Gebäude
Gymnasium
Beschreibung

Kurz nach der Gründung des Professhauses, im Jahr 1629, eröffnete sich die Möglichkeit, ein zweites Jesuitengymnasium in Wien zu gründen, was der Ordensgeneral, Muzio Vitelleschi, nicht ablehnte. Die Gründung der Schule scheiterte vor allem an Zweifeln innerhalb der Gesellschaft Jesu, da sich das Akademische Kolleg gegen die Gründung der Schule aussprach. Es argumentierte, dass es keine Stiftung zur Finanzierung der Lehrer gab und befürchtete, dass die Schüler, insbesondere der Adel, die neue Schule dem Akademischen Kollegium vorziehen würden. Mit der Zustimmung des Monarchen und der Universität richtete man das Gymnasium schließlich ein.
Die Lehrer wurden durch eine Stiftung des Feldherrn Rudolf von Tiefenbach (Teuffenbach) unterhalten. Das Gymnasium war ab 6. November 1650 mit vier Klassen (die höchste war die Syntax) tätig und wurde im Jahr 1654 von der Stadt als öffentliche Schule anerkannt.
Die Schule blieb lange Zeit ein vierjähriges „Kleingymnasium“ mit vier Magistern, die im Professhaus wohnten. Die jährliche Schülerzahl betrug in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts etwa 400, im Jahr 1665 waren es 345, als die Studentenkongregation 139 Mitglieder hatte. Im Jahr 1745 wurde die Poetikklasse und im nächsten Jahr die Rhetorikklasse eingerichtet. Die Erweiterung der Schule war durch die äußerst hohe Schülerzahl in den humanistischen Klassen des Akademischen Kollegs gerechtfertigt. Bis 1773 fungierte die Schule als volles, sechsklassiges Gymnasium. In den 1750er Jahren stieg die jährliche Schülerzahl auf 500–600, von denen etwa ein Fünftel adeliger Herkunft war. Im Jahr 1757 teilten die Jesuiten die Marianische Schülerkongregation, wobei die „größere“ Sodalität vom Lehrer der Rhetorik und die „kleinere“ Sodalität vom Lehrer der Poetik geleitet wurde. Es ist ein Missverständnis in der vorhandenen Literatur über das Gymnasium, dass es 1741 aufgelöst wurde, ebenso, dass es nur wohlhabende (adelige) Schüler hatte. Tatsächlich gab es auch mittellose Schüler, für die täglich an der Pforte des Professhauses Essen ausgegeben wurde (sogenannte arme „Suppen-Studenten“).

Jesuitenhäuser


 

Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

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