In der Mitte des 13. Jahrhunderts, als königliche Kapelle gegründet wurde, erhielt die Kirche schon bald Pfarrrechte und stieg zur Pfarrei der neu gegründeten Stadt Ofen auf. Der Turm der spätromanisch-frühgotischen Kirche stürzte 1384 ein, deshalb wurde die Gebäude an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil wieder aufgebaut und erweitert. Im Jahr 1541 fiel Ofen an die Osmanen, und die Burgpfarrkirche wurde als symbolische Zeichensetzung der Eroberung in eine Moschee umgewandelt (Sultan-Süleyman-Moschee, auch Große Moschee genannt). Während der osmanischen Herrschaft baute man die Kirche nach Bedarf um, mauerte die Seitenkapellen zu, fügte eine Mihrāb-Nische hinzu; die Ausstattung wurde vollständig ersetzt.
Nach der Rückeroberung der Stadt nutzten zunächst die Franziskaner die Kirche. Aber am 30. November 1687 gab der Stifter, der Graner Erzbischof György Széchényi, die Pfarrkirche an die neu gegründete Jesuitenniederlassung. Leopold I. bestätigte die Gesellschaft Jesu den Besitz der Kirche und die Pfarrei mit einer Urkunde vom 10. Oktober 1696. Die Jesuiten behielten die Pfarrechte bis 1773.
Die Jesuiten bewahrten die gotische Struktur der Kirche, fügten jedoch eine barocke Ausstattung hinzu. Bis 1688 besaß die Kirche sechs Seitenaltäre, und in den folgenden Jahren fügte man weitere Altäre hinzu, teils durch Spenden von ungarischen Beamten, teils durch Ofener Bürger. Im Jahr 1690 wurde der barocke Hauptaltar der Jungfrau Maria errichtet, gestiftet von Palatin und Fürst Pál Esterházy. 1693 wurde die erste Kanzel fertiggestellt, gestiftet von Johannes Stephanus Werlein, dem früheren Präsidenten der Ofener Kameraladministration. (Diese hat man 1769 durch eine neue Kanzel ersetzt, welche die Witwe von Miklós Zichy, Erzsébet Berényi stiftete.) 1696 erfolgte der Bau eines Vestibüls an der Hauptfassade auf Kosten des späteren Palatins, Grafen Miklós Pálffy. Bis 1717 entstand der Südturm mit einer Uhr.
Der große Stadtbrand am 28. Mai 1723 beschädigte auch die Pfarrkirche; der Nordturm und die Westfassade stürzten ein, die Musikempore und die Orgel wurden zerstört. Ein jesuitischer Laienbruder, Konrad Kerschensteiner (der auch beim Bau des Kollegs eine wichtige Rolle spielte), leitete die Renovierungsarbeiten. Eine gut organisierte, aus jesuitischen Laienbrüder bestehende Tischlerwerkstatt sorgte mit jahrzehntelangen Arbeit für die innere Ausstattung und Einrichtung. Im Jahr 1732 verfügte die Kirche über 13 Altäre. Ab 1758 errichtete man einen neuen Hochaltar (der vorherige war durch einen Blitzschlag beschädigt), der mit einem großen Gemälde der Himmelfahrt Mariä von Caspar Franz Sambach geschmückt war.
Das Patronatsrecht der Pfarrei nahm nach 1773 die Stadt Ofen über. Im Jahr 1793 hat man die Kirche zur (zweite) Kathedrale des Erzbistums Gran ernannt. Die ungarischen Königskrönungen von Franz Joseph I. (1867) und Karl IV. (1916) fanden hier statt. Ab 1873 wurde die Kirche unter der Leitung von Frigyes Schulek einer großen „Restaurierung“, d.h. einem vollständigen Umbau im (neu)gotischen Stil, unterzogen, bei dem die barocke Ausstattung leider vollständig verschwunden ist. Die letzten großen Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten dauerten von 2004 bis 2013.
Gebäude
Burgpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (heute Matthiaskirche)
Beschreibung
Jesuitenhäuser
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