Der Jesuitenprofessor Joseph Franz war auch der erste Direktor (1754–1769) der von Maria Theresia auf Initiative des Staatskanzlers Wenzel Anton Kaunitz eingerichteten Akademie der orientalischen Sprachen. Pater Franz hatte gerade eine längere Reise nach Konstantinopel hinter sich. Die Akademie, an der neben Türkisch, Persisch und Arabisch auch Geschichte, Philosophie, Rechts- und Politikwissenschaft gelehrt wurden, zählte anfangs sechs Studenten. Die Akademie befand sich im südöstlichen Teil des jesuitischen Schulgebäudes, das „schola philosophorum“ genannt wurde. (Siehe auch: Bibliothek.)
Die Jesuiten vermittelten einen Direktor, dem jährlich ein Jesuitenscholastiker (Repetent) zur Seite stand, und ab 1757 zwei Jesuitenscholastiker (Repetenten) als Präfekten. Im Jahr 1756 war der später berühmte Jesuit Ludovicus Mitterpacher Präfekt der Akademie. Ab 1765 unterrichteten an der Akademie gelegentlich mehrere Jesuiten (Poetik, Rhetorik und Geschichte). Die Akademie sollte Jungen für den diplomatischen Dienst und den Konsulardienst (z.B. als Hofdolmetscher) ausbilden. Nach mehreren Neuorganisierungen ist ihr Nachfolger heute die Diplomatische Akademie Wien.

