Geprüft von Martin Scheutz. 31.05.2025.
Ort

Pulgarn (Steyregg)
Österreich ob der Enns

Zeit, Institutionstyp
ab bis Institutionstyp
1612 1619 residentia residentia (1609) 1612–1619
1619 1773 residentia residentia (ohne ständige jesuitische Gemeinde)
Übergeordnete Jesuitenhäuser
ab bis Institutions
1609 1773 collegium Collegium Lincense
Aufhebung
1773
Geschichte

Das ehemalige Doppelkloster (für Nonnen bzw. für Priester) des Hl.-Geist-Ordens wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts gegründet. Das Kloster besaß beträchtliche Ländereien und umfasste ab Mitte des 14. Jahrhunderts auch die Pfarreien Fels am Wagram (Niederösterreich), Steyregg und Pabneunkirchen. Das Kloster war bis 1567 tätig, als Kaiser Maximilian II. es auflöste und zu einem Kammergut machte. 1598 hielt der österreichische Jesuitenprovinzial Ferdinand Alber das stark verschuldete Kloster nicht für die Gründung eines Kollegs geeignet. 1608 hatte sich die Situation jedoch gebessert, die Schulden waren (teilweise) getilgt und die jährlichen Einnahmen des seit Jahrzehnten von den Mönchen verlassenen Klosters wurden auf 3.000 Gulden geschätzt.
Mit einer Urkunde vom 26. Mai 1609 schenkte Erzherzog Matthias das Kloster Pulgarn dem Linzer Jesuitenkolleg samt Kirche, Klostergebäuden, Ländereien und Steuereinnahmen („vectigalia“). Diese Schenkung bildete die finanzielle Grundlage des Linzer Jesuitenkollegs. Papst Paul V. bestätigte die Stiftung mit einer Urkunde vom 12. März 1610, die jedoch erst 1612 publiziert wurde. Damit konnte die Residenz in Linz zum Kolleg erhoben werden. Durch den Besitz des Klosters Pulgran hatte das Linzer Jesuitenkolleg das Patronatsrecht über die Pfarren Steyregg, St. Georgen und Pabneunkirchen. Diese Pfarrkirchen wurden von den Jesuiten übernommen, die um 1665 die Kirchen umbauen und barockisieren ließen.
In Pulgarn gab es in den ersten Jahren eine eigene Jesuitengemeinde, eine Residenz. Ab 1612 hielten sich hier etwa acht Jahre lang jährlich zwei bis vier Priester und ein Laienbruder (coadiutor) auf. Später betreuten die Pfarreien Diözesanpriestern, wobei Jesuitenpriester nur gelegentlich die Seelsorge in den Dörfern übernahmen.
Das Klostergebäude haben die Jesuiten ab 1719 völlig neugebaut, die Fassade wurde ab 1728 barockisiert. Auch die Hauskapelle des Klosters wurde von den Jesuiten vollständig umgebaut und 1728 zu Ehren von Maria „der Mutter der Gnaden“ geweiht. Die gotische Klosterkirche aus Anfang des 16. Jahrhundertes, blieb während der Jesuitenzeit grundsächlich unverändert bestehen. Die Statuen der Hl. Antonius und Hl. Johannes Nepomuk, sowie eine Kopie des Gnadenbildes von Máriapócs (um 1700) stammen aus der Jesuitenzeit.
Nach 1773 ging das Vermögen des Stiftes Pulgarn in den Religionsfond über, 1807 in Privatbesitz und ab 1836 in den Besitz des Stiftes St. Florian.

Pfarrei, Weitere Kirche

In der gotischen Pfarrkirche waren ab 1609 für einige Jahre die Jesuiten selbst Seelsorger, dann setzte das Linzer Kollegium als Grundherr von Kloster Pulgarn die Pfarrer als Kirchenpatron ein. 1665 ließen die Jesuiten die Kirche restaurieren und barockisieren, dann benutzten die Patres sie auch als Wallfahrtskirche. Nach 1773 wurde die Kirche dem Religionsfond übergeben.

Die Kirche wurde bereits im 14. Jahrhundert als Pfarre erwähnt, gehörte aber zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu Steyregg. Die Jesuiten schafften den Neubau und die Barockisierung der Kirche um 1665.

Seit Mitte des 15. Jahrhunderts gehörte die Kirche zum Kloster Pulgarn, und wurde um 1665 umgebaut und barockisiert.

Archivmaterial

Siehe auch Collegium Lincense!

Literatur

Die Kunstdenkmäler Österreichs. Oberösterreich Mühlviertel. Bearb. Peter Adam et al. (Dehio-Handbuch die Kunstdenkmäler Österreichs) Horn–Wien, 2003. 570–572., 695–697., 868., 875–879.

Kolb, Georg: Mitteilungen über das Wirken der PP. Jesuiten und der Marianischen Kongregationen in Linz während des 17. und 18. Jahrhunderts. Aus alten Berichten gesammelt von Georg Kolb, mit dem Überblick der Xenia oder Jahresdenken der Kongregationen in Linz, vom Jahre 1678–1783. Linz a. D., 1908.

Stülz, Jodocus: Geschichte des Klosters des heiligen Geist-Ordens zu Pulgarn. In: V. Jahresbericht des Museums Francisco-Carolinum in Linz. Nebst der zweiten Lieferung der Beyträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Enns und Salzburg, Linz, 1841, S. 60–110., bes. 92ff.

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In der gotischen Pfarrkirche waren ab 1609 für einige Jahre die Jesuiten selbst Seelsorger, dann setzte das Linzer…

Die Kirche wurde bereits im 14. Jahrhundert als Pfarre erwähnt, gehörte aber zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu…

Seit Mitte des 15. Jahrhunderts gehörte die Kirche zum Kloster Pulgarn, und wurde um 1665 umgebaut und barockisiert…


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

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