Die Stadt hatte noch vor der Ankunft der Gesellschaft Jesu eine traditionsreiche Kapitelschule (humanistische Lateinschule) und eine deutsche Grundschule. Nach dem Frieden von Wien 1606 errichtete die Lutherische Gemeinde auch eine eigene Stadtschule, die sich bald zu einem regionalen Bildungszentrum entwickelte. Die Schule war ab 1616 im Armbrusterhaus am Hauptplatz untergebracht, schon 1656 errichtete die wohlhabende Gemeinde neben der deutschen lutherischen Kirche ein neues Gymnasialgebäude, das bis 1672 mehrfach erweitert wurde. Dieses Gebäude nutze man nach 1714 als Jesuitengymnasium.
Ab 1628 wurde die Klassenstruktur des Jesuitengymnasiums schrittweise ausgestaltet. Im Jahr 1632 waren schon fünf Klassen eröffnet. Ab der zweiten Hälfte der 1650er Jahre organisierte man regelmäßig die „parvista maior“ und „minor“ Gruppen. Zum Gymnasium gehörten mehrere Stiftungen (z. B. die Stiftung von Éva Gyulaffy oder von Leopold Kollonitsch), die zum Unterhalt der begabten Schüler dienten.
Die Schülerschaft des Gymnasiums ist am besten durch die Matrikeln zu erkennen, die in Pressburg für die Epoche zwischen 1650 und 1773 zur Verfügung stehen. In den drei Bänden der Matrikel wurden insgesamt 50.667 Immatrikulationen registriert. Nach einer komplexen Untersuchung der Quellen könnten wir 19.402 Schüler identifiziert. Die durchschnittliche jährliche Immatrikulationszahl betrug 429. Obwohl es innerhalb einer Klasse große Altersunterschiede gab, stieg das Durchschnittsalter der Klassen von „parva“ (11,66 Jahre) bis zur Rhetorik (18,96 Jahre) gleichmäßig an. Die gesellschaftliche Zugehörigkeit der Schüler zeigt sich gemischt: Die Adeligen bildeten den größten Anteil (etwa 48,2%), doch auch die gemeinsame Schülerzahl aus dem Bürgerstand und aus den Nicht-Adeligen (51,7%) war circa gleich hoch. Über der konfessionellen Zugehörigkeit der Schüler haben wir ein unvollständiges Bild. Der bemerkenswert geringe Anteil der Nichtkatholiken (2,2%) ist mit dem lutherischen Gymnasium zu erklären, das bis 1672 in der Stadt reibungslos funktionierte und im 18. Jahrhundert wieder zu einem wichtigen Bildungszentrum wurde.
Die nationale Zugehörigkeit der Buben lassen sich nur in der Epoche zwischen 1650 und 1726 untersuchen. Die Daten zeigen eine ausgewogene Aufteilung zwischen den einzelnen Nationen, deren Hintergrund mit der ethnisch und sprachlich gemischten Bevölkerung der Stadt und der Region zu erklären ist. 45,97% wurden als Mitglied der ungarischen Nation eingeschrieben. Die zweitgrößte Gruppe war die slowakische Nation („Slavus“, „Pannonus“) mit 31,87%. Der Gesamtanteil der Kroaten betrug 6,4%, unter ihnen sind Schüler gleichermaßen aus dem Draugebiet sowie aus den kroatischen Dörfern von Westungarn zu finden. Das gesamte geografische Einzugsgebiet der Schule umfasste fast das gesamte Gebiet des Königreichs Ungarn — einschließlich von Siebenbürgen und des Königreichs Kroatien-Slawonien; Schüler stammten auch aus Gebieten über der Landesgrenze nach Niederösterreich und Mähren. Die überwiegende Mehrheit der Schüler stammte jedoch aus einheimischen Familien. Neben der hohen Zahl an Schülern aus der Stadt Pressburg (14,26%) war auch die Gesamtzahl der Schüler aus dem Pressburger Komitat (46,66%) hoch.
Gebäude
Gymnasium
Beschreibung
Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia
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