GRUNDDATEN
Klagenfurt
Herzogtum Kärnten
| ab | bis | Institutionstyp | |
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| 1604 | 1604 | missio | |
| 1605 | 1773 | collegium |
| ab | bis | Institutions | ||
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| 1604 | 1604 | collegium |
| ab | bis | Institutions | ||
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| 1605 | 1773 | residentia | Residentia Eberndorfensis |
GESCHICHTE UND TÄTIGKEIT
Geschichte
Die Gründung der Jesuitenniederlassung war Teil des Rekatholisierungsprozesses Kärntens, der unter Erzherzog Ferdinand (später Kaiser Ferdinand II.) seinen Höhepunkt erreichte. Im Jahr 1600 kam eine Reformationskommission unter der Leitung des Seckauer Fürstbischofs Martin Brenner ins Land, die die Landschaftsschule, die Dreifaltigkeitskirche und das Bürgerspital, — alle einige Jahrzehnte zuvor von den evangelischen Landständen erbaut — von den Ständen übernahm. Das Spital, gegen dessen Verlegung sich das Bürgertum und die Landstände vehement wehrten, war für das künftige Jesuitenkolleg vorgesehen. Dennoch wurden das Bürgerspital und die Kirche 1604 von einer Landeskommission an den Jesuitenorden übergeben, der damit überhaupt der erste religiöse Orden war, der sich in der Stadt niederließ. Am 30. November 1604 weihte der Gurker Weihbischof Karl Grimmig die lutherische Kirche zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus neu. Die Gründungsurkunde Ferdinands an die Jesuiten (über die Übertragung der Kirche und des Bürgerspitals) ist vom 11. Dezember 1604 datiert.
Im Sommer 1604 kam als erster Jesuit Gallus Scherer aus dem Grazer Kolleg nach Klagenfurt, um zu predigen und die Tätigkeit der Gesellschaft vorzubereiten. Im Studienjahr 1604/1605 befanden sich bereits drei Priester, zwei Magister und drei Laienbrüder im neu gegründeten Kolleg.
Die Finanzierung des Kollegs erfolgte durch das Augustiner Chorherrenstift Eberndorf, wobei früher auch das Vermögen des Stiftes Arnoldstein als mögliche Stiftung in Betracht gezogen worden war. Im Jahr 1604 lebten fünf bejahrte Chorherren im Kloster; gegen die Übertragung an die Jesuiten wehrte sich der für dieser Region zuständige Erzbischof, der Patriarch von Aquileia, Francesco Barbaro. Nach dem Tod des letzten Propstes (1602) erwirkte Erzherzog Ferdinand die päpstliche Genehmigung für die Aufhebung des Chorherrenstiftes und die Verwendung seiner Gebäude und Ländereien für die Gründung eines Kärntner Jesuitenkollegs. Das Stift Eberndorf wurde am 29. Juli 1604 von Bischof Martin Brenner von Seckau (als landesfürstlichem Kommissar) und dem päpstlichen Nuntius in Graz, Graf Girolamo Portia, an den österreichischen Jesuitenprovinzial Alphonso Carillo übergeben.
Stiftung
Der von der Gesellschaft Jesu anerkannte Fundator des Kollegs war Ferdinand, der als Erzherzog die Kirche und das Bürgerspital in Klagenfurt, daneben das Vermögen des vorherigen Augustiner Chorherrenstiftes Eberndorf der Gesellschaft vermachte. Die Gründungsurkunde ist vom 11. Dezember 1604 datiert. Die jährlichen Einkünfte der Eberndorfer Güter betrugen damals zwischen 3.000 und 4.000 Gulden, womit der Unterhalt von 34 Ordensmitgliedern realistisch als gedeckt angesehen wurde.
Die Aufnahme des akademischen Unterrichts wurde durch eine weitere Stiftung von 50.000 Gulden des Leonhard Scherer, des Kanzlers der Bamberger Herrschaften in Kärnten und kaiserlichen Hofpfalzgrafen, ermöglicht, der von der Gesellschaft auch den Titel eines Fundators erhielt (1651).
Mitgliedschaft
Die Mitgliederzahl der Jesuiten in Klagenfurt und in Eberndorf war von Anfang an recht hoch, da sie einen Großteil der Stiftungseinnahmen für diesen Zweck verwenden konnten, ohne die übernommenen Gebäude durch neue ersetzen zu müssen. Das Gymnasium hatte (ab 1616) sechs Magister (davon ein oder zwei Priester), der akademische Unterricht seit 1658 sieben oder acht Professoren. Die Zahl der Priester, die hauptsächlich in der Seelsorge tätig waren, lag anfangs zwischen fünf und acht in Klagenfurt und zwischen zwei und vier in Eberndorf (bis 1678). In der Mitte des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl der Jesuitenpriester in Klagenfurt auf 15 bis 20 an. Das Kolleg erhielt eine stabile Anzahl von Laienbrüdern (coadiutores temporales): In Klagenfurt waren es anfangs vier bis fünf Koadjutoren, nach der Gründung der Akademie acht bis elf und Mitte des 18. Jahrhunderts 12 bis 13. In Eberndorf gab es bis 1678 zwei bis vier Koadjutoren, die teilweise mit der Verwaltung der Güter beschäftigt waren.
In der Landeshauptstadt spielten sowohl die pädagogische als auch die seelsorgerische Tätigkeit der Jesuiten im 17. und 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Die antijesuitische Stimmung der evangelischen Stadtbevölkerung änderte sich im Laufe der Zeit: Der Fortschritt der Rekatholisierung lässt sich an der Zahl der Konversionen ablesen, die um 1630 bei jährlich bei 25–30 lag. Innerhalb der Stadt predigten sie, feierten Messen, nahmen die Beichte ab und hielten Katechismusunterricht in ihren eigenen Kirchen, hauptsächlich in deutscher Sprache. Seit 1639/1641 war die Heiligengeistkirche der Ort der Predigt und des Katechismus in slowenischer Sprache, eine Aufgabe, die der Gesellschaft von den Landständen übertragen worden war. Nach der Übernahme der Kirche durch die Ursulinen (1670) waren dort die Jesuiten weiterhin tätig. Sie kümmerten sich auch um die Seelsorge an den Schwestern und den Schülerinnen der Mädchenschule und des Internats der Ursulinen (Predigten, Beichte, Katechismus).
Die Jesuiten waren auch an der Seelsorge in den städtischen Gefängnissen und Spitälern engagiert und verteilten in bestimmten Notsituationen (z. B. bei der Epidemie von 1639) Lebensmittel und Spenden an die Bevölkerung.
Neben Klagenfurt wurde auch die Pfarrkirche von Eberndorf zunächst von den Jesuiten selbst versorgt. Anfänglich kam es zu Konflikten mit der protestantischen bzw. neu konvertierten Bevölkerung, z. B. 1619 zu Auseinandersetzungen in zwei Dörfern wegen der Verweigerung des Laienkelches. Bis 1633 war die rege Missionstätigkeit von Terziarier-Priestern in der Umgebung (Jauntal, Lavanttal) ebenfalls bedeutend.
Die Jesuiten führten in Eberndorf, Klagenfurt und auf Einladung des Gurker Bischofs gelegentlich auch in dessen Haus in Salzburg ignatianische (acht- bis zehntägige) Exerzitien für (ordensexterne) Priester und Seminaristen durch. Diese Exerzitien erhielten durch die Priesterkongregation (congregatio reverendorum dominorum ecclesiasticorum sub titulo Sancti Ignatii), die 1659 in Eberndorf unter der Leitung eines Jesuitenpaters gegründet wurde, eine größere Regelmäßigkeit. Im 18. Jahrhundert wurden auch in Eberndorf und Klagenfurt sog. Standesexerzitien abgehalten (wegweisend für die österreichische Jesuitenprovinz). Diese in der Regel dreitägigen Exerzitien organisierte man für Männer aus verschiedenen sozialen Gruppen und getrennt für Frauen; sie waren ab Ende der 1710er Jahre im süddeutschen Raum ein großer Erfolg. Die Klagenfurter Jesuiten könnten diesem Muster gefolgt sein.
Die Kirche wurde von den Landständen als Zentrum der Evangelischen Kirche in Kärnten erbaut (1581–1591), der spätere erste Bürgermeister, Christoph Windisch plante und leitete den Bau. Der Architekt kam wahrscheinlich aus dem Kreis von Johann Anton Verda. Die als „früheste große Wandpfeilerkirche Österreichs” bezeichnete Kirche sahen die Jesuiten als geeignet für die Zwecke der Gesellschaft Jesu an. Einer Anekdote zufolge, die auch von den Jesuiten aufgezeichnet wurde, hatte der Architekt der Kirche, ein geborener Venezianer, mit Gewissensbissen zu kämpfen, weil er eine Kirche für „Ketzer” gebaut hatte, ohne zu ahnen, dass das Gebäude bald die katholische Religionspraxis dienen würde.
Die Jesuiten nahmen zunächst nur die notwendigsten Veränderungen an der Kirche vor: Unter den Seitenemporen bauten sie die Wandnischen zu Seitenkapellen mit acht Holzaltären um. Nur später, ab den 1660er Jahren haben sie die Innendekoration neugestaltet: Eine Krypta wurde gebaut, eine neue Kanzel errichtet, der Hauptaltar mit Statuen geschmückt, sechs neue Seitenaltäre hinzugefügt, eine Franz-Xaver-Kapelle an der Südseite des Langhauses errichtet (gestiftet von Wolfgang Andreas Graf Orsini-Rosenberg als Grabstätte für seine Familie), die Chorraum vergrößert. Die hochbarocke Ausstattung der Kirche wurde nach dem Brand von 1723 fertiggestellt: Stuckdekor (Kilian Pittner, 1725–1727), Hochaltar (Altarblatt von Daniel Gran, 1752), sechs Seitenaltäre (wahrscheinlich aus der Werkstatt von Lukas Misli, Laibach, 1725–1727), großes Relief: Apotheose des hl. Joannes Nepomuk (J. F. Fromiller, Christoph Rudolph, 1727, aus Beiträgen der Landstände) und Kanzel (1726, Christoph Rudolph).
Seit 1787, als der Sitz des Bistums Gurk nach Klagenfurt übersiedelt war, funktioniert die Kirche als Domkirche.
Das Gebäude, ursprünglich von den lutherischen Landständen als Bürgerspital errichtet (1586–1593), übergab es Erzherzog Ferdinand 1604 trotz der Proteste der Bürger und der Landstände den Jesuiten als Schenkung. Zunächst mussten die Jesuiten das Gebäude mit den ehemaligen Pfründnern teilen (drei Viertel zu einem Viertel), dann ließ der Orden auf Druck der Bürgerschaft ein neues Spital erbauen und übergab es der Stadt (1618). An dem Gebäude wurden anfangs nur die notwendigsten Veränderungen vorgenommen, so wurden z. B. 1607 aus einem Säulengang erreichbare, separate Räume für die Mitglieder geschaffen.
Im Jahr 1636 führte ein Stadtbrand, der vom Kolleg ausging, zu einer regelrechten Verfolgung der Klagenfurter Jesuiten. Die Jesuiten, die beschuldigt wurden, den Brand vorsätzlich gelegt zu haben, flohen nach Eberndorf, und die Einwohner plünderten und beraubten das bereits niedergebrannte Kolleggebäude. Die rasche Rückkehr der Ordensmitglieder in die Stadt ermöglichte die Intervention von Freiherr Johann Andreas von Rosenberg, der dem Magistrat mit Repressalien des Erzherzogs drohte, falls die Stadt die Gesellschaft zu einer dauerhaften Abwesenheit zwingen würde.
Die Stimmung des Bürgertums, das den Jesuiten zunächst feindlich gegenüberstand, verbesserte sich mit der Zeit, und 1643 konnte der Orden die Erweiterung des Kollegs und den Bau eines neuen Stockwerks aus (teilweise) lokalen Spenden finanzieren. Im Jahresbericht der Jesuiten (litterae annuae) von 1657 wird die Erweiterung des Kollegs für die Schulzwecken erwähnt. Bis 1687 ist ein auditorium academicum (Theatersaal) im zweiten Stock des Nordflügels aufgebaut, ebenfalls mit der finanziellen Hilfe der Landstände. Das Kolleg wurde 1723 durch einen Brand beschädigt, dann repariert und wiederaufgebaut.
Das ehemaliges Kolleg funktionierte ab 1776 als Kaserne – im Volksmund hieß es lange Zeit Jesuitenkaserne. Damals hat man ein weiteres Stockwerk hinzugefügt. Das Gebäude wurde nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg abgerissen (1960/1964). Die Neugestaltung der Platz vor der ehemaligen Jesuitenkirche, damals bereits Dom- und Stadtpfarrkirche benutzt, stammt aus 1973.
Das Konvikt befand sich gegenüber dem Kolleg in der Viktringergasse (heute Karfreitstraße 14). Die Jesuiten erwarben mehrere Grundstücke und Häuser, als das große Seminar nach und nach errichtet wurde. Die Inschrift an der Ostfassade, die heute noch zu sehen ist, erinnert an die ehemalige Funktion und den Titel der Einrichtung: „1668 Seminarium S. Ignatii Societatis Iesu fundatoris”.
Das Konvikt brannte 1723 fast vollständig ab, wurde aber bis 1725 wieder aufgebaut. Das Gebäude war später als „Haus zum goldenen Brunnen” genannt, und ein großer Teil davon steht heute noch.
Fast gleichzeitig mit der Schuleröffnung (1605) kauften die Jesuiten ein Haus für ein Konvikt (Seminar). Zunächst diente es als Internat (seminarium pauperum) für arme Studenten und Musiker. Später erlangte die Einrichtung auch die Funktion eines Adelskonviktes und wurde bis 1773 nie geteilt, es wurde von jesuitischen Regenten (regentes seminarii) geleitet. Die Bewohner waren Schüler des Gymnasiums und der Akademie. Es gibt keine Aufzeichnungen über irgendwelche zusätzlichen Ausbildungen im Konvikt (anders als in anderen Adelskonvikten um die Mitte des 18. Jahrhunderts).
Die Bewohnerzahl schwankte. 1616 lebten dort 60 Studenten (davon 21 Adelige). Im Jahr 1621 setzten die Jesuiten das Seminar aufgrund des böhmischen Aufstandes (Kriegsgefahr) aus; nur 12 Musiker waren vorübergehend im Jesuitenkolleg untergebracht. 1648 waren 33 Studenten (davon 18 Alumnen, d. h. Stiftlinge), 1665 14 Stiftlinge (Musiker) und 12 Konviktschüler (Studenten/Schüler) im Konvikt. Danach lebten dort jedes Jahr 44–54 Zöglinge, 1768 34 Alumnen und 13 Konviktoren.
Da es keine einzige große Stiftung gab, wuchs die Einrichtung allmählich durch kleinere Schenkungen und Stiftungen (z. B. von den Gurker Bischöfen und von anderen Prälaten sowie von den Landständen). Die Musiker wurden durch besondere Stiftungen versorgt.
Im Jahr 1606 wurde auch ein Vorstadtgarten („Seminarstöckl“) für die Konviktschüler zur Erholung und Bewegung (recreatio) erworben.
Die frühesten Aufzeichnungen in den jesuitischen Jahreskatalogen stammen aus den Jahren 1617/1618, als ein Professor Dialektik und Kontroverstheologie lehrte, und aus den Jahren 1621–1622, als ein Professor Kontroverstheologie und ein anderer Kasuistik lehrte. Von 1644 bis 1653 war die höhere Bildung bescheiden, mit einem oder zwei Professoren pro Jahr, die Kasuistik, Kontroverstheologie und Dialektik unterrichteten, mit finanzieller Unterstützung von Ferdinand III. und dem Bischof von Gurk.
Zwei große Stiftungen, die 1651 zu diesem Zweck gemacht wurden, bildeten die finanzielle Grundlage für die vollständige akademische Ausbildung. Leonhard Scherer, kaiserlicher Hofpfalzgraf und Kanzler der Bamberger Herrschaften in Kärnten, stiftete 50.000 Gulden. Sebastian Vinoschitz, apostolischer Protonotar, fürstbischöflicher Gurker Rat, Propst von Kraig, stiftete 10.000 Gulden. Die Gründung der Akademie wurde auch von den Kärntner Landständen als Prestigefrage angesehen; in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gaben sie beträchtliche Summen für den Erweiterungsbau des Kollegs zu Schulzwecken, den Bau neuer Hörsäle und eines Theatersaales aus.
Allerdings kam es (um 1651–1653) zu einem Streit mit der angesehenen Universität Graz über die Rechte des Klagenfurter Kollegs und seinen akademischen Unterricht. Aufgrund der Opposition von Graz wurde der Klagenfurter Institution (die man nach dem jesuitischen Sprachgebrauch getrost als Akademie bezeichnen kann) aber der Universitätsstatus nie zuerkannt. Dies bedeutete, dass die Akademie eine umfassende Ausbildung in Philosophie, Theologie und Kirchenrecht (1653 bis 1656), dann auch in Zivilrecht (1707) entwickelte. Die Studenten verteidigten feierlich ihre Thesen in Klagenfurt. Lediglich das Promotionsrecht erhielt die Klagenfurter Akademie nie, da dieses Recht bei der Universität Graz verblieb. Die Thesen wurden jährlich in Graz geprüft, danach die Studenten auch dort promoviert. All dies tat der Beliebtheit Klagenfurts keinen Abbruch. Die Studentenzahl der Klagenfurter Akademie lag in der Regel zwischen 80 und 130, im Jahr 1665 waren es 168 Studenten.
Die Schule wurde im Herbst 1604 mit vier Klassen eröffnet, 1607/08 gab es fünf Klassen mit fünf Lehrern und 1616 waren es sechs Klassen mit sechs Lehrern. Das Gymnasium blieb bis 1773 eine sechsklassige Schule, mit weniger als sechs Lehrern nur in Ausnahmefällen (Krieg, Epidemien).
Das Gymnasium war eines der größten Jesuitengymnasien in der österreichischen Jesuitenprovinz mit einer typischen Schülerzahl von 350–450. Zwischen 75 und 80% der Schüler (einschließlich der akademischen Studenten) kamen aus Kärnten, weitere 5–8% aus Krain. Darüber hinaus gab es Schüler aus vielen Provinzen und Ländern: Tirol, Böhmen, Schlesien, Ungarn, Salzburg, Venedig, Spanien, Frankreich, Dänemark. Die soziale Herkunft der Schüler war recht gemischt, nur etwa 16% waren adeliger Herkunft.
Es gab regelmäßig Schultheateraufführungen, bei denen oft die weltlichen und kirchlichen Würdenträger Kärntens Prämien verteilten. Die Themen der Aufführungen waren biblische Geschichten, Bekehrungsstücke, Geschichten, die dem Kult des Ignatius und anderer Heiliger gewidmet waren, Märtyrerlegenden, Stücke zu Themen der griechisch-römischen Mythologie oder der Landesgeschichte usw. Die Blütezeit der Theateraufführungen war das Jahrzehnt nach 1745, als es vier Aufführungen pro Jahr gab. Im 17. Jahrhundert fanden die Aufführungen größtenteils auf einer Bühne im rechteckigen Innenhof des Kollegs statt, die bis zu 900 Zuschauern Platz bot. Das „theatrum maius“ (1687 fertiggestellt) hatte eine Kapazität von etwa 300 Plätzen. Außerdem gab es ein „theatrum minus“, in den Aufführungen der unteren Klassen stattfanden.
Kongregationen
„Annunciatio Mariae“ lateinische (akademische) Studentenkongregation. Die Studentenkongregation wurde 1609 gegründet, und sie erhielt im selben Jahr die Bestätigungsbulle aus Rom. Vor allem am Anfang waren (mangels einer städtischen Kongregation) auch vornehme Geistliche und Laien sowie Bürger unter den Mitgliedern. Ansonsten waren die Gymnasiasten die Sodalen. Im Jahr 1644 wurde eine „kleinere“ Schülerkongregation abgetrennt, deshalb durften fortan nur noch die Rhetorik-, die Poetik- und die akademischen (philosophischen, theologischen) Studenten der „großen“ Kongregation beitreten. Ihre jesuitischen Präsides waren meist Professoren der Akademie. Die Rektoren (hochwürdige, titulare Oberen) waren kirchliche und weltliche Würdenträger aus Kärnten, z.B. die Äbte von Ossiach oder der Vizedom von Kärnten). Die Sodalität hatte 1665 270 Mitglieder.
„Immaculata Conceptio“ lateinische (kleinere) Schülerkongregation. Die „kleinere“ Schülerkongregation wurde 1644 (nach dem Beginn des akademischen Unterrichts) mit römischer Bestätigung gegründet. Ihre Mitglieder waren die Schüler der Syntax, Grammatik und Prinzip. Die Separierung einer „congregatio media“ mit eigenen Präsides ist nur zwischen 1656 und 1660 belegt. Die Kongregation hatte 1665 191 Mitglieder.
„Assumptio Mariae“ deutsche Bürgerkongregation. Die 1623 gegründete Bürgerkongregation „Mariä Himmelfahrt“ nahm anfänglich 70 Bürger auf. Bereits im ersten Jahr sammelte die Sodalität 600 Gulden aus den Spenden der Mitglieder für die Dekoration der Kongregationskapelle. Im Jahr 1665 zählte die Kongregation 300 Mitglieder.
Die Wiederbelebung der städtischen Fronleichnams-Bruderschaft wurde 1644 von einem Jesuiten initiiert, aber diese Bruderschaft stand nicht unter jesuitischer Leitung.
„Agonia Christi“ Sodalität. Die Todesangst-Sodalität wurde am 13. März 1661, dem Festtag der Dominica secunda quadragesima (Dominica Reminiscere), gegründet.
Katechismussodalität. Eine Christenlehrsodalität war in der Stadt ab 1757 tätig.
Die Kirche aus dem 14. Jahrhundert nutzten zwischen 1563 und 1600 die Lutheraner. 1630 bis 1639 ließen die Landstände sie als Landschaftskapelle wieder aufbauen, und nach der Wiedereinweihung vertrauten sie die hiesige Seelsorge den Jesuiten an. Ein slowenischer Priester des Kollegs predigte an Sonn- und Festtagen und hielt in der Kirche wöchentlich Katechismusunterricht in slowenischer Sprache ab.
1670 überließen die Landstände die Kirche den in der Stadt neu angekommenen Ursulinen. Aber die seelsorgerliche Tätigkeit der Jesuiten wurde während der Ursulinenzeit bis zur Auflösung der Gesellschaft Jesu fortgesetzt.
Schicksal nach der Aufhebung
Nach 1773 wurde die Jesuitenschule in ein staatliches Gymnasium und Lyzeum umgewandelt. Dieses wurde ab 1809 vom Benediktinerorden weitergeführt, 1871 wurde die Schule verstaatlicht. Seit 1787 wird die Kirche als Domkirche des Bistums Gurk benutzt.
Das Gebäude des Jesuitenkollegs fungierte ab 1776 als Kaserne. Aufgrund von Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg wurde es 1963 abgerissen, an seiner Stelle errichtete man 1973 den Domplatz.
Die anderen Liegenschaften der Jesuiten im Stadtgebiet von Klagenfurt (Seminarstöckl, Schloss Zigguln) wurden nach 1773 verkauft und gingen in Privatbesitz über.
(LAND)WIRTSCHAFT UND ERHOLUNGSIMMOBILIEN
Im Jahr 1606 kauften die Jesuiten einen Vorstadtgarten („Seminarstöckl“) für die Konviktschüler zur Erholung und Bewegung (recreatio). Von den ehemaligen Jesuitengebäuden (Gartenhaus) ist nichts mehr erhalten, an der Stelle des ehemaligen Gartens stehen heute moderne Wohnhäuser (Fundstraße 15, 17).
Das Schloss wurde 1645 als Sommerresidenz gekauft. Das im 17. Jahrhundert (um)gebaute Gebäude ist ein einfacher zweigeschossiger Bau mit vier Flügeln und einem geschlossenen rechteckigen Innenhof. Wahrscheinlich diente es sowohl den Jesuiten als auch den Studenten als Erholungsort. Im Jahr 1773 schätzte man der Wert des Schlosses und seiner Ländereien auf 13.479 Gulden.
Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Eberndorf diente als erste Stiftung des Klagenfurter Jesuitenkollegs und befand sich seit 1604 in dessen Besitz. 1661 kauften die Jesuiten das Schloss und das Gut Wasserhofen, das sie bis 1773 besaßen, und verbanden sie mit der Herrschaft Eberndorf. Die Herrschaft Eberndorf mit all ihren Besitztümern wurde zum Zeitpunkt der Ordensaufhebung auf 237.577 Gulden geschätzt.
Die Jesuiten erwarben in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts (1629?) das an der Nordseite des Wörther Sees gelegene Landgut und Schloss, zu dem ein ausgedehntes Waldgebiet gehörte. Später kamen weitere Grundstücke hinzu. Im Jahr 1773 wurde die Herrschaft Pörtschach mit 54.044 Gulden bewertet.
QUELLEN
Archivmaterial
Die Bibliothek der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt verwahrt die Hausgeschichte (historia domus) des Jesuitenkollegs: Sondersammlungen, Pap.Hs. 180/1–3.
• [Fleischer, Joseph:] Annales collegii Clagenfurtensis Societatis Jesu ab anno Christi 1603, fundati collegii primo. Tom. I. [1603–1682] — Teilweise publiziert von Werner Drobesch und Peter G. Tropper, siehe unten.
• Historiae Societatis Jesu collegii Clagenfurtensis. Tom. II. [1683–1730]
• Historiae Clagenfurtensis Societatis Jesu collegii. Tom. III. [1731–1771]
Das Kärtner Landesarchiv (Klagenfurt) enthält verschiedene jesuitenbezogene Materialien; z. B.:
• Landesbehörden, 192 Jesuitenaufhebung (AT-KLA 192), 14 Kartons — teilweise bearbeitet von Franziska Sussitz in ihrer unveröffentlichten Diplomarbeit, 2004 – siehe unten.
• Landesbehörden, Ständisches Archiv, Urkunden (AT-KLA 457), einige Stiftungsurkunden
• Sammelbestände, Allgemeine Urkundenreihe (AT-KLA 418)
• Privatarchive, 642 Klagenfurt, Gymnasium (AT-KLA 642), Nr. 2, 4-7. bewahrt die Schulmatrikeln aus der Jesuitenzeit (die Provenienz der Handschriften ist unklar):
- Album gymnasii Clagenfurtensis in quod referentur nomina studiosorum ab anno Domini 1657 usque ad annum 1694
- Nomina praemiferum 1666–1775
- Liber cui inscripta sunt nomina studiosorum scholarum humaniorum ab anno 1684 [usque ad 1772]
- Album studiosorum inferiorum classium Clagenfurti anno Christi 1723 duo urbs haec funesto ac miserabili incendio devestata lamentabilem scholis omnibus finem 16 Augusti [1747] posuit
- Album studiosorum inferiorum classium Clagenfurt 1747–1770
- Album studiosorum inferiorum scholarum ab anno 1747 ad annum 1770
- Album studiosorum inferiorum sex classium Clagenfurti 1771–1807
Das Archiv der Diözese Gurk (Orden und Genossenschaften) verfügt auch über einigen Dokumenten, die die Jesuiten betreffen.
Literatur
Allmaier, Peter: Der Dom zu Klagenfurt. Patrozinium: St. Peter und Paul (29. Juni) Diözese Gurk. (PEDA Kunstführer 829) Passau, 2011.
Chronik des Jesuitenkollegs Klagenfurt. I. 1. 1603–1645. Hrsg. von Werner Drobesch, Peter G. Tropper. Klagenfurt–Wien, 2014.
Deuer, Wilhelm: Die protestantische Dreifaltigkeitskirche in Klagenfurt und ihre Umwidmung in eine Jesuitenkirche. In: Katholische Reform und Gegenreformation in Innerösterreich 1564–1628. Hrsg. France M. Dolinar, Maximilian Liebermann, Helmut Rumpler, Luigi Tavano. Klagenfurt–Graz–Wien, 1994. 637–654.
Deuer, Wilhelm: Der Klagenfurter Dom als Prototyp der frühbarocken Wandpfeilerkirche in den Alpenländern? – Eine These. In: Die Jesuiten in Innerösterreich – Die Kulturelle und geistige Prägung einer Region im 17. und 18. Jahrhundert. Hrsg. Werner Drobesch, Peter G. Tropper. Klagenfurt–Ljubljana–Wien, 2006. 157–180.
Drobesch, Werner: Die Internationalisierung der „Provinz“: Die Klagenfurter Jesuiten-„Akademie“ als überregionale Bildungsstätte. In: Die Jesuiten in Innerösterreich – Die Kulturelle und geistige Prägung einer Region im 17. und 18. Jahrhundert. Hrsg. Werner Drobesch, Peter G. Tropper. Klagenfurt–Ljubljana–Wien, Verlag Hermagoras, 2006. 95–114.
Drobesch, Werner: Habent sua fata libelli. Die historiographischen Buchbestände der Klagenfurter Jesuitenniederlassung zum Zeitpunkt der Auflösung (1773). In: Kärntner Landesgeschichte und Archivwissenschaft. Festschrift für Alfred Ogris zum 60. Geburtstag. Hrsg. Wilhelm Wadl. Klagenfurt, 2001. (Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 84) 321–338.
Drobesch, Werner: Die „Caritas” als Handlungsprinzip im seelsorgerlichen Wirken der Klagenfurter Jesuiten. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. Hrsg. Franz Nikolasch. Millstatt, 2015. 34–49.
Drozd, Kurt Wolfgang: Die Bibliothek des Collegiums SJ Klagenfurt (1602–1773). Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Bundesstaatlichen Studienbibliothek Klagenfurt. Mit einer Übersicht über die Kärntner Bibliotheken. Biblos 8(1960), 112–124.
Drozd, Kurt Wolfgang: Schul- und Ordenstheater am Collegium Societatis Jesu Klagenfurt (1604–1773). Klagenfurt, 1965. (Theatergeschichte Kärntens 1, Buchreihe des Landesmuseums für Kärnten 10)
Graf, Rainer: Chronik des k. k. Gymnasiums zu Klagenfurt, von seinem Entstehen bis zur Gegenwart. I. Programm des k. k. Staatsgymnasiums zu Klagenfurt am Schluße des Studien-Jahres 1851. Klagenfurt, 1852. 1–56.
Hertling, Ludwig: Die Jesuiten in Kärnten 1604–1773, 1859–1968. Klagenfurt, 1975.
Jembrih, Alojz: Der Beitrag des Klagenfurter Gymnasiums zu den kulturellen deutsch-slowenisch-kroatischen Wechselbeziehungen im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Wiener slawistischer Almanach 22(1988), 323–331.
Klagenfurt. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs: Kärnten. Basierend auf den Vorarbeiten von Karl Ginhart, neuarbeitet von Ernst Bacher, Ilse Friesen, Géza Hajós, Wolfram Helke, Elisabeth Herzig, Horst R. Huber, Margarete Migacs, Jörg Oberhaidacher, Elisabeth Reichmann-Endres, Margaretha Vyoral-Tschapky, mit Beiträgen von Paul Gleirscher, Gernot Piccottini und Albrecht Wendel. Dritte, erweiterte und verbesserte Auflage bearbeitet von Gabriele Russwurm-Biró. Wien, 2001. (DEHIO-Handbuch die Kunstdenkmäler Österreichs) 345–404.
Kogler, Christian: Zu den Quellen der Klagenfurter Jesuitenchronik. In: Die Jesuiten in Innerösterreich – Die Kulturelle und geistige Prägung einer Region im 17. und 18. Jahrhundert. Hrsg. Werner Drobesch, Peter G. Tropper. Klagenfurt–Ljubljana–Wien, 2006. 115–127.
Kollegium, Lyceum, Gymnasium. Vom „Collegium Sapientiae et Pietatis“ zum Bundesgymnasium Völkermarkter Ring Klagenfurt. Die Geschichte des ältesten Gymnasiums Österreichs. Hrsg. Wilhelm Baum. Klagenfurt, 1991.
Kretzenbacher, Leopold: Frühbarockes Weihnachtsspiel in Kärnten und Steiermark. Klagenfurter und Grazer Weihnachtsspieltexte des frühen 17. Jahrhunderts als kulturhistorische Denkmäler der Gegenreformation in Innerösterreich. Klagenfurt, 1952. (Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 40)
Löber, Joannes Fridericus Wolffgangus: Rosa centifolia, sive primum saeculum archiducalis et academici S. J. gymnasii Clagenfurtensis, historica synopsi effigiatum. Klagenfurt, 1705.
Maass, Engelbert: Die Marienkirche in Klagenfurt. Klagenfurt, 1954.
Rainer Johann: Anfänge einer Universität Klagenfurt im 17. Jahrhundert. In: Die Landeshauptstadt Klagenfurt. Aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart. Bd. 1. Hrsg. Gotbert Moro. Klagenfurt, 1970. 310–332.
Rainer, Johann: Zur Ausbildung der Kärntner Priester vornehmlich im 16. und 17. Jahrhundert. Carinthia (1970), 858–575.
Rainer Johann: Die Jesuiten in Klagenfurt und Eberndorf. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten (3. und 4. Juni 1994). Hrsg. Franz Nikolasch. Millstatt, 1994. 52–64.
Rainer, Johann – Weiss, Sabine: Zu den Anfängen einer Universität Klagenfurt. Carinthia (1970), 876–890.
Strazer, A.: Die Übergabe des Chorherrenstiftes Eberndorf an die Jesuiten. Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. 6. Ergänzungsband, 1901. 624–633.
Sussitz, Franziska: Die Finanzliquidation des Klagenfurter Jesuitenkollegs 1773. Die Kosten einer Verstaatlichung. Univ. Diplomarbeit. Klagenfurt, 2004.
Tropper, Christine: Klösterliche Gemeinschaften in Klagenfurt im Laufe der Geschichte. In: 800 Jahre Klagenfurt. Festschrift zum Jubiläum der ersten urkundlichen Nennung. Hrsg. Wilhelm Deuer. Klagenfurt, 1996. (Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 77) 139–163.
Tropper, Peter G.: Staatliche Kirchenpolitik, Geheimprotestantismus und katholische Mission in Kärnten (1752–1780). Klagenfurt, 1989. (Das Kärntner Landesarchiv 16) 202–214. (Zur Mission der Jesuiten in Kärnten)

