GRUNDDATEN
Linz
Österreich ob der Enns
| ab | bis | Institutionstyp | |
|---|---|---|---|
| 1600 | 1602 | missio | |
| 1602 | 1612 | residentia | |
| 1612 | 1773 | collegium |
| ab | bis | Institutions | ||
|---|---|---|---|---|
| 1600 | 1612 | collegium | Collegium Academicum Viennense |
| ab | bis | Institutions | ||
|---|---|---|---|---|
| 1632 | 1634 | residentia | Collegium Styrense | |
| 1609 | 1773 | residentia | Residentia Pulgrensis |
GESCHICHTE UND TÄTIGKEIT
Geschichte
Seit den 1590er Jahren beschäftigte sich die Gesellschaft Jesu mit einer möglichen Ansiedlung in Linz, wobei die damaligen österreichischen Jesuitenprovinziale Bartholomäus Viller (1592) und Ferdinand Alber (1598) selbst die Stadt besuchten. Anfänglich stützte die neue Gründung hauptsächlich Baron Johann Jakob Löbl von Greinburg, der dem Orden sein eigenes Haus anbot. Im Jahr 1600 kamen die Jesuiten Georg Scherer (Hofprediger, der vor allem gute Beziehungen zum Grazer Hof hatte) und Johann Zehender (der als Konvertit in die Gesellschaft eintrat) in Linz an und wurden für kurze Zeit im landesfürstlichen Schloß untergebracht. Im Jahr 1600 war damit eine bescheidene Mission gegründet. Im selben Jahr zwang der Monarch die evangelische Landschaftsschule zum erstemal zu schließen. Die Aktivitäten des Jesuitenordens wurden zunächst durch den Tod ihres bedeutenden Wohltäters Löbl (1602) und den Widerstand der protestantischen Landstände behindert. Die Jesuiten wurden jedoch stets von der Dynastie unterstützt — die engen Beziehungen Scherers zum Kaiser und Erzherzog Maximilian sind bekannt.
Im Jahr 1602 erhielt die Mission durch Löbls Legat von 5.000 Gulden den Status einer Residenz. 1601 wurde ihnen das Benefizium der heiligen Dreifaltigkeit samt Benefiziatenhaus (ehem. Hahnengasse 10) verliehen, zwei Jahre später erhielten sie einen Vorstadtgarten und ein Haus („zum Stoß“, siehe unten). Ab 1602 verwendeten die Jesuiten die verlassene Minoritenkirche Mariä Verkündigung als eigene Kirche. Im Jahr 1608 wurde die Schule mit zwei Klassen eröffnet. Es ist ein Zeichen für die Stabilisierung, ab 1606 durften die Patres mit der Genehmigung des Passauer Bischofs, Erzherzog Leopold, regelmäßige Morgenpredigte und Katechismusunterricht in der Stadtpfarrkirche halten.
Die Stiftung des Kollegs stellte Erzherzog Matthias als Statthalter von Österreich nachhaltig sicher: Das verlassene Kloster Pulgarn (ehemaliges Kloster des Hl.-Geist-Ordens) schenkte er mit Zustimmung von Papst Paul V. (1609/1612) an die Gesellschaft. Die Jesuiten stellten auch die Pfarrkirche in Steyregg und die Klosterkirche von Pulgarn zur Verfügung, aber nach den ersten Jahren wurde die separate Jesuitenresidenz bzw. Jesuitengemeinde in Pulgarn aufgegeben und die Ordensmitglieder lebten im Weiteren in Linz.
Stiftung
Aus dem Legat des 1602 verstorbenen Statthalters Freiherr Johann Löbl von Greinberg erhielt die Jesuitenmission 5.000 Gulden, die die Erhebung zur Residenz ermöglichten. Gleichzeitig erhielten die Jesuiten durch Kaiser Rudolf (als oberste Patronat) das Linz städtische Benefizium der heiligen Dreifaltigkeit, um mit den Einnahmen die Residenz unterhalten zu können. Erzherzog Matthias (König von Ungarn und Böhmen, später Kaiser) wurde zum anerkannten Gründer des Kollegs und übertrug den Besitz des Klosters Pulgarn an die Linzer Niederlassung (1609/1612).
Pulgarn, westlich von Steyregg, diente ab frühen 14. Jahrhundert als Kloster der Hospitaliter vom Heiligen Geist, neben einem Spital. Nach der Reformation hob Kaiser Maximilian II. 1567 das Kloster auf und machte es zu einem Kammergut. 1598 hielt der österreichische Jesuitenprovinzial Ferdinand Alber das seit Jahrzehnten verschuldete Kloster nicht für ein Jesuitenkollegium geeignet. 1608 hatte sich die Situation jedoch gebessert, die Schulden waren getilgt und die jährlichen Einnahmen des seit Jahrzehnten von den Mönchen verlassenen Klosters wurden auf 3.000 Gulden geschätzt. Die Güter von Pulgarn (das Spital, das Männer- und verfallene Frauenkloster, die dazugehörigen Ländereien und mehrere Pfarrkirchen: die Pfarren Steyregg, St. Georgen und Pabneukirchen) wurden den Jesuiten 1609 von Erzherzog Matthias geschenkt. Die Schenkung wurde 1610 von Papst Paul V. bestätigt. Den Stiftungsbrief des Linzer Jesuitenkollegs gab Matthias am 25. April 1612 aus.
Über eine angemessene Stiftung verfügte das Kolleg ab 1625. Maximilian von Bayern (der zu dieser Zeit das Land Oberösterreich als Pfand besaß) gewährte der Niederlassung jährlich 2.000 Gulden aus den niederösterreichischen Landeseinkünften. Das jährliche Einkommen wurde bald gegen die Besitzung der Herrschaft Ottensheim eingetauscht. 1627 bestätigte Kaiser Ferdinand II. die Schenkung von Ottesheim ebenfalls zu.
Mitgliedschaft
Anstatt die anfänglich zweiköpfige Missionsstation waren im Jahr 1612 bereits elf Ordensmitglieder in Linz und Pulgarn tätig: zwei Priester, zwei Magister und zwei Koadjutoren (Laienbrüder) in der Stadt, vier Priester und ein Koadjutor in der Residenz. Einer von ihnen diente auch als Pfarrer von Steyregg. Allmählich wuchs die Mitgliederzahl, und 1631 dienten bereits 23 Jesuiten in Linz. Nach einigen Jahren hörte die getrennte Jesuitengemeinschaft von Pulgarn auf zu existieren, d.h. alle Jesuiten lebten im Linzer Kolleg.
Seit Anfang der 1630er Jahre predigten die Patres regelmäßig in drei Linzer Kirchen: in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, in der ehemaligen Minoritenklosterkirche Mariä Verkündigung und in der St. Nikolauskirche (Kapelle am linken Donauufer, in Linz-Urfahr). Bis 1679 wurde die eigene St. Ignatius-Kirche der Gesellschaft aufgebaut, und die Minoriten, die in der Stadt zurückkehrten, erhielten ihre Marienkirche zurück. Die Jesuitenseelsorge wurde also in der Pfarrkirche, der Jesuitenkirche und der Nikolauskirche fortgesetzt. Seit den 1680er Jahren hielten die Jesuiten regelmäßig Gottesdienste in der Landstraßenkapelle der neu in der Stadt ansässigen Ursulinen ab. Zum Jesuitenkolleg gehörten auch mehrere Hofprediger, die u.a. bei Kaiserin Eleonore und Erzherzog Leopold dienten.
Neben der Predigttätigkeit war in den 1620er und 1630er Jahren auch die Rekatholisierung der städtischen und der ländlichen Bevölkerung von Bedeutung, wobei die Zahl der Bekehrten nach jesuitischen Berichten typischerweise zwischen 100 und 400 pro Jahr schwankte (mit einer Rekordzahl von etwa 1000 Bekehrten im Jahr 1633). In den 1640er Jahren war der Prozess abgeklungen. In den Berichten der Jesuiten wird auch die Zahl der Kommunizierenden pro Jahr festgehalten, die in den 1620er Jahren 3.000 und in den 1640er Jahren zwischen 10.000 und 20.000 betrug. Diese Zahl stieg bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts beträchtlich an, so dass bis 1730 jährlich 100.000 Kommunikanten verzeichnet wurden. Seit den 1630er Jahren waren die Ordensmitglieder auch für die Seelsorge in den städtischen Gefängnissen und Spitälen zuständig, wobei ihnen laut Jesuitenberichten fünf Spitäler und vier Kerker anvertraut waren.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahm die Zahl der Priester, die als Leiter von Seminaren und Kongregationen tätig waren und ab 1670 an der Akademie lehrten, weiter zu. Es gab auch immer mehr Patres, die hauptsächlich in der Predigt, Beichte und Katechese tätig waren. Ab den 1720er Jahren zählte das Kolleg in der Regel 44–45 Mitglieder: typischerweise 20 Priester (davon 8 Akademieprofessoren), 6 Magister und 13 Laienbrüder.
Zeitweise beherbergte das Kolleg auch Ordensangehörige, die vor den Kriegen geflohen waren. So wurden 1683 etwa 20–40 Mitglieder, die aus Wien vor der osmanischen Belagerung geflohen waren und Kaiser Leopold I. und seinen Hofstaat begleiteten, im Linzer Kloster untergebracht. 1704 führte der Spanische Erbfolgekrieg zur Flucht von 20 Scholastikern aus der Oberdeutschen Jesuitenprovinz, und 1708–1709 erhöhten 12 Terziarier kurzzeitig die Mitgliederzahl am Linzer Kolleg. Davon abgesehen blieben die Funktionen des Kollegs und die Tätigkeitsbereiche seiner Mitglieder jedoch bis 1773 unverändert.
Zur Jesuitenseelsorge in Linz gehörte auch, dass Ignatianische Exerzitien an nicht-jesuitische Erwachsene vermittelt wurden. Bereits in den 1610er Jahren für die „alten“ monastischen Gemeinschaften Oberösterreichs, zu anderen Zeiten für Prälaten und Hochadeligen. So gehörte Johann (X.) von Montfort 1664 zu den acht Personen, die geistliche Übungen absolvierten, ebenso wie Joseph Graf von Rabatta, der gerade zum Bischof von Laibach ernannt worden war. Ab dem zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts wurden die geistlichen Übungen als Gruppenexerzitien im Rahmen von jesuitischen Kongregationen und damit für ein viel größeres Publikum veranstaltet. Die Patres organisierten auch sog. Standesexerzitien, getrennt für Männer und nun auch für Frauen.
Neben den bereits zuvor von den Jesuiten erworbenen städtischen Häusern hat das Kolleg im Jahr 1667 den Salzburger-Hof, d.h. das Linzer Stadthaus des Salzburger Domkapitels, um 7.000 Gulden gekauft (obwohl der Erzbischof von Salzburg gegen den Kauf war). Hier errichtete die Gesellschaft eine eigene Kirche, die nach der Ordensaufhebung als bischöfliche Kathedrale der 1785 gegründeten Diözese Linz diente (bis 1909).
Die Grundsteinlegung fand am 31. Juli 1669 statt, die Kirchenweihe ging am 4. September 1678 vor sich. Die barocke Wandpfeilerkirche mit der für die Jesuiten typischen Doppelturmfassade wurde wahrscheinlich nach den Plänen von Pietro Francesco Carlone gebaut.
Die innere Stuckdekoration stammt wahrscheinlich aus der Werkstatt von Johann Peter Spaz aus den Jahren 1676–1678. Der Hochaltar wurde nach der Kirchenweihe von Giovanni Battista Colombo und Giovanni Battista Barbarino fertiggestellt (1679–1683) und größtenteils von den oberösterreichischen Landständen finanziert, die 17.000 Gulden spendeten. Die Gesamtkosten des Altars betrugen 28.000 Gulden. Das Altarbild wurde 1785 wegen der Erhöhung zur Kathedralkirche und der Änderung des Titels ersetzt.
Die drei Paare von Seitenkapellen stellte man ebenfalls in den 1670er–1680er Jahren fertig: (rückwärts vom Hauptaltar) die Altäre des Hl. Kreuzes (Agonia Christi) und Mariä, in der Mitte die Altäre des Hl. Josef und des Hl. Franziskus Borgia und im hinteren Teil die Altäre des Schutzengels und des Hl. Rosalia.
Die Stuckdekoration der Sakristei (an der Südseite des Chorraums) stammt ebenfalls von Johann Peter Spaz (1679). In der Kongregationskapelle über der Sakristei befindet sich der Hl. Aloisiusaltar (mit Bild von Bartholomäus Altomonte, 1748), der ursprünglich im Chor stand und 1750 vollendet wurde.
An der Südseite des Kirchenschiffs befand sich östlich eine Loretokapelle (1695/1696), westlich eine Johann von Nepomuk-Kapelle (1734), die später umgebaut und 1930 mit der Marienkapelle zusammengelegt wurde. Der Johann Nepomuk-Altar (Johann Michael Prunner, 1734) wurde in die ehemalige Loretokapelle versetzt.
Unter dem Chorraum befindet sich eine Krypta (1676), die bis 1773 als Begräbnisstätte der Jesuiten diente.
Im Jahr 1601 erhielten die Jesuiten die kleine, aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirche, die zum gleichnamigen Benefiziatenhaus gehörte (Hahnengasse 10, Alter Markt). Die Jesuiten renovierten die Kirche mehrmals, z. B. im Jahr 1675. 1720 besaß die Kirche einen Hauptaltar und zwei Seitenaltäre, und ab 1721 stand auf der Kirchenempore eine Orgel. Nach der Aufhebung der Gesellschaft wurde sie weiterhin als Kirche genutzt; es ist ein Inventar von 1785 bekannt. Im Jahr 1786 wurde sie entweiht, aus dem Benefiziatenhaus und der Kirche im Jahr 1803 ein Miethaus eingerichtet, und während des Zweiten Weltkrieges durch Bomben zerstört (1945).
Der imposante Gebäudekomplex errichtete man nach und nach zwischen dem heutigen Pfarrplatz, der Domgasse und der Kollegiumgasse. Die Jesuiten haben die Stadthäuser und Grundstücke hier zwischen etwa 1613 und 1654 erworben. Der Süd- und Ostflügel des Kollegs wurden zwischen 1652 und 1658 errichtet. Erstens ließen sie die Franz-Xaver-Kapelle erbauen, gestiftet von Gräfin Ursula von Thonnhausen. Diese Kapelle diente auch als Oratorium für die von den Jesuiten geleiteten Kongregationen, und ab 1657 beherbergte sie auch eine Marienstatue von Foy. Der Architekt des Kollegs ist nicht bekannt. Der Nordflügel für die Zwecke der Schule wurde 1669 fertiggestellt. Den Südflügel erweiterte man im Jahr 1676 (sog. Jesuitenresidenz, heutige Domgasse 3. 48.30526, 14.28884), so dass das Kollegium mit der Jesuitenkirche zusammengebaut wurde. Der Westflügel (heute Domgasse 1. 48.30561, 14.2889) stellte man bis 1680 fertig, so bildete sich ein riesiger Gebäudekomplex mit einem viereckigen Innenhof. Zwischen 1732 und 1734 wurde der Westtrakt umgebaut (Architekt: Johann Michael Prunner), der beherbergte die Apotheke, das Prokuratorzimmer, den Theatersaal und die akademische Aula. Im Jahr 1731 stifteten die oberösterreichischen Landstände 4.000 Gulden für den Bau des Theatersaales.
Das Kolleggebäude wurde 1776 in eine Kaserne umgewandelt, ab 1869 als Hauptpost genutzt, umgebaut und die Kapelle abgeschafft. In den 1920er Jahren erfolgte die Aufstockung des Nord- und Ostflügels um zwei Stockwerke. 2006 begann der Umbau für die Kunstuniversität Linz mit einem großen Hörsaal im Innenhof.
Das Gymnasium und die akademische Ausbildung nutzte den bis 1669 fertiggestellten Nordflügel des Jesuitenkomplexes gegenüber dem Pfarrplatz. Dem Schulspiel diente der Theatersaal im Westflügel des Komplexes, der akademischen Ausbildung das Auditorium (Entwurf von Johann Michael Prunner, erbaut zwischen 1732 und 1734).
Das Ignatianisches Seminar (Konvikt) verwendete zunächst das Wagnerische Haus. Ab 1632 nutzte es jedoch das Anomäische Haus und das benachbarte Mondseer Haus. Diese wurden vom Jesuitenpater Georg Köldrer (Kölderer) teils 1631 durch eine Schenkung der niederösterreichischen Landstände (1000 Gulden) und des Prälaten von St. Florian, Leopold Zehetner (1000 Gulden), teils 1632 um weitere 1.000 Gulden erworben. Diese beiden Häuser wurden zusammengelegt und das Seminar befand sich bis 1773 an diesem Standort. In den Jahren 1680–1682 baute man das Gebäude um, 1737 erfolgte ein weiterer innerer Umbau.
Nach 1874 diente das ehemalige Seminar als Sitz der Oberösterreichischen Volkskreditbank erfuhr im 19. und 20. Jahrhundert mehrere Umgestaltungen. Das Portal in der Domgasse 12. und seine Inschrift (Seminarium S. Ignatii Societatis Iesu) erinnern an die jesuitische Vergangenheit der Gebäude.
Das Seminar bzw. Konvikt wurde zwischen 1712 und 1716 an der Stelle zweier von dem Jesuiten Martin Gottseer erworbener Häuser (neben der Bethlehemkirche) errichtet. Unter dem Jesuitenregenten Johannes Galdenblad (regens 1721–1. Jan. 1736) erhielt das Gebäude ein drittes Stockwerk.
Die Kirche wurde 1711–1712 an der Stelle des Stalles des Freihauses Cavriani erbaut. Die erste Messe feierte der Jesuit Martin Gottseer, der Gründer und erste Regent des Seminarium Nordicum, im 1. August 1712, die Kirchenweihe erfolgte aber nur im Jahr 1714. Die Hauskirche des Seminars wurde als verkleinerte Kopie der Basilika von Bethlehem, als „Doppelkirche“ gebaut, mit einer Nachbildung der Grotte mit der Krippe in ihrem Chor. Die Hauptfassade lag zur Bethlehemstraße, die man nach diesem Gebäude benannt hat. Die Kirche (um 1730) hatte 14 Altäre, eine Orgel und eine wundertätige Marienstatue, letztere wurde nach 1773 in die Kapuzinerkirche in Linz gebracht. Nach der Ordensaufhebung wurde die Kirche weiterhin als Gotteshaus genutzt und 1785 exsekriert. 1805 ging sie in Privatbesitz über und wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Die Kirche wurde 1963 abgerissen.
Die Missionsstation der Jesuiten, die zum Linzer Seminarium Nordicum als Vorseminar gehörte, war von 1709/1710–1773 tätig. Ihr genauer Standort ist nicht bekannt, nur die Straße (Wasserstraße), in der die bescheidenen Gebäude (Missionsstation, Schule und Kapelle) standen. (Zur Geschichte der Einrichtung siehe: Verbundene/Weitere Einrichtungen, Missionshaus Schwerin).
Errichtet hat die Kalvarienbergkapelle der Jesuitenpater Philibert Boccabella, der von 1651 bis 1654 in Linz tätig war und die oberösterreichischen Landstände um Finanzierung bat. Die Sakristei hat man 1688 fertiggestellt, im selben Jahr, in dem der Passauer Dompropst Franz Anton von Losenstein die Kapelle geweihte. Die Kapelle und der Kreuzweg wurden mehrmals umgebaut. Im Jahr 1759 ließen die Jesuiten neben der Kirche eine Kreuzigungsgruppe errichten. Ab 1773 betreute die Stadtpfarrei die Kapelle.
Die Kapelle wurde bis 1665 erbaut, doch ihr Vorgängerbau stand bereits im Jahr 1657 am Fuße des Kalvarienbergs. Sie enthielt eine kunstvolle Marienstatue. Die Kapelle war mehrmals völlig neugebaut (um 1690, 1746). Im Jahr 1886 hat man die Kapelle in eine Lourdes-Grotte umgestaltet.
Die Heilieges-Grab-Kapelle wurde 1659–1660 dank des Bürgermeisters Ludwig Preller und seiner Frau erbaut, und zwar in einer, bei den Jesuiten typischen Form (vgl. z.B. den Kalvarienberg von Raab/Győr, Westungarn).
Die Initiative für eine Seminargründung kam von den Jesuiten Georg Köldrer (Kölderer), die (erste) Stiftung erfolgte durch den Prälaten von Sankt Florian, Leopold Zehetner, im Wert von 1.000 Gulden. Auch Ferdinand II. dotierte die neue Einrichtung. Im Jahr 1637 erwarb Köldrer für das Seminar ein Landhaus in Ottensheim. 1652 kauften die Jesuiten einen Vorstadtgarten für das Seminar um 2.000 Gulden. (Siehe auch: Garten und Sommerresidenz: Vorstadtgarten und Gartenhaus des Seminars Sancti Ignatii).
Anfangs nahmen sie (vor allem) musikalisch begabte Jungen auf (alumni musici). Neben den auf Kosten der Stiftung versorgten Alumnen gab es auch einige eigenfinanzierte Konviktschüler, so dass die Einrichtung ein gemischtes Profil hatte („seminarium pauperum“ und adeliges Konvikt). Ein jesuitischer Bericht von 1660 zeichnet ein eher negatives Bild des Konvikts: Die Schülerzahl und ihre Leistungen seien zurückgegangen, woran der kränkliche, widerspenstige Regent schuld sei. Das Amt hatte von 1659 bis zu seinem Tod 1663 der aus Prag stammende Jacobus Rabsgangl inne.
Nach dem Wiederaufbau im Jahr 1681 wurden mehrere Stiftssitze besetzt (dank der zahlreichen Wohltäter, wie Werner Graf von Tilly, Landeshauptmann Graf Johann Ludwig von Kuefstein, der Konvertit Nikolaus Dietrich Freiherr von Sperreuthner, Gregor August Faschang, Maria Elisabeth Gräfin von Ungnad, Anna Katharina Gelb, Pfarrer von Sierning Georg Friedrich Koller, und Pfarrer von Leonding Johann Bapt. Urli).
Die Stiftungen wuchsen im Laufe des 18. Jahrhunderts, so dass die Gesamtzahl der Zöglinge in der Regel zwischen 20 und 30 pro Jahr lag: Sie waren Schüler des Gymnasiums und Studenten der Akademie, sowohl Geistliche als auch Laien. Im Jahr 1731 lebten 19 Seminaristen (alumni) und 8 Konviktoren in der Einrichtung. Ab ca. 1646 wohnten zwei Jesuiten in dem Konvikt: Der Rektor war immer ein Pater, der Subregens (oder „socius regentis“) war typischerweise ein Magister.
Der Jesuit Martin Gottseer (Gottscheer) war für die Gründung des zweiten Linzer Konviktes unter der Leitung der Jesuiten besorgt. Er hielt sich zwischen 1690 und 1698 als Beichtvater des kaiserlichen Gesandten Franz Ottokar Graf von Starhemberg in Stockholm auf. Nach seiner Rückkehr nahm er sechs junge schwedische Konvertiten mit nach Linz, die im St. Ignatius-Seminar Aufnahme fanden und von denen später fünf katholische Priester wurden. Graf von Starhemberg stiftete die ersten 1.000 Gulden für die Studenten aus dem Norden (im Jahr 1698), und 1699 beherbergte das Ignatius-Seminar bereits 46 Konviktschüler und neun Alumnen aus den nördlichen Ländern (Schweden, Dänemark, Norwegen), deren Unterhalt durch gelegentliche Almosen gesichert wurde.
Im Gefolge von Gottseers Bericht an Rom (1699) befasste sich auch die Congregatio de Propaganda Fide mit der Frage der nördlichen katholischen Mission und der möglichen Einrichtung eines Seminars für junge Konvertiten aus dem „Norden“. Zur gleichen Zeit wie Gottseers Initiative arbeitete auch der sich in Rom befindliche Jesuit Johannes Galdenblad (der ursprünglich dem Hof der Königin Christine von Schweden angehörte und selbst ein Konvertit war) an der Gründung einer ähnlichen Einrichtung. Auf Empfehlung von Papst Clemens XI. bat er in Wien den Kaiser um Hilfe und wandte sich an den Bruder von Franz Ottokar Graf von Starhemberg, Thomas Gundaker, der ebenfalls eine Spende von 1.000 Gulden für die Einrichtung leistete.
Joseph I. gewährte dem Nordischen Seminar durch eine Urkunde vom 15. Oktober 1707 jährlich 1.000 Gulden als Stiftung, die vom Linzer Obermautamt zu zahlen war. Am 18. März 1710 bestätigte er seine Stiftung und behielt sich das Recht vor, drei nichtkatholische adelige Zöglinge zu empfehlen (Präsentationsrecht). Im Jahr 1712 bestätigten die Gründung des Konviktes auch Karl VI. und die Kaiserin Eleonore Magdalena von Pfalz-Neuburg.
In den Jahren 1708–1710 kaufte Gottseer mit zusätzlichen Spenden zwei Stadthäuser (Ehrmann-Haus und Freihaus Cavriani, im Gesamtwert von ca. 27.000 Gulden). 1711–1712 wurde eine eigene Kirche (Bethlehemkirche) und zwischen 1712 und 1716 ein Seminargebäude neben der Kirche gebaut.
Das „seminarium sancorum trium regum“ eröffnete sich im Jahr 1710, benannt nach den drei heiligen Königen der nordischen Länder (Erich von Schweden, Knut von Dänemark und Olaf von Norwegen), mit der heiligen Brigitte als vierter Schutzpatronin. Papst Clemens XI. erachtete das Schicksal des Seminars für besonders wichtig. Auf seine Bitte hin und dank der Bemühungen von Gottseer und Galdenblad spendeten mehrere Bischöfe und Fürsten für das neue Institut, d.h. für den Unterhalt von ein oder zwei jungen Zöglingen aus dem Norden (z.B. die Erzbischöfe von Mainz, Köln, Prag und Salzburg, die Bischöfe von Eichstatt, Würzburg, Münster und Straßburg, der Hochmeister des Deutschen Ordens Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg und der Kurfürst von der Pfalz). Am bedeutendsten war die Stiftung des Kardinal Fürsterzbischof von Passau, Joseph Dominikus Graf von Lamberg, im Wert von 38.250 Gulden, die er für sechs Buben adeliger oder bürgerlicher Herkunft, nicht aus dem Norden, sondern aus Oberösterreich, machte.
Mitte des 18. Jahrhunderts betrugen die jährlichen Gesamteinnahmen der Stiftungen 14.000 Gulden, genug, um etwa 32 Buben zu versorgen. Die Zöglinge gehörten zu zwei Verpflegungsklassen, wobei die „kaiserlichen und lambergischen Stiftlinge“ eine bessere Versorgung und Kleidung erhielten (gezahlt mit jährlich 200 Gulden pro Kopf). Die Zöglinge aus den nördlichen Ländern erhielten eine bescheidenere Versorgung (gezahlt mit jährlich 120 Gulden pro Kopf).
Der ursprüngliche Zweck des Seminars, katholische (konvertierte) Buben aus den nördlichen protestantischen Ländern zu befähigen, als katholische Priester oder potenzielle katholische Väter in ihre Heimat zurückzukehren, wurde von Anfang an durch eine weitere Funktion ergänzt: Das Seminar diente auch als adeliges Konvikt. Dies belegen die spezifischen Bildungsangebote (Zeichnen, Musik, Fechten, Tanzen) und das eigene jesuitische Personal (Regens, Subregens und ein oder mehr Minister). Nur etwa ein Fünftel bis ein Drittel der 30–35 Zöglinge pro Jahr in den 1730er und 1740er Jahren kamen aus den nordischen Ländern, vor allem aus Dänemark. Im Jahr 1768 hatte das Seminar 67 Bewohner, darunter die vier Jesuiten, das Instruktions- und Dienstpersonal.
Das Nordicum wurde 1787 von Joseph II. aufgelöst, aber ein Teil der Stiftung sollte weiterhin den Bedürfnissen der Alumnen aus den nordischen Ländern dienen. Heute beherbergt das Gebäude das Stadtmuseum.
Dem Seminarium Nordicum, zur Auswahl der Zöglingskandidaten war ein kleines Vorseminar, auch „Kosthaus“ genannt, in Schwerin (Herzogtum Mecklenburg) angegliedert, in dem jährlich etwa vier Schüler unter der Leitung eines oder zweier Jesuitenmissionars religiöse Erziehung, Elementarschulbildung und Unterhalt erhielten, bevor sie nach Linz weitergeschickt wurden. Die Mission bestand von 1709/1710. Als Stiftung des Schweriner Missionshauses gab Karl VI. ein Legate des Herrn von Hansse (im Wert von 7.000 Gulden) im Jahr 1716 ab.
Seit dem frühen 17. Jahrhundert gab es in Schwerin eine kleine, geduldete katholische Gemeinde, die ihre Religion vor allem dank der katholischen Hofbeamten in provisorischen Gotteshäusern ausüben konnte. Um 1700 war die katholische Ehefrau des Oberstallmeisters Bernhard von Bibow, die Hofmeisterin Gabrielle von Bibow, geborene Flavigny de Beau, die Hauptförderin der katholischen Gemeinde. Ein Jesuitenmissionar, Karl von Stöcken (inkognito „Carolus Burchardinus“), der 1730 neu in Schwerin eintraf, erwarb das ehemalige, seit vielen Jahren verlassene Bibowsche Kurie für die katholische Missionsstation (1734). Die Kapelle in der Wasserstraße (ursprünglich in einem Dachgeschoss über einem Stall errichtet) wurde renoviert sowie vergrößert und beherbergte bereits 1735 das Wohnhaus des Missionars und eine Schule. Ab 1739 wohnten hier zwei Missionspriester, und es wurde ein kleines Internat betrieben, das nach und nach um eine wertvolle Bibliothek erweitert wurde. 1750 errichteten die Jesuiten ein neues, geräumiges Wohnhaus, aber bis zur päpstlichen Aufhebung der Gesellschaft durften sie keine neue Kirche bauen lassen. Erst 1791–1795 wurde die neue katholische Kirche Schwerins (die spätere St. Anna-Kirche), auf herzoglichen Wunsch an der Burgstraße (heutige Schlossstraße) anstatt der Wasserstraße, gebaut. (Die Lokation der Missionsstation an der Wasserstraße ist nicht ganz bekannt, nur die Straße, aber nicht das Haus).
In Linz dienten die bürgerlichen Apotheken als öffentliche Apotheken, während die Jesuitenapotheke nur als Hausapotheke fungieren konnte. Die erste Erwähnung eines Apothekers unter den Laienbrüdern stammt aus dem Jahr 1656. Doch erst ab 1677 werden regelmäßig zwei Koadjutanten pro Jahr als „apothecarius“ und „socius apothecarii“ aufgeführt. Beim Neubau des Westflügels des Kollegs (1734) wurden für die Apotheke eigene Räume eingerichtet.
Die Bibliothek des Jesuitenkollegs basierte auf den reichen, hinterlassenen Büchersammlungen der beiden lutherischen Freiherren Tschernembl und Ungnad, die während der Gegenreformation fliehen mussten und im Jahr 1622 den Jesuiten geschenkt wurden. Die Sammlung wurde regelmäßig durch Schenkungen und Ankäufe bereichert. So erhielt die Bibliothek im Jahr 1638 die Bücher des verstorbenen Pfarrers von Pucking, Dr. Thomas Scholz, und ein Vermächtnis im Wert von 400 Gulden. Im Jahr 1681 vermachte der Jesuitenkardinal Johann Eberhard Graf Neidhard, der einst als Magister in Linz gelehrt hatte, seine reiche Bibliothek dem Linzer Kolleg.
Von den jesuitischen Einrichtungen erhielten das Ignatius-Seminar und das Nordische Kolleg mit der Zeit auch eigene Bibliotheken, und auch die Kongregationen verfügten über eigene Hausbibliotheken.
Im Jahr 1760 ließ der Rektor des Kollegs, Jakob Focky, einen neuen Bibliotheksraum einrichten, der mit Deckenfresken von Bartolomeo Altomonte geschmückt war.
Nach 1773 bildete die Jesuitenbibliothek den Grundstock der Linzer Stadtbibliothek.
Der Kreuzweg existierte bereits 1608, bis 1654/1656 wurden Kreuzwegstationen gebaut, dann wurde die Straße (am Kalvarienberg) gepflastert. Die Kalvarienbergkapelle erbaute man zwischen 1651 und 1654 auf Initiative des Jesuitenpaters Philibert Boccabella. 1657 stand am Fuße des Kalvarienbergs bereits die Maria-Thal-Kapelle. In den nächsten Jahren (1659–1660) wurde auch eine Heiliges-Grab-Kapelle neben der Kalvarienbergkapelle gebaut. Im Jahr 1714 hat man neben der fünften Station eine Kapelle zur Heiliegen Stiege errichtet, deren Grundstein Christoph Wilhelm Graf von Thürheim legte (diese Kapelle existiert nicht mehr). Die Stationen, die zum Kalvarienberg führten, wurden 1789 weitgehend entfernt.
Die von den Jesuiten geleiteten Kongregationen, vor allen die Bürgerkongregation und die Agonia-Sodalität, spielten eine Schlüsselrolle bei der Pflege und Nutzung des Kreuzweges und des Kalvarienberges. Der Präses der Todesangst-Sodalität wird in den jesuitischen Jahreskatalogen meist als auch „curator Montis Calvariae“ genannt. Um die Verehrung des Kreuzweges zu fördern, gaben die Jesuiten mehrere deutschsprachige Kreuzwegbüchlein in Linz heraus (1690, 1740 von Christoph Breuer). Ab Mitte des 17. Jahrhunderts, vor allem in der Fastenzeit, zogen Hunderte von Gläubigen in Bußprozessionen mit Kreuzen zum Kalvarienberg, und die Mitglieder der Kongregation nahmen in organisierter Form daran teil. Im Jahr 1662 z.B. marschierten 1.200 Mitglieder der Agonia-Sodalität mit Kreuzen zum Kalvarienberg.
Im Januar 1608 eröffneten die Jesuiten die Schule im Benefiziatenhaus zur hl. Dreifaltigkeit mit zwei Klassen und zehn Schülern. Bereits zwei Jahre später führten die Schüler ein Schultheaterstück (zum Thema Vanitas) auf, dem in den folgenden Jahren zahlreiche weitere Schultheateraufführungen folgten.
Obwohl die protestantische Landschaftsschule Oberösterreichs 1600 von Kaiser Rudolf II. geschlossen wurde, hat man sie später zwischen 1609 und 1624 wiedereröffnet. Als die Jesuitenschule entstand, gab es in Linz also sowohl katholische als auch lutherische Sekundarschulen. Im Konkurrenzkampf (im Sinne der gegenreformatorischen Bestrebungen) setzte sich die Jesuitenschule durch. Im November 1629 wurde auf Antrag der oberösterreichischen Landstände die Jesuitenschule zur Landschaftsschule erklärt. Dies trug zur späteren Einrichtung eines höheren, akademischen Kurses neben dem Gymnasium bei.
Im Jahr 1622 wurde im Jesuitengymnasium die Poetikklasse, dann 1623 die Rhetorikklasse eröffnet. Im Jahr 1646–1647 zählte man bereits 292 Schüler (davon 80 aus Linz). Vor der Gründung der Akademie schwankte die jährliche Schülerzahl zwischen 117 und 355, im Durchschnitt waren es 273 pro Jahr. Nach der Gründung der Akademie stieg die Zahl der Gymnasialschülern an und erreichte im Jahr 1701 424. Danach schwankte die Schülerzahl zwischen 330 und 380 pro Jahr, um in den 1740er Jahren auf 220 bis 300 zu fallen. Das Gymnasium war stets eine der größten Jesuitenschulen der Ordensprovinz, mit sechs Klassen, die in der Regel von sechs Magistraten (getrennt) unterrichtet wurden.
Das Alter der Schüler schwankte in der Mitte des 17. Jahrhunderts typischerweise zwischen 8 und 22 Jahren, wobei die humanistischen Klassen besuchten Jungen im Alter von 17 bis 22 Jahren. Es gab regelmäßige Ordenseintritte, so traten z.B im Jahr 1637 drei Buben in den Benediktinerorden und einer in den Augustiner-Chorherrenorden ein.
Die Schülerkatalogen des Gymnasiums sind in zwei Bänden erhalten (1646–1773), heute liegen sie im Oberösterreichischen Landesarchiv (Signatur 14.01.12a–b). Die detaillierte (datenbankähnliche) Bearbeitung und Analyse der Linzer Schülerlisten ist noch nicht erfolgt, obwohl sie zu den ausführlichsten unter den jesuitischen Schulregistern der mitteleuropäischen Region gehören.
Die Schule befand sich zunächst im Benefiziatenhaus der hl. Dreifaltigkeit, ab 1624 in deren Gebäude neben der Minoritenkirche (Welthambersches Haus). 1629 übersiedelte die Schule mit Genehmigung der oberösterreichischen Landstände in das Landhaus. Sie übernahm damit die Mittelschulfunktion der ehemaligen evangelischen Landschaftsschule, die durch die Gegenreformation aufgehoben worden war. Da auch hier der Platz zu knapp wurde, bauten die Landstände im Jahr 1631 das Anomäische Haus zur Schule um. Bis 1669 hat man den Nordflügel des Jesuitenkomplexes (zum Pfarrplatz hin) fertiggestellt, in den das Jesuitengymnasium einzog.
Im Jahr 1669 gründeten die niederösterreichischen Landstände neben des Jesuitengymnasiums einen akademischen Lehrgang. Zu diesem Zweck stellten sie jährlich 1.800 Gulden aus dem ständischen Obereinnahmeamt zur Verfügung. Der Logikkurs begann mit 60 Studenten. Neben den philosophischen Fächern wurde ab 1671 auch eine kirchenrechtliche Ausbildung aufgenommen. Im Jahr 1679 lehrten bereits acht Jesuitenprofessoren an der Akademie, und diese Zahl blieb bis 1773 unverändert. Im Jahr 1697 begann die zivilrechtliche Ausbildung mit einem Laienprofessor. Das 1759 eingerichtete „museum physicae“ und das 1761 errichtete „Münzkabinett“ waren (auch) mit der akademischen Ausbildung verbunden. Die Akademie erhielt bis Ende der Jesuitenzeit nie das Recht, akademische Grade und Privilegien zu verleihen, dennoch war sie eine große und bedeutende Hochschuleinrichtung für die Region.
Zwischen 1670 und 1710 lag die Gesamtzahl der Philosophiestudenten bei 70 bis 110, mit durchschnittlich 94 Studenten pro Jahr. Im Jahr 1701 besuchten 116 Studenten der Philosophie, und die jährliche Studentenzahl von 110 bis 130 blieb bis 1730 typisch. Von 1730 bis 1741 studierten 100–120 Studenten pro Jahr, danach deutlich weniger, nämlich 75–100 Studenten pro Jahr, Philosophie in Linz. Der Rückgang nach 1741 dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die oberösterreichischen Landstände (zumindest einen Teil) ihrer eigenen Stipendien aus dem Collegium Nordicum abzogen und ihr eigenes adeliges Konvikt nach Kremsmünster verlegten.
Kongregationen
In der Linzer Pfarrkirche initiirten die Jesuiten im Jahr 1612 die Neugründung der (mittelalterlichen) Fronleichnamsbruderschaft (Congregatio Corporis Christi), die aber nicht zur Jesuitenresidenz, sondern zur Pfarre gehörte. Nach ihrer Gründung traten etwa 200 Personen bei, darunter Kaiserin Anna (von Tirol) mit einem Teil ihres Hofstaates. Obwohl die jesuitischen Jahreskataloge den Präses dieser Bruderschaft nicht aufführen, ist bekannt, dass der Jesuit Georg Seidler (†1665) dieses Amt als „concionator“ der Pfarrkirche innehatte.
„Annuntiatio Mariae“, ab 1651 „Nativitas Mariae“ Schülerkongregation. Die Sodalität wurde im Jahr 1622 als gemeinsame Kongregation für Schüler des Jesuitengymnasiums und für Erwachsene gegründet. Das älteste gedruckte Manuale der Sodalität wurde 1634 publiziert. Ab 1634 war die Herrenkongregation getrennt, aber mit demselben Titel weitergeführt. Im Jahre 1651 nahm die Sodalität den neuen Titel „Mariä Geburt“ an. Im Jahr 1649 waren 112 der über 300 Schüler Mitglieder. Nach der Einführung der akademischen Ausbildung (1670) blieben nur noch die Schüler des Gymnasiums Mitglieder, weshalb die Sodalität als „congregatio minoris studiosorum“ genannt wurde, und in der Regel von den Magistern der Rhetorik als Präses geleitet wurde.
Ab 1744–1745 werden in den Jahreskatalogen des Kollegs immer zwei Schülerkongregationen (neben der akademischen Sodalität) genannt: eine für die „mittleren“ Schüler, die von den Magistern der Rhetorik geleitet wurde (congregatio mediorum studiorum), und eine für die „kleineren“ Schüler, die von den Magistern der Poetik geleitet wurde (congregatio infirmorum studiorum). Ein eigener Titel für die neue, kleineste Abteilung der Schülerkongregation ist aber bis 1773 nicht bekannt, und auch Berichte über die (eventuell getrennte) Tätigkeit bzw. Programme der „kleinsten“ und „mittleren“ Sodalitäten liegen nicht vor. Nach dem Jahresbericht von 1747 wurden damals religiöse Schriften (Büchlein) an die Schüler verteilt. Ab den 1730er Jahren hielten die Präses in der Fastenzeit ignatianische Exerzitien für die Schüler.
„Annunciatio Mariae“ Herren- und akademische („große“ lateinische) Kongregation. Als getrennte Herrenkongregation war die Sodalität ab 1634/1636 tätig. Das Profil der Sodalität erweiterte sich ab 1670 durch die Studenten der akademischen Ausbildung, weshalb die Kongregation nach 1670 als „congregatio dominorum et studiosorum maioris“ genannt wurde. Im Jahr 1649 hatte die Sodalität 70 Mitglieder. Spätestens ab 1678 gaben sie jährlich Neujahrsgeschenkbücher (sog. Xenienbücher) heraus.
Unter den jesuitischen Kongregationen in Linz war sie die mächtigste. Ihre Rektoren wurden (typischerweise) von den oberösterreichischen Statthaltern gewählt, z.B. hatte Christoph Wilhelm Graf von Thürheim (†1738) das Amt 25 Jahre lang inne, gefolgt von Ferdinand Bonaventura Graf von Weissenwolff. Die Mitglieder spendeten regelmäßig für die Kongregationskasse. Im Jahr 1725 ließen sie neue Kongregationsfahnen im Wert von 1100 Gulden anfertigen, eine mit Gold und eine mit Silbern gesteppt.
Die Kongregationsfeiern waren kostspielig und spektakulär. Sehr populär war z. B. der Fußwaschungszeremonie am Gründonnerstag, bei der die vornehmsten Mitglieder zwölf armen Leuten die Füße wuschen und ihnen Geld, Schmuck und auch Lebensmittel schenkten. Das Ritual wurde vor mehreren hunderten Gläubigen vollzogen, eine Praxis, die von den Anfängen der Sodalitas bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts bestanden. Seit den 1730er Jahren hielten die jesuitischen Präsides in der Xaveriuskapelle des Kollegs auch ignatianische Exerzitien für die Kongregationsmitgliedern in der Fastenzeit ab.
„Assumptio Mariae“ Bürgerkongregation. Die Aggregationsbulle (datiert von 28. Juni 1636) wurde im Jahr 1636 am Titularfest in Anwesenheit von Mitgliedern der kaiserlichen Familie (Ferdinand II. und seine Frau, bzw. ihre Tochter die Erzherzogin Cecilia Renata) verkündigt. Als Versammlungsort der Sodalität diente ursprünglich der Hl. Anna-Altar der Pfarrkirche, ab 1652, als sie fertiggestellt wurde, die neue Franz-Xaver-Kapelle des Jesuitenkollegs. Im Jahr 1649 hatte die Kongregation 267 Mitglieder, im Jahr 1664 hatte sie 280 Mitglieder.
Im Jahr 1736 feierte die Kongregation ihr hundertjähriges Jubiläum: Die Sodalität ließ eine neue Fahne für 600 Gulden „von rotem Damast mit goldgewirkten Blumen“ und ein großes Marienbild anfertigen, das anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten unter einem Baldachin vor dem Hauptaltar (in der Jesuitenkirche) aufgestellt wurde. Die Sodalität, die damals 2.000 Mitglieder zählte, gab anlässlich des Jubiläums auch ein Büchlein in deutscher Sprache heraus (Erstes glorreiches Jahr-hundert einer hoch-löblichen unter den Titul Mariae Himmelfarth in Collegio der Gesellschafft Jesu zu Lintz im Jahr 1636 aufgerichtet und bestättigten Bruderschafft ... Linz, 1736). Die Mitglieder führten auch regelmäßig den Kreuzweg auf dem Kalvarienberg durch, so auch im Jahr 1746, an dem etwa 2.000 Sodalen teilnahmen.
„Agonia Christi“ Sodalität. Die Sodalität hat man im Jahr 1652, nach einer großen Pestepidemie gegründet. Nach seiner Gründung hatte sie mehr als 1.000 Mitglieder. Ihre Tätigkeit folgte der Wiener Todesangst-Sodalität als Muster. Von Anfang an ist der Besuch der Kreuzwegstationen der Mitglieder bekannt. Später wurden auch die jesuitischen Präses als „curator[es] Montis Calvariae“ mit der Pflege des Kreuzweges beauftragt.
Im Jahr 1728 wurde die Sodalität durch ein Heilig-Kreuz-Reliquie bereichert, die Gräfin von Weißenwolff, geborene Maria von Pálffy, schenkte. Im selben Jahr traten 800 neue Mitglieder ein. Im Jahr 1752 feierte die Sodalität ihr hundertjähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde der Hauptaltar der Jesuitenkirche mit 300 Kerzen beleuchtet. Außerdem ließ die Kongregation Kupfermünzen im Wert von 33 rheinischen Gulden prägen, die als Gedenken an die Sodalen verteilt wurden. Im Jubiläumsjahr traten 500 neue Mitglieder ein.
Aloisianisches Bündnis. Ab 1748 sicherte eine eigene Stiftung (im Wert von 1.000 rheinischen Gulden) die jährliche Durchführung der neuntägigen Aloisianischen Andacht. In diesem Zusammenhang gab es ab 1751 ein „Bündnis“, das allerdings lockerer organisiert war als die anderen jesuitisch geführten (Marianischen) Kongregationen, aber mit etwa 2.600 Mitgliedern zu wirken begann und dessen Hauptzweck die jährliche Organisierung der genannten Andacht war. Ihr eigener jesuitischen Präses erscheinen nicht in den Jahreskatalogen. Der 1751 in der Ignatiuskirche errichtete Aloisius-Altar war mit dieser Andacht bzw. mit diesem Bündnis verbunden. 1761 gab es mehr als 3.000 Mitglieder, im Jahr 1762 kamen 900 neue Mitglieder hinzu und im Jahr 1767 700 neue Mitglieder.
Die Kirche stand ursprünglich außerhalb der Stadtmauern. Als zu Beginn des 13. Jahrhunderts die neuen Stadtgrenzen festgelegt wurden, befand sich die Kirche bereits innerhalb der Stadtmauern, im östlichen Teil der Stadt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts diente sie schon als eine Pfarrei, und viele Jahrhunderte lang, bis 1822, war sie von einem Friedhof umgeben. Nach den Stadtbränden von 1441 und 1509 hat man die gotische Kirche wiederaufgebaut und renoviert.
Seit 1600 dienten in der Pfarrkirche auch die Jesuiten. Im Jahr 1602 geriet Pater Georg Scherer in offenen Konflikt mit dem Stadtpfarrer Heinrich Praetorius, der ihm das Recht entzog, in der Pfarrkirche zu predigen. 1606 bestätigte Erzherzog Leopold (als Administrator des Hochstiftes Passau) den Jesuiten das Recht, in der Pfarrkirche Morgenpredigten und Nachmittagskatechese zu halten. Mit der Ankunft des neuen Dechanten (1609, Blasius Aliprandinus) wurde das Verhältnis der Jesuiten zur Pfarrei ausgewogener. Die Zusammenarbeit verstärkte sich später, so starb z.B. 1665 Stadtpfarrer Heinrich Schrader „in den Armen“ des Jesuitenrektors.
Die Jesuiten belebten die Corpus-Christi-Bruderschaft der Pfarrei wieder und bauten 1601–1602 eine Kapelle im nördlichen Chorwinkel, die bis 1695 von der Bruderschaft genutzt wurde (später Ölbergkapelle). Zwischen 1614 und 1616 wurde das Kircheninnere umgebaut, eine Orgel auf der Chorempore installiert und zwei neue Oratorien errichtet. Das Seitenschiff und die (neue) Sakristei wurden bis 1622 fertiggestellt.
Der barocke Umbau der Kirche fand zwischen 1649 und 1653 statt, wobei die Jesuiten eine wichtige Rolle spielten. Die Stadt und die oberösterreichischen Landstände beteiligten sich auch an den Kosten. Die Jesuiten ließen 1653 ein neues hölzernes Chorgestühl errichten, und gleichzeitig ließen sie aus einer Spende von Regina von Kirchberg (geb. von Hoyos) ein Ignatiusaltar bauen. Die Kirchenweihe fand am 21. November 1656 statt. Zwischen 1687 und 1694 wurden zwei weitere Kapellen an den Seitenschiffen angebaut. Bis 1671 war der barocke Umbau des Kirchturms abgeschlossen. Die Ausstattung des Kircheninneren und der Einbau weiterer neuer Seitenaltäre dauerte noch Jahrzehnte an.
Das Recht und die Pflicht der Jesuiten, in der Stadtpfarrkirche zu predigen, blieb bis 1773 erhalten, noch im Jahr der Ordensaufhebung dienten zwei Jesuitenpater als concionatores in der Pfarrkirche.
Die Nikolauskirche entstand um 1500 durch die Gemeinde von Uhrfahr. Seit 1633 haben die Linzer Jesuiten in der spätgotischen Kirche Messen gelesen und gepredigt, jährlich ein Pater war als „concionator ad S. Nicolaum” bestimmt. Die Gesellschaft betreute die Kirche bis 1681, als die Seelsorge von den Kapuzinern übernommen wurde.
Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert als zweijochige gotische Kirche für die Minoriten erbaut. An der Südseite der Kirche befand sich das Kloster, das im 16. Jahrhundert aufgelassen wurde. In den 1530er Jahren hatten die oberösterreichischen Landstände einen Teil des Klosters für ihre Zwecke gepachtet und errichteten in den 1560er Jahren das Landhaus an der Stelle des Klosters. Die Landstände wollten auch die ehemalige Minoritenkirche, für lutherische Gottesdienste nutzen.
Im Jahr 1602 erhielten die Jesuiten auf Befehl von Erzherzog Matthias die Kirche, die für die katholischen Religionsausübung umgestaltet wurde. In der Fastenzeit 1604 stellten die Patres schon ein „Heiliges Grab“ auf. Die Kirche diente den Jesuiten bis 1679, die die Kripta auch als Begräbnisstätte für die Ordensmitglieder nutzten. In den 1650er Jahren wollte die Gesellschaft Jesu die Kirche abreißen und durch eine neue, eigene Kirche ersetzen lassen, was jedoch nicht geschah. Im Jahr 1679 wurde die Kirche dem Minoritenorden übergeben, der sich wieder in der Stadt niedergelassen hatte. Zu diesem Zeitpunkt (1678) war die neue Barockkirche der Jesuiten neben dem Kolleg bereits fertiggestellt.
Die Ursulinen ließen sich 1679 in der Stadt Linz nieder, und 1680 wurde ihre erste Kapelle gebaut, an deren Stelle ab 1736 eine neue, geräumige Barockkirche errichtet wurde. Von Anfang an waren die Jesuiten an der Seelsorge der Klostergemeinde beteiligt, predigten in der Kirche und unterrichteten die Schülerinnen der Ursulinen im Katechismus. Im Jahr 1745 führte man die Herz-Jesu-Andacht in der Ursulinenkirche ein, und später, ab 1768, hielten die Patres ein solcher Gottesdienst auch in der Jesuitenkirche ab. Zum Zeitpunkt der Aufhebung der Gesellschaft waren drei Jesuitenpriester mit dem Ursulinenkloster in Kontakt: einer war „concionator et catechista“, einer war Beichtvater, und einer war Seelsorger der Nonnen.
Schicksal nach der Aufhebung
Die Jesuitenkirche (Akademische Kirche) diente von 1785 bis 1909 als Kathedrale der neu gegründeten Diözese Linz. Danach nutzten sie bis 2023 die in Linz zurückkehrende Jesuiten. Seither steht sie der örtlichen (ukrainischen) griechisch-katholischen Gemeinde zur Verfügung.
Der große Gebäudekomplex des Jesuitenkollegs und der Schule wurde nach 1773 als Kaserne und ab 1869 als Hauptpost genutzt. Seit 2006 beherbergt er die Kunstuniversität Linz.
Die reiche Bibliothek des Kollegs wurde nach 1773 zum Fundament der Linzer Stadtbibliothek.
Nach 1773 unterrichteten Exjesuiten im Gymnasium weiter. Ab 1807 wurde die Schule dem Stift St. Florian unterstellt und war bis 1873 im ehemaligen Linzer Ignatius-Seminargebäude untergebracht. Es fungierte weiterhin als akademisches und später als staatliches Gymnasium. Das heutige Akademische Gymnasium Linz ist in einem dreigeschossigen Schulgebäude untergebracht, das 1870–1872 erbaut wurde.
Der ehemalige Komplex des Collegium Nordicum beherbergt heute die Ausstellungen des Stadtmuseums.
(LAND)WIRTSCHAFT UND ERHOLUNGSIMMOBILIEN
Die Jesuiten übernahmen den Vorstadtgarten und das „Haus zum Stoß“ im Jahr 1604; das Haus gehörte einst zu den Minoriten. Als Gartenrefektorium in der Vorstadt wurde im Jahr 1658 mit Gemälden ausgestattet. Bis 1773 gehörte es dem Jesuitenkolleg, dann ging es in Privatbesitz über, und später errichtete man an dieser Stelle ein Gerichtsgebäude (1852).
Die Jesuiten kauften den Garten im Jahr 1637 für das Ignatius-Seminar um 2.000 Gulden, und es blieb im Besitz des Konviktes bis 1773.
Der Markt und der Burg, das spätere Schloss Ottensheim, kamen 1592 durch Konfiskation in den Besitz der oberösterreichischen Landstände, von 1627 bis 1773 stand es im Besitz des Linzer Jesuitenkollegs, danach ging es an den Studienfond über, ab 1804 war es in Privatbesitz. Im Jahr 1625 schenkte Maximilian von Bayern, der zu dieser Zeit das Land Oberösterreich als Pfand besaß, anstatt der aus der oberösterreichischen Provinzkasse jährlich bezahlte 2.000 Gulden die Herrschaft Ottensheim dem Linzer Jesuitenkolleg mit allen Zugehörigkeiten. Am 3. Dezember 1627 bestätigte der Kaiser Ferdinand II. die Schenkung auf Bitten des Jesuitenrektors Melchior Mayr. Die Schenkung wurde 1631 von den Landständen ebenfalls anerkannt, und die Herrschaft war ab 1630 von den Feudallasten befreit.
Das kriegsbedingt niedergebrannte Schloss ließen die Jesuiten im Jahr 1646 mit Spenden von Matthias Gotter, Propst von St. Florian, wieder aufbauen. Die Herrschaft blieb bis 1773 im Besitz des Linzer Jesuitenkollegs und diente als eine seiner wichtigsten Einnahmequellen. Das Zentrum der Herrschaft war die im 12. Jahrhundert erbaute Burg. Die Jesuiten renovierten die Ruine vor 1674. Im Gut Ottensheim hat man im Jahr 1628 eine Brauerei errichtet und 1655 eine Mühle neu gebaut.
Der Gebäudekomplex wurde von seinen späteren Besitzern im 19. Jahrhundert erheblich umgebaut.
Ab den späten 1610er Jahren kaufte das Kolleg mehrere Weinberge um Linz. Z. B. im Jahr 1622 wurden dafür 3.000 Gulden ausgegeben.
Im Jahr 1631 erhielten die Linzer Jesuiten durch ein Legat drei Weingärten in Klosterneuburg („am Bäckerkreuz“). Die Weingärten und das dazugehörige Haus wurden bei der osmanischen Belagerung Wiens 1683 zerstört.
QUELLEN
Archivmaterial
Das ehemalige Hausarchiv des Jesuitenkollegs (bzw. der Schule) ist weitgehend zerstört worden. Die Geschichte des Kollegs lässt sich anhand zentraler jesuitischer Quellen (z. B. die Jahresberichte also „litterae annuae“) und daneben der Kontakte, das man mit der oberösterreichischen Landesregierung, der Stadt Linz, der Diözese Passau und anderen Institutionen unterhielt, nachvollziehen. Einige dieser Archivalien und einige Dokumenten der Aufhebung (um und ab 1773) sind im Folgenden aufgeführt.
Oberösterreichisches Landesarchiv (Linz)
- 14.01. (Schularchive, Lyzeum Linz) Bd. 12a. Catalogus Studiosorum in Lincensi Gymnasio Secundum Classes distinctus ab anno 1646 (bis 1715).
- 14.01. (Schularchive, Lyzeum Linz) Bd. 12b. Catalogus Studiosorum in Lincensi Gymnasio Secundum Classes distinctus ab anno 1716 (bis 1773).
- 15.04.08. (Nachlässe und Sammlungen, Urkundensammlungen, Allgemeine Urkundenreihe) Sign. 190a (Sachtel 14c) 10. März 1646. Urkunde des Kaisers Ferdinand III. Bestätigung der Privilegien, Stiftungen und Freiheiten des Linzer Kolleg mit der ausführlichen Erwähnung der Herrschaften und Zugehörigkeiten des Kollegs.
- 02.01.01. (Landesfürstliche und (bundes-)staatliche Verwaltung in Oberösterreich, Landeshauptmannschaft, Akten) Schachtel 98. Fasz. IX. Dokumente über die Aufhebung des Linzer Kollegs, Schriften der Aufhebungskommission (um 1773)
- 02.01.01. (Landesfürstliche und (bundes-)staatliche Verwaltung in Oberösterreich, Landeshauptmannschaft, Akten) Schachtel 100. Fasz. X. Dokumente zu den Exjesuiten (ca. 1765–1783)
- 02.01.01. (Landesfürstliche und (bundes-)staatliche Verwaltung in Oberösterreich, Landeshauptmannschaft, Akten) Schachtel 149. Fasz. Archivalien über die Stiftungen des Linzer Kollegs und des Seminars S. Ignatii (ca. 1735–1785)
- 02.01.02. (Landesfürstliche und (bundes-)staatliche Verwaltung in Oberösterreich, Landeshauptmannschaft, Amtsbücher) Hs. 9. Findbuch „Exjesuiten“ mit anderem Titel „Cameralia 1774“. Zeitgenössischer Index der Aufhebungsdokumente mit inhaltlichen Auszügen (Regesten) der Dokumente. Die darin enthaltenen Signaturen sind nicht mehr identifizierbar, und die Schriftstücke sind größtenteils vernichtet worden.
- 12.09.01.01. (Vereinsarchive, Museum Francisco-Carolinum, Musealarchiv, Handschriften) Bd. 169. Synopsis fundationis primae et auctae collegii Lincensis (1711)
- 01.01.03. (Ständisches Archiv, Landschaftsakten) Schachtel 844, G XIII/2. Nr. 121., Nr. 123. Die Landeshauptmannschaft handelt bezüglich der Exjesuiten, Dokumenten des Exjesuitenfonds (1773–1776)
- Kartensammlung X 44-51 „Plan des Jesuiter Collegium dermahlen aber eine Caserne samt der umliegenden Gegend bis zur Donau (Jetzige Hauptpost)“ (nach 1773)
Diözesanarchiv Linz
Diese Akten sind mithilfe folgender Regestenbände möglich (obwohl die dort gegebene Signaturen nicht aktuell sind, die Schriften nur den thematischen Faszikeln und den Daten identifizierbar sind, was die Forschung mühsam macht)
Ebner, Johann: Ordinariatsarchiv Linz – Passauer Akten. (Linzer Regesten, B IX 1.). Linz, Stadtische Sammlungen, 1981.
Ebner, Johann: Diözesanarchiv Linz – Passauer Akten. (Linzer Regesten, B IX 2.) Linz, Archiv der Stadt Linz, 1993.
- Passauer Akten Sch. 41. (AT-DAL 0.1.A181.22.001-117) Fasz. 181a/w Stiftungen, Jahrtage, 40-stundiges Gebet
- Passauer Akten Sch. 41. (AT-DAL 0.1.A181.19.01-43) Fasz. 181a/t Ignatius Kirche 1777–1799
- Passauer Akten Sch. 43. (AT-DAL 0.1.A181.28.01-27) Fasz. 181i Kalvarienberg-Benefizium, St. Margarethen, Maria Thal Linz. (etc.)
Archiv der Stadt Linz
- Altes Archiv 3. Altakten 14. Kultusangelegenheiten (Schachtel 130.) Kirchen und Kapellen / Akten, Rechnungen verschiedener Kirchen 1652–1860: Dokumente der ehemaligen St. Nikolaikirche (um 1790), jesuitenbezogene Schriften, Brifwechsel mit der Stadtmagistrat, Urkunde von Joseph I. (1707, Kopie, die Bestätigung der Privilegien und Freiheiten des Linzer Jesuitenkollegs).
- Altes Archiv 3. Altakten 14. Kultusangelegenheiten (Schachtel 156.) Schulwesen, Stiftungsakten, hier: Nordische Stiftung 1708–1894: originelle Dokumente bezüglich der Nordische Stiftung und des Seminariums Nordicum, Beschreibung der Gebäude des Seminars nach der Aufhebung (1774).
Literatur
Andruchowitz, Ingo: Schule in einer Provinzialhauptstadt. Das öffentliche Schulwesen als zentralstaatliches Herrschaftsinstrument: Fallbeispiel Linz 1750–1848. Linz, Archiv der Stadt Linz, 1994. (Linzer Forschungen 6)
Commenda, Hans: Die Litterae annuae des Linzer Jesuitenkollegs als Quelle der Volkskunde. Historisches Jahrbuch der Stat Linz (1961) 119–138.
Ebner, Johann: Ordinariatsarchiv Linz – Passauer Akten. (Linzer Regesten, B IX 1.). Linz, Stadtische Sammlungen, 1981.
Ebner, Johann: Diözesanarchiv Linz – Passauer Akten. (Linzer Regesten, B IX 2.) Linz, Archiv der Stadt Linz, 1993.
Festschrift zum 400jahrigen Jubiläums des humanistischen Gymnasiums in Linz. Linz, Bundesgymnasium Linz, 1952.
Fröhler, Josef: Das Linzer Jesuitendrama 1608–1773. Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1996 (1997), 11–72.
Fröhler, Josef: Zur Schauspieltätigkeit der Studenten am Linzer Jesuitengymnasium. Die „Schule der Jesuiten” in Linz. Historisches Jahrbuch der Stadt Linz (1955), 197–270.
Fröhler, Josef: Überlieferte Linzer Jesuitendramen. Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1957 (1957), 69–129, II: 1985 (1986), 115–147, III: 1993 (1994), 11–57.
Fröhler, Josef: Das Linzer Jesuitendrama 1608–1773. Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1996 (1997), 11–72.
Fuhrich, Fritz: Theatergeschichte Oberösterreichs im 18. Jahrhundert (Theatergeschichte Österreichs, 1/2.). Wien, Böhlau, 1968.
Gaisberger, Josef: Geschichte des k.k. akademischen Gymnasiums zu Linz; in: Bericht über das Museum Francisco-Carolinum 15 (1855), 1–124. [In diesem Jahresbericht sind mehrere Aufsätze mit eigener Seitenzählung, also jeweils mit 1 beginnend, beigebunden.]
Haller, Edmund: Linzer Jesuitendramen. Heimatgaue 3 (1922), 1–12, 108–110.
Haller, Edmund: Oberösterreichische Passionsspiele. Heimatgaue 9 (1928), 53–67. und 12 (1931), 20–33.
Haller, Edmund: Das oberösterreichische Barocktheater. Heimatgaue 15 (1934), 119–128.
Kolb, Georg: Das Collegium Nordicum S.I. in Linz (Nach autentischen Quellen). Nachrichten der österreichischen Provinz und kroatischen Mission 4 (1907–1908), 153–163. und 173–176.
Kolb, Georg: Mitteilungen über das Wirken der PP. Jesuiten und der Marianischen Kongregationen in Linz während des 17. und 18. Jahrhunderts. Aus alten Berichten gesammelt von Georg Kolb, mit dem Überblick der Xenia oder Jahresdenken der Kongregationen in Linz, vom Jahre 1678–1783. Linz a. D., 1908.
Kreczi, Hans: Linzer Häuserchronik. Linz, 1941. (passim)
Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Oberösterreich. Bd. 2. Linz. Bearbeitet von Beate Auer, Brigitta Fragner, Ulrike Knall-Brskovsky, Paul Mahringer, Beiträge von Johannes Dandler, Heinz Gruber, Willibald Katzinger, Gerd Pichler, Marianne Pollak, Eckart Vancsa. Horn–Wien, Verlag Berger, 2009. (passim)
Die Kunstdenkmäler Österreichs. Topographisches Denkmälerinventar. Oberösterreich Mühlviertel. Bearb. Peter Adam et al. (Dehio-Handbuch die Kunstdenkmäler Österreichs) Horn–Wien, 2003. 570–572., 695–697., 868., 875–879.
Lehmann, Edgar: Bartolomeo Altomontes Deckenbilder im Bibliothekssaal des Jesuitenkollegiums zu Linz. Kunstjahrbuch der Stadt Linz (1962), 37–47.
Leisner, Otto: Theataeraufführungen und Akademien. Freinberger Stimmen 25 (1954–55) 2, 11–24. 40 (1969–70), 144–152. 58(1988), 38–41. 44(1973–74), 76–81.
Lenzenweger, Josef: Das Jesuitenkollegium zu Linz als Ausgangspunkt einer oberösterreichischen Hochschule. Jahrbuch der Stadt Linz 1951 (1952), 41–81.
Lenzenweger, Josef: Der Kampf um eine Hochschule für Linz. Linz, Oberösterreichischer Landerverlag, 1963.
Lenzenweger, Josef: 300 Jahre theologische Studien in Linz. Theologisch-praktische Quartalschrift 121 (1973), 97–105.
Die Linzer Kirchen. Bearb. von Justus Schmidt, hg. von der Kulturverwaltung der Stadt Linz und von Institut für Österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes. (Österreichische Kunsttopographie 36. Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Stadt Linz). Wien, Anton Schroll & Co, 1964.
Mayrhofer, Fritz: Linz. Kommentar. In: Österreichischer Städteatlas. Hrsg. von Felix Czeike, Renate Banik-Schweitzer, Gerhard Meißl, Ferdinand Opll, Andreas Weigl. (Wien, 1977–2013)
Metzler, Johannes B.: Das Nordische Kolleg in Linz. Zum 200. Gedenktage seiner Eröffhung. Theologisch-praktische Quartalschrift 64 (1911), 253-282.
Oberleitner, Hans: Linzer Thesenblätter. Jahrbuch der Stadt Linz 1952 (1953), 221–260.
Pfeffer, Franz: Ausstellung zur Vierhundertjahrfeier des Gymnasiums in Linz, 1952. (Kataloge des Oberösterreichischen Landesmuseums 12) Linz, Oberösterreichische Landesmuseum, 1952.
Promitzer, Christian: Fischzug in den Norden. Die Nordische Stiftung in Linz (1707–1787) und ihre Stellung in der katholischen Mission Nordeuropas. Graz, Univ. Diplomarbeit, 1989.
Pühringer, Andrea: „Topographie der Gegenreformation” oder „Austrian Urban Renaissance”? In: Staatsmacht und Seelenheil. Gegenreformation und Geheimprotestantismus in der Habsburgermonarchie. Hrsg. von Rudolf Leeb, Susanne Claudine Pils, Thomas Winkelbauer. Wien‒München, 2007. 289‒310.
Rainer, Johann: Die nordische Stiftung in Linz. Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 14 (1984) (Beiträge zur Neueren Geschichte. Festschrift für Hans Sturmberger zum 70. Geburtstag), 413–422.
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