Gebäude
Universität
Beschreibung

Die Universität wurde am 12. Mai 1635 von Graner Erzbischof Péter Pázmány mit einem Kapital von 100.000 Gulden gegründet. Wie andere Jesuitenuniversitäten hatte sie nur eine philosophische und theologische Fakultät und wurde 1635 von Ferdinand II. bestätigt. Nach jüngsten Forschungen erhielt Pázmány 1632 die Zustimmung des Papstes in Form eines Breves. 1667 wurde die juristische Fakultät gegründet, die von den Graner Erzbischöfen, Imre Lósy und György Lippay, mit insgesamt 30.000 Gulden testamentarischer Schenkungen organisiert wurde. Die Jesuiten lehrten kanonisches Recht, während das römische und ungarische Recht von Laienprofessoren unter der Leitung des Erzbischofs und des Domkapitels unterrichtet wurde. (Die medizinische Fakultät nahm ihre Tätigkeit erst 1770 mit der Gründung von Maria Theresia auf, als die Universität bereits unter staatlicher Kontrolle stand). Kurz nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu zog die Universität in 1777 nach Buda, der Hauptstadt und dem neuorganisierten Verwaltungszentrum des Königreichs Ungarn.
Die Zahl der Universitätsprofessoren erhöhte sich zwischen 1636 und 1640 von drei auf zehn, und es wurde eine vollständige theologische Ausbildungsstruktur aufgebaut: zwei Professoren unterrichteten sowohl Philosophie als auch Moraltheologie, und bis 1640 unterrichteten zwei Professoren sowohl Kasuistik als auch scholastische Theologie, während für die Lehre der Heiligen Schrift und der hebräischen Sprache ein eigener Lehrkörper eingesetzt wurde. In den 1690er Jahren lehrten neun bis elf Professoren an den beiden Fakultäten. Nach 1711 erhöhte sich die Zahl der Professoren um einige wenige: Ab 1732 wurde die hebräische Sprache nicht mehr von einem Jesuitenscholastiker, sondern von einem Jesuitenpater unterrichtet, und 1732 wurden elf akademische Fächer von dreizehn Professoren unterrichtet. Die Universitätsreform von 1753 änderte dieses System, indem Kasuistik und Metaphysik durch Kirchengeschichte, Rhetorik und Griechisch ersetzt wurden.
Die Zahl und der Charakter der Studentenschaft ist nur teilweise bekannt, da die Universitätsmatrikelbücher teilweise zerstört wurden. Aber es ist wichtig zu erwähnen, dass von Anfang an auch viele Jesuitenscholastiker (ab den 1720er Jahren regelmäßig 50–80 pro Jahr) an der Universität studierten, was die Qualität der Lehre erhöhte und deutlich macht, dass die jesuitische Provinzleitung die Tyrnauer Universität ebenfalls für wichtig hielt. Im Durchschnitt gab es zwischen 60 und 80 Studenten pro Jahr in den philosophischen und theologischen Fakultäten zusammen, wobei das Verhältnis 2:1 zugunsten der Philosophie war. Viele der Studenten stammten aus der damals westungarischen Region, aus den Komitaten Neutra, Pressburg und Trentschin. Die sprachlich-ethnische Zugehörigkeit der Studenten war wahrscheinlich gleichmäßig zwischen Ungarn und Slowaken verteilt, mit weniger Kroaten und Deutschsprachigen (eindeutig meistens auch aus der Region und nicht aus dem Ausland). Der Anteil der Adeligen unter den Studenten war höher als im Gymnasium, aber die genauen Proportionen sind nicht bekannt. Es ist erwiesen, dass viele Tyrnauer Studenten ihr Studium in Wien, Graz und Rom (und möglicherweise an anderen Universitäten) fortsetzten.
 

Jesuitenhäuser


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
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