Gebäude
Terziatshaus
Beschreibung

Es gehört zu den Lücken der Geschichte der Jesuiten, dass wir über die Terziatshäuser der Österreichischen Provinz nur sehr beschränkte Kenntnisse haben. Zum „dritten Prüfung“ (sog. Terziat) wurden die Jesuitenpriestern der Provinz jedes Jahr in einem (später schon in zwei) bestimmten Kolleg versammelt, um sich gemeinsam mit Ignatianischen Exerzitien (geistlichen Übungen), Bußübungen, Missionstätigkeit und körperliche Arbeit auf die Ablegung des vierten, endgültigen und feierlichen Gelübdes vorzubereiten. Ab 1633 waren die Terziarier im Judenburger Kollegium untergebracht. Das Terziatshaus wurde von der Baronin Ursula von Thannhausen bis 1645 mit 50.000 Gulden gestiftet und damit langfristig finanziert. Das Terziatshaus bestand von 1633 bis 1637 und dann (nach die Terziarier ihre Probezeit im Jahr 1643 in Leoben absolvierten) ab 1644 (bis 1773) wieder in Judenburg. Nur nach den großen Stadtbränden (1699, 1709, 1758) mussten die Terziarier vorübergehend anstelle von Judenburg in Leoben residieren. Die Zahl der Terziarier lag anfangs zwischen 8 und 10, ab 1644 zwischen 10 und 25 und schwankte nach 1710 typischerweise zwischen 10 und 20 pro Jahr.
Aus den ersten Jahrzehnten ist bekannt, dass die Tertiarier 1633 in Oberösterreich und Kroatien und 1644 in Ungarn (typischerweise zur Fastenzeit) Missionen durchführten. Für diese Missionen sandte man einzelne Ordensmitglieder in kleinen Gruppen bzw. Paaren aus, so dass sie binnen einigen Wochen oder Monaten mehrere Städte und Dörfer erreichten. Die Ordensmitglieder besuchten Gebiete, in denen eine kontinuierliche Seelsorge aufgrund der konfessionellen Buntheit, des Priestermangels und des Fehlens katholischer Pfarreien nicht möglich war. In dem 18. Jahrhundert war es auch üblich, dass drei der Judenburger Terziaren an den städtischen Wallfahrten nach Maria Waitschach teilnahmen.

Jesuitenhäuser


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
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