Gebäude
Gymnasium
Beschreibung

Am 3. November 1621 wurde neben der Jesuitenresidenz ein Gymnasium mit zwei Klassen und 35 Schülern eröffnet. Im Jahr 1625 gab es bereits vier Gymnasialklassen, aber die Poetik und Rhetorik wurden erst später (im Jahr 1642 bzw. 1646) eröffnet. Erst danach überstieg die Schülerzahl 100 (1647: 118 Schüler), aber in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts besuchten typischerweise jährlich 80–95 Schüler die Schule. Die für das 1710er Jahrzehnt typische jährliche Zahl von 70 bis 80 Schülern stieg nach 1725 wieder an (1736: 121 Schüler), sank dann ab 1740 auf 50–80 Schüler und nach 1761 auf 30–40 Schüler pro Jahr.
Nach den erhaltenen Schülerlisten von 1756–1760 wurde das Gymnasium hauptsächlich von Schülern aus der Steiermark (64%) und Kärnten (18%) besucht, die meisten von ihnen waren bürgerlich (43%), eine Minderheit von Adeligen (28%) oder Unterbürgerliche und Bauern (11%). In der Regel studierten dort Jungen im Alter von 9 bis 19 Jahren. Das Gymnasium war eines der kleineren, aber vollständigen (d.h. sechsjährigen) Gymnasien der österreichischen Jesuitenprovinz, das jährlich drei Jesuitenmagister hatte, so dass jeder Magister zwei Klassen gemeinsam unterrichtete.
Das Gymnasium war zunächst im Kollegiengebäude (vermutlich im Nordflügel) untergebracht, hatte aber ab 1642 ein eigenes Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite (in der heutigen Kaserngasse).
Die jährlichen Theateraufführungen der Gymnasiasten orientierten sich an den Themen der anderen Schulen (Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament, die Leben der Heiligen, mythologische und historische Stücke). Die Aufführungen fanden im Theatersaal (im Westflügel des Kollegs) statt, der 1659 fertiggestellt war. Auch in Judenburg gibt es frühe Beispiele für die Tradition der Weihnachtsspiele.
Bemerkenswert ist die Beziehung Judenburgs zur Universität Graz, die schon vor der Gründung des Judenburger Jesuitengymnasiums bestand: Seit 1611 hatte die Stadt jährlich drei Freiplätze für Judenburger Studenten in dem Grazer Konvikt „Ferdinandeum“, da das Judenburger Heiliegengeist-Spital 1607 an die Jesuiten verliehen worden war. Laut den Grazer Matrikeln studierten tatsächlich ein bis zwei Judenburger Studenten pro Jahr in Graz.

Jesuitenhäuser


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
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