Das Gebäude, ursprünglich von den lutherischen Landständen als Bürgerspital errichtet (1586–1593), übergab es Erzherzog Ferdinand 1604 trotz der Proteste der Bürger und der Landstände den Jesuiten als Schenkung. Zunächst mussten die Jesuiten das Gebäude mit den ehemaligen Pfründnern teilen (drei Viertel zu einem Viertel), dann ließ der Orden auf Druck der Bürgerschaft ein neues Spital erbauen und übergab es der Stadt (1618). An dem Gebäude wurden anfangs nur die notwendigsten Veränderungen vorgenommen, so wurden z. B. 1607 aus einem Säulengang erreichbare, separate Räume für die Mitglieder geschaffen.
Im Jahr 1636 führte ein Stadtbrand, der vom Kolleg ausging, zu einer regelrechten Verfolgung der Klagenfurter Jesuiten. Die Jesuiten, die beschuldigt wurden, den Brand vorsätzlich gelegt zu haben, flohen nach Eberndorf, und die Einwohner plünderten und beraubten das bereits niedergebrannte Kolleggebäude. Die rasche Rückkehr der Ordensmitglieder in die Stadt ermöglichte die Intervention von Freiherr Johann Andreas von Rosenberg, der dem Magistrat mit Repressalien des Erzherzogs drohte, falls die Stadt die Gesellschaft zu einer dauerhaften Abwesenheit zwingen würde.
Die Stimmung des Bürgertums, das den Jesuiten zunächst feindlich gegenüberstand, verbesserte sich mit der Zeit, und 1643 konnte der Orden die Erweiterung des Kollegs und den Bau eines neuen Stockwerks aus (teilweise) lokalen Spenden finanzieren. Im Jahresbericht der Jesuiten (litterae annuae) von 1657 wird die Erweiterung des Kollegs für die Schulzwecken erwähnt. Bis 1687 ist ein auditorium academicum (Theatersaal) im zweiten Stock des Nordflügels aufgebaut, ebenfalls mit der finanziellen Hilfe der Landstände. Das Kolleg wurde 1723 durch einen Brand beschädigt, dann repariert und wiederaufgebaut.
Das ehemaliges Kolleg funktionierte ab 1776 als Kaserne – im Volksmund hieß es lange Zeit Jesuitenkaserne. Damals hat man ein weiteres Stockwerk hinzugefügt. Das Gebäude wurde nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg abgerissen (1960/1964). Die Neugestaltung der Platz vor der ehemaligen Jesuitenkirche, damals bereits Dom- und Stadtpfarrkirche benutzt, stammt aus 1973.
Gebäude
Kolleg
Beschreibung
Jesuitenhäuser
Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia
Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041.
Alle Rechte vorbehalten! / Minden jog fenntartva! © Kádár, Zsófia

