Geprüft von Martin Scheutz, Thomas Winkelbauer. 31.05.2025.
Ort

Eberndorf
Herzogtum Kärnten

Zeit, Institutionstyp
ab bis Institutionstyp
1605 1773 residentia
Übergeordnete Jesuitenhäuser
ab bis Institutions
1605 1773 collegium Collegium Clagenfurtense
Aufhebung
1773
Geschichte

Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift und seine Güter übernahm die Gesellschaft Jesu 1604, weil Erzherzog Ferdinand damit dem Klagenfurter Kolleg eine sichere Stiftung verschaffen wollte. Die Einnahmen des Stiftes schätzte man zum Zeitpunkt der Übernahme auf jährlich 3.000–4.000 Gulden, was für den Unterhalt von etwa 34 Jesuiten ausreichen sollte.
Die Residenz diente als Verwaltungszentrum der jesuitischen Güter. Die Gesellschaft hat das Stiftsgebäude nach und nach umgebaut und erweitert. Zwischen 1604 und 1678 war die Residenz ständig mit 2–4 Laienbrüdern und 2–4 Jesuitenpriestern besetzt. Typisch für die frühe Zeit war auch, dass die Jesuiten selbst die zu den Gütern gehörenden Pfarreien besorgten.
Die Jesuitengemeinschaft der Residenz gehörte von Anfang an zum Klagenfurter Kolleg. Nach 1678 finden sich in den Jesuitenkatalogen jedoch keine ständig in Eberndorf ansässigen Ordensmitglieder mehr. Dennoch suchten die Leiter der Jesuitenprovinz und des Klagenfurter Kollegs nach einer neuen Funktion für das riesige Gebäude – so ist Stift Eberndorf ein sehr gutes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität der Gesellschaft Jesu.

Gebäude, Lage in der Stadt

Die Gebäude des ehemaligen Augustiner Chorherrenstifts wurden zwischen 1604 und 1773 von den Jesuiten als Residenz und Verwaltungszentrum ihrer Güter genutzt.

Verbundene/Weitere Einrichtungen

Zwischen 1608 und 1632 gab es in Eberndorf ein großes Terziatshaus mit 10–20 Jesuitenpriestern, das (ohne eigene Stiftung) aus den Einnahmen des Kollegs unterhalten wurde. Im Gegenzug trugen die Terziarier als Missionare in der Region viel zur Rekatholisierung Kärntens bei: Sie erreichten viele kleine Dörfer, predigten und spendeten die Sakramente und legten so den Grundstein für die erneute katholische Religionsausübung. Von 1611 bis 1614 war das Terziatshaus wegen einer ansteckenden Krankheit, an der der Eberndorfer Superior selbst starb, ausgesetzt. Der Provinzial hat dann das Terziatshaus laut Klagenfurter Jesuitenchronik im Jahr 1632 wegen der häufigen Erkrankungen der hiesigen Ordensangehörigen endgültig geschlossen und umgesiedelt.

In Eberndorf gründeten die Jesuiten 1659 eine Priesterkongregation, die zunächst aus 35 Pfarrern aus dem Patriarchat von Aquileia, der Erzdiözese Salzburg und dem Bistum Laibach bestand. Ziel der Sodalität des Hl. Ignatius war die Erneuerung des priesterlichen Lebens. Die Mitglieder trafen sich jährlich in Eberndorf, um Ignatianische Exerzitien durchzuführen. 1661 bekam die Kongregation die päpstliche Bestätigung, und einige Erzpriester und Pröpste waren bereits Mitglieder. Von 1664 bis 1676 war Pater Bartholomäus Podl der Präses. (Podl selbst war gebürtiger Eberndorfer und wirkte bis zu seinem Tod 1676 jahrzehntelang am Klagenfurter Jesuitenkolleg und initiierte möglicherweise die Gründung der Priesterkongregation). 1665 hatte die Sodalität 50 Mitglieder. Die Kongregation war bis 1773 tätig, ihr letzter Präses war Joseph Mayer.
Jedes Jahr organisierte die Kongregation einige mehrtägige Exerzitien (längstens 8 bis 10 Tage) in Eberndorf und Klagenfurt. Tatsächlich wurden die Geistlichen Übungen bereits vor der formellen Kongregationsgründung aufgenommen: 1658 nahmen Prälaten, Domherren, Pfarrer und einige Laien daran teil. 1695 absolvierten die Geistlichen Übungen in Eberndorf 40, in Klagenfurt 28 Priester. 1719 waren es in Eberndorf 39 und 1734 27.
So gehörten Klagenfurt und Eberndorf mit ihren für externe (nicht-jesuitische) Priester organisierten Exerzitien zu den ersten nicht nur in der österreichischen Jesuitenprovinz, sondern im gesamten deutschen Raum. Ähnliche Exerzitien, allerdings eher für Seminaristen, sind in Wien und in Tyrnau (innerhalb der österreichischen Jesuitenprovinz) in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bekannt.

Kongregationen

Kongregation der Hl. Ignatius, Eberndorf (Congregatio reverendorum dominorum ecclesiasticorum sub titulo Sancti Ignatii Eberndorffii) Die Kongregation war von 1659/1661 bis 1773 in Eberndorf tätig.

Archivmaterial

Siehe Collegium Clagenfurtense!

Literatur

Eberndorf. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs: Kärnten. Basierend auf den Vorarbeiten von Karl Ginhart, neuarbeitet von Ernst Bacher, Ilse Friesen, Géza Hajós, Wolfram Helke, Elisabeth Herzig, Horst R. Huber, Margarete Migacs, Jörg Oberhaidacher, Elisabeth Reichmann-Endres, Margaretha Vyoral-Tschapky, mit Beiträgen von Paul Gleirscher, Gernot Piccottini und Albrecht Wendel. Dritte, erweiterte und verbesserte Auflage bearbeitet von Gabriele Russwurm-Biró. Wien, 2001. (DEHIO-Handbuch die Kunstdenkmäler Österreichs) 93–98.

Rutar, Sonja: Stift und Marienkirche Eberndorf. Eberndorf, 2018.

Strazer, A.: Die Übergabe des Chorherrenstiftes Eberndorf an die Jesuiten. Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. 6. Ergänzungsband, 1901. 624–633.

MAP

Die Gebäude des ehemaligen Augustiner Chorherrenstifts wurden zwischen 1604 und 1773 von den Jesuiten als Residenz…


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
Alle Rechte vorbehalten! / Minden jog fenntartva! © Kádár, Zsófia