GRUNDDATEN
Traunkirchen
Österreich ob der Enns.
| ab | bis | Institutionstyp | |
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| 1623 | 1773 | residentia |
| ab | bis | Institutions | ||
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| 1623 | 1773 | collegium | Collegium Passaviense |
GESCHICHTE UND TÄTIGKEIT
Geschichte
Das uralte (wahrscheinlich aus dem 7. Jahrhundert stammende) Kloster Traunkirchen wurde Anfang des 11. Jahrhunderts vom steirischen Markgrafen Otakar als Benediktinerinnenkloster neu gegründet und seine eigene Tochter zur ersten Äbtissin ernannt. Im 12. Jahrhundert hatte das Kloster bereits Patronatsrechte über die umliegenden Pfarreien. Im 16. Jahrhundert verlor das Kloster nach und nach seine Mitglieder, und 1572/1573 endete das klösterliche Leben, da die letzte Äbtissin von Kaiser Maximilian entlassen wurde. Das Kloster kam in erzherzoglichen Besitz, wurde vom Abt von Kremsmünster für 2.000 Gulden pro Jahr verwaltet und dann unter weltliche Verwaltung gestellt. Für die jahrzehntelangen gegenreformatorischen Aktivitäten wurde aus den Einkünften der Herrschaft ab 1614 eine Leibrente („pensio“) von 2.000 Gulden an den Wiener Bischof Melchior Khlesl bezahlt. Die Inkorporation des Klosters in die Diözese Wien erwies sich jedoch später als rechtlich fragwürdig.
Nach 1621 (zur Zeit der Verhaftung und Inhaftierung Khlesls) versuchte Fürstbischof Leopold von Passau, die Abtei, die über einen beträchtlichen Grundbesitz und bedeutende Einkünfte (teilweise aus dem Salzbergbau) verfügte, dem Bistum zu unterstellen und mit den Gütern die Gründung des am Bischofssitz eingerichteten Jesuitenkollegs zu ergänzen. Zu diesem Zweck führte der Fürstbischof mit Billigung von Papst Benedikt XV. (Bulle vom 24. September 1621) und mit Hilfe seines Bruders, Kaiser Ferdinand II., Verhandlungen (an denen u.a. Johann Brenner, Bischof von Wien, Tobias Schwab, Wiener Offizial des Passauer Bischofs, und Johann Isfording SJ, Passauer Rektor, teilnahmen) und übertrug im Februar 1622 Traunkirchen mitsamt seinen Gütern und allen damit verbundenen Rechten an die Passauer Jesuiten. Den Jesuiten wurde der Besitz zugesprochen, aber die Streitigkeiten um die Besitzrechte zogen sich über Jahre hin. Kardinal Khlesl (nach seiner Rehabilitierung) gab seine Rechte nicht freiwillig auf, und die Residenz zahlte ihm bis zu seinem Tod im Jahr 1630 weiterhin eine Jahresrente von 2.000 Gulden. Die anfänglichen Schwierigkeiten und die Bedeutung der Übernahme werden durch eine einzigartige Quelle veranschaulicht: eine Holztafel mit sieben Bildern, die in der ehemaligen Jesuitenresidenz erhalten geblieben ist und als obere Dekoration eines Bücherschranks diente, stellt den Rechtsakt der Übernahme dar (z. B. die Inbesitznahme des Besitzes durch die Jesuiten, das Gelübde der Untertanen).
In den ersten Jahren mussten die Jesuiten wegen der örtlichen Bauernaufstände 1626 und 1632 aus der Residenz fliehen. 1632 zerstörte ein Brand den größten Teil des Gebäudekomplexes. 1631 begannen die Patres mit der Restaurierung der Pfarrkirche, die mit Hilfe ihrer Wohltäter vorankam, und der Abt von Mondsee stiftete 200 Gulden für einen Altar. Im Jahr 1632 erhielt die Kirche auch eine Orgel für 600 Gulden. 1634, am Fest des Heiligen Michael, wurde der neue Hochaltar geweiht.
Bereits im Mittelalter gehörten zum Kloster Traunkirchen mehrere Pfarreien, die unter den Jesuiten als Vikariate weiterfungierten: Ihre Priester wurden vom Passauer Jesuitenrektor ernannt. Die Frage der Gerichtsbarkeit über die zu Traunkirchen gehörenden Pfarreien war 1670–1673 Gegenstand eines heftigen Streits zwischen dem Passauer Kolleg und Fürstbischof Wenzel von Thun, der auch den Bau der Passauer Jesuitenkirche zum Stillstand brachte (der Streit veranlasste den Bischof, die Arbeiten zu untersagen). Die Gemeinden mit (Pfarr-) Kirchen, die damals zu Traunkirchen gehörten: Ischl, Lauffen, Goisern, Hallstatt, Aussee, Gosau, Nußdorf, Pinsdorf und Lambach (als Filiale). Die Bevölkerung von Ebensee begann nach der Eröffnung einer Saline zu wachsen, so dass die Einwohner 1618 erstmals um den Bau einer eigenen Kirche baten. Die Angelegenheit ging langsam voran, es wurde eine Kapelle gebaut, die ab 1655 (mit der Erlaubnis des Generals Goswin Nickel SJ) einen eigenen Kaplan hatte, mit der Zustimmung, dort auch Christenlehre zu halten. Erst 1771 erhielt Ebensee den Status eines Vikariats und wurde erst nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu im Jahr 1780 zur Pfarre erhoben. Laut der historia domus hielten die Jesuiten in Traunkirchen ignatianische Exerzitien für die in ihren Kirchen dienenden Vikare ab (z.B. eine dreitägige Exerzitien im Mai 1752, bei der alle Teilnehmer eine Lebensbeichte ablegten). Traunkirchen und die zugehörigen Gemeinden waren dadurch ebenfalls verbunden, dass ab 1632 jährlich mehrmals Schiffsprozessionen auf dem Traunsee stattfanden (da der Ort auf dem Landweg nur schwer zu erreichen war). Die erste eucharistische Prozession fand 1632 mit drei Schiffen statt. Die Tradition wird bis heute in Form der eucharistischen Schiffsprozession in Fronleichnam fortgesetzt.
Traunkirchen spielte als Zentrum des Herrschaftskomplexes eine wichtige Rolle. Neben dem großen mittelalterlichen Klostergebäude und der Pfarrkirche besaßen die Jesuiten in Traunkirchen eine Getreidemühle, zwei Sägewerke und eine Brauerei und bezogen zusätzliche Einkünfte u. a. aus Zehent und Abgaben sowie aus den Erträgen eines Silberwerkes bei Ischl. Um 1710 beliefen sich die Güter und die damit verbundenen Einkünfte auf ca. 10–12.000 Gulden pro Jahr, wovon 7.000 Gulden zur Finanzierung des Passauer Mutterkollegs gebunden waren, der Rest wurde zum Teil für den Unterhalt der Mitglieder der Traunkirchner Residenz verwendet und zum Teil in die Landwirtschaft reinvestiert.
Die Wirkung des Protestantismus und des Kryptoprotestantismus in der Geschichte der Region ist unausweichlich. Die protestantische Religionsausübung setzte sich in den isolierten Gemeinden während der Jesuitenzeit fort. Ab den 1710er Jahren verließen in mehreren Auswanderungs- und Umsiedlungswellen Dutzende von Familien auch die zu Traunkirchen gehörenden Siedlungen. Der Jesuitenmissionar Ignatius Querck SJ (1712–1718 Missionar in und herum Traunkirchen, 1718–1730 Wandermissionar in der Diözese Passau) reflektierte dieses Phänomen einfühlsam in seinen drei Religionsberichten (1713, 1715, 1733).
Über das interne Leben der Residenz (da die in Ungarn, in Pannonhalma bewahrte originelle historia domus wartet noch für eine ausführliche inhaltliche Analyse) können wir uns hauptsächlich aus den Jahreskatalogen der Jesuitenprovinz ein Bild machen. Bis zum Ende der 1640er Jahre hatte die Residenz in der Regel vier bis sechs Mitglieder pro Jahr, wobei sich drei bis vier Priester und zwei bis drei Laienbrüder in Traunkirchen aufhielten. Davon war ein Superior, ein Prediger („concionator“) und ein Beichtvater, aber alle Priester dienten als Seelsorger, sie nahmen an Missionsreisen teil, hielten Christenlehre und leiteten die 1637 und 1689 errichteten Kongregationen (siehe unten). Traunkirchen diente als geistliches Zentrum das Herrschaftsgebiet und übte seine Pfarreirechte aus: z. B. im Jahr 1709 wurden insgesamt 12.100 Hostien verteilt, und fanden 97 Taufen, 21 Hochzeiten und 73 Beerdigungen statt. Zwischen 1647 und 1651 erscheint in den Jahreskatalogen ein Lambacher Katechet („catechista in Lambat/Lampach“). Ab etwa 1650 waren auch regelmäßig ein oder zwei kranke, ältere Ordensangehörige („valetudinarii“) in der Residenz, typischerweise ein bis zwei Priester und eventuell noch ein Laienbruder, und dementsprechend wurden in diesen Jahrzehnten jährlich ein oder manchmal auch zwei Mitglieder in Traunkirchen bestattet. Die Residenz diente also (auch) als Altersruhesitz für die Jesuiten. So betrug die Mitgliederzahl der Residenz bis etwa 1700 jährlich sechs bis sieben Personen. Die Koadjutoren dienten von Anfang an hauptsächlich als Oeconomus, d.h. sie waren an der Verwaltung und Bewirtschaftung der zur Residenz gehörenden Güter und Liegenschaften beteiligt. Ab 1705 war einer der Priester der Residenz auch als „examinator candidatorum“ tätig: Jährlich erschien ein Laienbruder-Novizen in Traunkirchen (in den Katalogen werden sie zwar als Novizen des Wiener Noviziats geführt, ihr Wohnsitz wird aber mit Traunkirchen angegeben). Möglicherweise waren Traunkirchen und die weitläufige Herrschaftsanlage einer der Orte, an denen die Laienbrüder praktische Erfahrungen in der Wirtschaftsverwaltung und Administration sammeln konnten. Die Zahl der in der Seelsorge tätigen Priester stieg damit von etwa 1710 auf sechs bis acht, dazu kamen vier Laienbruder, so dass ein ständiges Personal von zehn–zwölf Personen übrigblieb. Zu den Priestern der Residenz gehörten ab den 1750er Jahren jährlich drei bis vier Missionare bzw. Katecheten, die in die umliegenden Gebiete dienten. 1757 z. B. war je ein Missionar in Traunkirchen und Umgebung, in den umliegenden Dörfern und im obersteirischen Ennstal tätig. Im Jahr 1760 waren zwei Brüder als Missionare in Oberösterreich tätig, ein Bruder im Bezirk Mühlbach, auf den Ländereien der Kammer („missionarius per bonum Cameraticense”) und ein Bruder in den Dörfern bei Traunkirchen. Unsere sporadischen Daten weisen darauf hin, dass die Jesuiten besuchten die umliegende Gemeinde als Prädikanten, Missionäre oder Katecheten regelmäßig.
1632 zerstörte ein Brand die mittelalterliche Kirche weitgehend, und der Wiederaufbau dauerte bis 1652. Die Kirche erhielt ihre heutige Form, aber ein Großteil der hochbarocken Ausstattung stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die dreischiffige Säulenkirche errichtete man vermutlich unter Verwendung von Teilen des mittelalterlichen Gebäudes. Sie hat einen niedrigen Glockenturm an der Westseite als Verlängerung des südlichen Seitenschiffs.
Der Hochaltar stellt die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit dar (1754, mit Skulpturen von Franz Preisl, das Gemälde stammt von einem Wiener Meister). Der Chorraum ist mit wertvollen Gobelinmalereien (Hl. Aloisius, Hl. Ignatius, Hl. Stanislaus, Tod des Hl. Franz Xavers) geschmückt. Die berühmte Kanzel (sog. Fischerkanzel) hat die Form eines Schiffes mit Apostelfiguren (1753).
Links (nördlich) vom Hochaltar steht der hl. Johannes von Nepomuk-Altar (1740, Altarblatt von Johann Georg Morzer), rechts (südlich) vom Hochaltar der hl. Ignatius-Altar (1753, mit Gemälde von Johann Georg Schmidt aus dem Jahr 1763). In der kleinen hängekuppelgewölbten Kapelle, die sich vom Seitenschiff aus nach Norden öffnet, steht ein Marienaltar, der den knienden hl. Franz Xaver vor der Madonna darstellt (Johann Georg Schmidt 1753), darunter befand sich eine kleine Krypta der Jesuiten. Das Kirchenschiff hat an der Nordseite einen hl. Josef-Altar (Altar vom guten Tod) und an der Südseite einen Altar von hl. Aloisius bzw. hl. Stanislaus, beide aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Sakristei öffnet sich vom südlichen Seitenschiff aus, und von hier aus war die romanische Michaelskapelle, ursprünglich ein Knochenhaus/Karner, bemerkenswert durch ihren barocken Dachreiter, erreichbar.
Nach dem Brand von 1632 bauten die Jesuiten das mittelalterliche Klostergebäude nach und nach neu und schenkten ihm sein barockes Aussehen. Die Analyse der historischen Quellen zur Baugeschichte ist die Aufgabe der zukünftigen Forschung.
Wir können uns ein detailliertes Bild über der zeitgenössischen Nutzung und innere Raumverteilung des Gebäudekomplexes schaffen, weil ein Plan der Pfarrkirche und der ehemaligen Jesuitenresidenz, der nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu (19. Mai 1774) aufgenommen wurde, und sich eine detaillierte Beschreibung des Gebäudekomplexes erhalten hat. Die Kirche schließt den Komplex von Osten her ab. An der Südseite der Kirche befand sich ein ummauerter Friedhof, auf der anderen Seite der Mauer lag ein Garten der Residenz. Vor der Kirche befindet sich ein geschlossener quadratischer Hof, der von dem ehemaligen dreiflügeligen Klostergebäude umgeben ist, das die Jesuiten als Residenz nutzten. Daran schloss sich von Westen her ein weiterer (Wirtschafts-)Hof an, in dem sich auf der Südseite (Erdgeschoss) Räume für Knechte („familia“), eine Bindereiwerkstatt und die Brauerei befanden, deren zwei größere Erdgeschossräume den Komplex nach Nordosten abschlossen. Im südlichen Flügel der Residenz, der den inneren quadratischen Hof umschloss, befanden sich im Erdgeschoss zwei Küchenräume, ein Refektorium und drei miteinander verbundene, geräumige Säle (sog. Patergang mit gemalten Türrahmen). Im Ostflügel befanden sich ein Speicher („die obere Dispens“) und zwei Zimmer für den Schneidermeister. Im Nordflügel befanden sich das Zimmer des Kellermeisters, des Dispensator, ein Kerzenlager, ein Wachslager und ein Gästezimmer. Vor 1773 wurde der nordöstliche Anbau des Wohnhauses als Pfarrhof genutzt, mit einem Dienerzimmer.
Im Obergeschoss, im östlichen Teil des Südflügels, zum westlichen Hof hin, befanden sich eine geräumige „Kanzlei“, drei kleine Räume für das Archiv und ein kleiner Vorratsraum sowie das Zimmer des Mesners. Hier befanden sich das Zimmer des Superiors und sein Schlafgemach. Dieser Teil des Gebäudes verfügte auch über ein zweites Stockwerk (dritte Ebene). Im Obergeschoss befanden sich drei Räume für die Bibliothek, ein geräumiges Billardzimmer, ein Gästezimmer und eine kleine Kapelle. Im südlichen (ersten) Stock des Flügels zum Innenhof der Residenz befand sich ein Korridor, der sechs Jesuitenpriestern Wohnzimmern bot und den Zugang zum Musikchor der Kirche ermöglichte. Im Obergeschoss des östlichen Flügels zum Innenhof der Residenz befand sich ein einziger geräumiger Saal.
In den oberen Räumen des Nordflügels sollten nach der Ordensaufhebung ein Zimmer für den neuen Pfarrer, ein Zimmer für den neuen Kaplan, eine kleine Bibliothek und ein Lagerraum eingerichtet werden.
Zum mittelalterlichen Kloster und späteren Jesuitenresidenz gehörten das ehemalige Hofrichterhaus und die Nicolaikapelle aus dem 14. Jahrhundert, deren Inneres wahrscheinlich in den 1720er Jahren mit barocken Fresken geschmückt wurde. Der Gebäudekomplex ging nach 1773 in Staatseigentum über, der Kapellenturm wurde 1787 abgerissen und die Kapelle 1811 profaniert.
Südlich der Pfarrkirche, auf dem Johannesberg, steht die mittelalterliche (14. Jahrhundert, möglicherweise älter) einschiffige, zweijochige Kapelle mit ihrem robusten Glockenturm. Die Jesuiten vergrößerten die Kapelle im Jahr 1651. Der Hochaltar (Johannes der Täufer) und die Ausstattung stammen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Südwestlich der Pfarrkirche und der Jesuitenresidenz liegt der Kalvarienberg, dessen Entstehung mit der von Jesuiten geleiteten Todesangst- (Agonia Christi-) Sodalität verbunden ist. Diese Kongregation finanzierte den Bau und die Instandhaltung der Stationen und der Kapelle. Die Kalvarienbergkapelle baute man in den Jahren 1696/1699. In ihrem Inneren befindet sich eine große Kreuzigungsgruppe mit einer Darstellung Jerusalems im Hintergrund. Auch die fünf barocken Kreuzwegstationen sind erhalten geblieben.
Die Kalvarienbergkapelle ist mit der lokalen Tradition des „Antlaßsingens“ (vgl. „Angst“, „Todesangst“) verbunden, einem Produkt und einer Fortsetzung der Volksfrömmigkeit, die sich während der Jesuitenzeit entwickelte. Vom Gründonnerstag bis zur Nacht zum Karfreitag wachten die Gläubigen des Nachts und sangen jede Stunde gemeinsam, um einen Moment der Leidensgeschichte Jesu in Erinnerung zu rufen. Ursprünglich wurde der Gottesdienst von Mitgliedern der Todesangst-Kongregation besucht, die in der Karwoche in großer Zahl nach dem Kalvarienberg kamen, z.B. mit 34 Schiffen im Jahr 1736.
Kongregationen
„Assumptio Mariä” deutsche Bürgerkongregation. Im Jahr 1637 war die Kongregation bereits tätig, ihr Präses war Johann Stettfeld SJ, der Spiritual der Residenz. Die römische Mutterkongregation des Collegio Romano inkorporierte die Traunkirchner Sodalität am 30. Juni 1639. Die Kongregation diente als deutsche Bürgerkongregation, deren Mitglieder vermutlich nicht nur aus Traunkirchen, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden stammten und zu denen möglicherweise auch die angesehenen Wohltäter der Residenz gehörten. Sie wurde jährlich von einem Priester der Jesuitenresidenz geleitet, der als Prediger oder Beichtvater fungierte, und seltener vom Spiritual der Residenz.
Agonia Christi-Sodalität. Die Sodalität war vermutlich ab 1689 tätig, und wie bei den Jesuiten üblich, stand auch Frauen offen. Die Mitgliederzahl dürfte mehrere Tausend betragen haben. Ihre jesuitische Präses sind seit 1691 bekannt, als Ferdinand Holzmair SJ Superior selbst an der Spitze der Kongregation stand. Die Sodalität errichtete und hielt die Kalvarienbergkapelle (1696/1699) und später die Stationen instand. Anstelle der Gesamtzahl der Mitglieder gibt es vereinzelte Daten über die Zahl der jährlich neu aufgenommenen Mitglieder: Im Jahr 1705 war es 163, im Jahr 1707 waren es 290. 1722, am Hauptfesttag der Kongregation, dem Karfreitag (Passionstag), besuchten rund 3.000 Mitglieder die Predigt, 900 nahmen an der Eucharistie teil. 1754 wurden 36 Schiffe zum Hauptfesttag eingesetzt, 220 neue Mitglieder wurden aufgenommen. Der Kalvarienberg von Traunkirchen war Vorbild und Anregung für den Bau von Kalvarienbergkirchen in anderen zur Residenz gehörenden, kryptoprotestantischen Gemeinden: Aussee (1710), Hallstatt (1711), Ischl (1711), Goisern/St. Agatha (1717) und Gosau (1757).
QUELLEN
Archivmaterial
Das ehemalige Hausarchiv der Residenz ist nur bruchstückhaft erhalten geblieben, wobei Linz und Pannonhalma zwei wichtige Standorte sind.
Oberösterreichisches Landesarchiv, Linz
- Sign. 02.01.01. (Landesfürstliche und (bundes-)staatliche Verwaltung in Oberösterreich, Landeshauptmannschaft, Akten), Schachtel 114, Ecclesiastica: Varia 1774–1783, Exjesuiten, „Pfarre Traunkirchen N. 6. Exjesuiten III-6.“ (Briefwechsel mit dem oberösterreichischen Landeshauptmannschaft 1774–1776, Catalogus anniversariorum Traunkirchensium monialium tempore, etc.
- Kartensammlung Sign. XVIII 5a. 3 Stück Pläne des ehem. Jesuitenklosters Traunkirchen. (1.) „Grundriß, was in den 1. Stock für die Geistlichen gewidmet werden solle“ (1774) 31,6*37,8 cm, handgezeichneter, kolorierter Grundriss, der die nach 1773 geplanten Veränderungen (Teilumbau) ebenfalls zeigt. Beschreibung des Planes, die nur durch ihren Inhalt identifizierbar ist: OÖLA Sign. 02.01.01. Schachtel 149. (ohne weitere Signaturen oder Foliennummern).
Bibliothek der Benediktinerabtei Pannonhalma (Ungarn), sog. Paintner-Sammlung
- Sign. 118. G. 12 [Historia Residentiae Societatis Jesu Traunkirchensis, 1622–1770] 630. pp.
- Sign. 118. A. 1/1–4. Scripta varia ad historiam residentiae Traunkirchensis Societatis Jesu spectantia. Originelle Dokumente und Kopien aus dem 17–18. Jahrhundert, vier Faszikeln.
Literatur
Siehe auch Collegium Passaviense!
Amon, Karl: Geschichte des Benediktinnenklosters Traunkirchen im Salzkammergut. (Inauguraldissertation) Graz, 1949.
Die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich. Bearb. von Erwin Hainisch (et al.) (DEHIO-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs) Wien, 1958. 345–346. (Traunkirchen)
Mittendorfer, Ferdinand: Traunkirchen einst Mutterpfarre des Salzkammergutes. 2., erw. Auflage. Linz, Trauner in Komm., 1997.
Mittendorfer, Ferdinand: Traunkirchen – 300 Jahre Kalvarienberg 1696–1996. Traunkirchen, 1996.
Remes, Wilhelm: Die Jesuiten in Oberösterreich zur Zeit von Reformation und Gegenreformation – ihr Wirken in der Residenz zu Traunkirchen und im Salzkammergut (1622–1773). Freinburger Stimmen 77(2006/2007), 7–36.
Wilhelm, Josef: Ein Seelsorgerleben der Barockzeit in Österreich: P. Ignatius Querck S. J. (1660–1743). Diss. Theol. Graz, Karl-Franzens-Universität, 1976, bes. 37–79., 111–138.
Weiss, Rudolf: Das Bistum Passau unter Kardinal Joseph Dominikus von Lamberg (1723–1761). Zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Kryptoprotestantismus in Oberösterreich. St. Ottilien, EOS Verlag Erzabtei St. Ottilien, 1980, bes. 288–310.

