Gebäude
Profeßhaus
Beschreibung

Zwischen 1386 und 1420 errichteten die Beschuhten Karmeliter ihr Kloster und ihre Kirche an der Ostseite des Platzes Am Hof, an der Stelle der ehemaligen Residenz Herzog Friedrichs II. Später, nach der Auflassung des Klosters im Zuge der Reformation, schenkte Ferdinand I. die ehemaligen Karmelitergebäude im Jahr 1554 den Jesuiten. Der Stiftungsbrief des Wiener Jesuitenkollegs (1563, Ferdinand I.) erwähnt diese Gebäude, ihre Requisiten und Ländereien als Eigentum der Niederlassung. Das Jesuitenkolleg und die jesuitische Schule errichtete man an der Stelle des ehemaligen Karmeliterklosters und der daneben erworbenen Häuser, entsprechend den Tätigkeitsfeldern und den Zielen der Jesuiten. Zwischen 1560 und 1563 fanden umfangreiche Umgestaltungs- und Bauarbeiten statt, finanziert von Ferdinand I. Ein an das Kolleg angrenzendes Haus („das Haus des Schneiders“) wurde ebenfalls abgerissen, was die Jesuiten in Konflikt mit dem Stadtmagistrat brachte. Es scheint, dass der Monarch den Bau des neuen Kollegs noch vor seiner offiziellen Kolleggründung im Jahr 1563 genehmigte.
Größere Arbeiten verursachte der Brand von 1607. Das Dach der Kirche musste repariert werden, und im Juni 1607 wurde der Grundstein für ein neues Kollegsgebäude gelegt. Ein erhaltener Grundriss stammt wahrscheinlich aus dieser Bauphase und zeigt das geräumige dreiflügelige Kollegsgebäude mit einem inneren rechteckigen Hof (an der Stelle des ehemaligen Karmeliterklosters), der sich an der Südseite an die Kirche anschließt, sowie das Schulgebäude im Süden. Der gemeinsame Haupteingang zu den beiden Gebäudeteilen erfolgte nicht vom Platz Am Hof aus, sondern von Osten (Seitzergasse).
Im Jahr 1625 übersiedelten das Kolleg und das Gymnasium in das neue Gebäude des Akademischen Kollegs neben dem Stubentor, gegenüber dem Dominikanerkloster, nachdem Ferdinand II. 1623 die theologische und die philosophische Fakultät der Universität Wien den Jesuiten anvertraut hatte (sog. „pragmatica sanctio“). An der Stelle der vom Kaiser übergegebenen mittelalterlichen Universitätsgebäude errichtete die Gesellschaft Jesu bis 1625 das neue Kolleg mit Schule, und bis 1631 auch die Universitätskirche. Der große Gebäudekomplex am Platz Am Hof wurde zum Sitz des 1625 gegründeten Professhauses, und die dortige Jesuitenkirche wurde weiter als eigene Kirche des Professhauses benutzt.
Zwischen 1774 und 1776 wurde das ehemalige Professhaus komplett umgebaut und anschließend als Gebäude des Hofkriegsrats, ab 1848 des Kriegsministeriums benutzt. Im Jahr 1912/1913 wurde das gesamte Gebäude abgerissen und an seiner Stelle ein Bankgebäude errichtet.

Jesuitenhäuser

48.21052, 16.36836


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
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