Seit 1685 stand südöstlich der Stadt (in dem sogenannte „Fleischhackerberg“) eine vom Ratsbürger Ferdinand Rudolphi durch sein Gelübde errichtete Kreuzigungsgruppe, und an der dorthin führenden Straße wurden Stationen errichtet. 1698 übertrug Rudolphi die Pflege der Kreuze der „Unbefleckte Empfängnis“-Bürgerkongregation, die sich allmählich zum „Mons Calvariae“ entwickelte. Bis 1721 errichteten die Jesuiten mit Genehmigung des österreichischen Jesuitenprovinzials (Jakob Wenner SJ), des Judenburger Stadtpfarrers (Philipp Graf Inzaghy) und des Erzbischofs Franz Anton Graf von Harrach eine kleine Kalvarienbergkirche oberhalb der Kreuzigungsgruppe, die hauptsächlich von der Bürgerkongregation finanziert wurde. Sogenannte Eremiten (üblicherweise Franziskaner des Dritten Ordens) wurden zwischen 1724 und 1782 zur „Bewachung“ des Kalvarienbergs eingesetzt.
Die Jurisdiktion der Kalvarienbergkapelle war Gegenstand eines langen Streits: Die Judenburger Franziskaner und die Benefiziaten von Mariabuch sahen die Kalvarienbergkirche als Konkurrenz zu den umliegenden Wallfahrtskirchen. Außerdem entwickelte sich ein Jurisdiktionsstreit zwischen der lokalen Pfarrei und den Jesuiten, in dessen Folge die Kirche zwischen 1721 und 1770 nicht geweiht werden durfte: Die Jesuiten waren gezwungen, jedes Mal, wenn sie dort einen Gottesdienst feierten, einen tragbaren Altar aufzustellen. Der Streit endete 1770 damit, dass die Bürgerkongregation zugunsten der Pfarrei auf all ihre Rechte verzichtete. Die Kirche wurde am 8. Mai 1770 eingeweiht.
Der Streit hat die Inbetriebnahme des Kalvarienberges nicht verhindert. Um 1750 gab es bereits einen gut ausgebauten Kalvarienberg, die Kreuzigungsgruppe war mit einer Johannes-Evangelisten- und einer Marienstatue sowie einem „Heiligen Grab“ ausgestattet, die Kalvarienbergkirche verfügte über fünf Altäre und entlang des Kreuzweges auf den Berg standen zwölf Holzstationen.
Die heutige Kreuzigungsgruppe errichtete man im Jahre 1862, die Kirche wurde 1973 renoviert.
Gebäude
Kalvarienbergkirche und Kreuzweg
Beschreibung
Jesuitenhäuser
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