten, die Stuckaturen der Seitenkapellen wurden restauriert, der ehemalige gotische Altarraum blieb als Bühnenraum erhalten, und die ehemalige Loretokapelle dient heute als Barraum.

Jesuitenhäuser

47.168969, 14.663857


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

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