Gebäude
St. Anna-Kirche
Beschreibung

Neben dem im 14. Jahrhundert gegründeten Pilgerspital (Pilgramhaus) errichtete man bis 1518 die St. Anna-Kapelle. Sie ging an die Klarissinnen, die nach der Belagerung Wiens im Jahr 1529 in der Stadt zurückkehrten und anstelle des Pilgerspitals ein Kloster errichteten, in dem sie bis 1570 lebten. Ab 1572 erhielten die Jesuiten erstens die Einkünfte des St. Anna-Klosters, und 1581 erwarb das Wiener Jesuitenkolleg das St. Anna-Kloster und die Kirche mit päpstlicher Genehmigung. Die Jesuiten nutzten die Kirche nach 1570 tatsächlich für Gottesdienste; ihre Jesuitenpräfekten sind ab 1577 bekannt, dem Jahr, in dem Michael Ruoff als Kirchenpräfekt ernannt wurde.
Die Kirche wurde zwischen 1629 und 1633 im Barockstil umgebaut und vergrößert. Der spätgotische Altarraum wurde abgerissen und neu aufgebaut. An der Nordseite des Kirchenschiffs erbauten die Jesuiten eine Sakristei, darüber ein Oratorium, und gegenüber, an der Südseite des Hochaltars, ein zweites Oratorium. Zwischen den gotischen Strebepfeilern errichteten sie jeweils drei Seitenkapellen. 1696 ließen die Jesuiten die geräumige Franz-Xaver-Kapelle (spätere Annakapelle) am westlichen Ende der Nordseite des Kirchenschiffs, fast gegenüber dem Hauptportal der Kirche in der Annagasse, erbauen. Hier befindet sich auch die spätgotische Statue der Heiligen Anna (um 1505). Die Kirche wurde im Jahr 1716 unter der Leitung des Jesuitenlaienbruders Christoph Tausch im hochbarocken Stil umgestaltet, er malte auch das neue Hauptaltarbild. Johann Georg Werle gestaltete die neuen Deckenfresken.
Im Jahr 1747 schlug ein Blitz in den Kirchturm ein, der daraufhin einstürzte, das Dach der Kirche brannte ab, das Hauptaltarbild wurde zerstört, die Deckenfresken und die hölzerne Ausstattung der Kirche wurden geschwärzt. Den Turm baute man bis 1748 wieder auf, und Daniel Gran malte im Jahr 1751 ein neues Hochaltarbild. Der Turm wurde um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert neu gebaut und 1954 wiederhergestellt.
Die Titel der großen hochbarocken Seitenaltäre, meist frühes 18. Jahrhundert, lauten: (links) Hl. Franz Xaver (später St. Anna), Hl. Joseph, Gottesmutter Maria, (und rechts) Hl. Stanislaus Kostka, Hl. Sebastianus, Hl. Ignatius Loyola. In der Kirche sind wertvolle liturgische Gegenstände aus dem 18. Jahrhundert aufbewahrt, darunter die Reliquie der Hl. Anna: ihre mumifizierte rechte Hand, die die Königinwitwe Maria Anna von Portugal im Jahr 1743 den Jesuiten schenkte.

48.20442, 16.37202


 

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