Geprüft von Dániel Siptár, Martin Scheutz. 31.05.2025.
Ort

Fünfkirchen (Pécs)
Königreich Ungarn, Komitat Baranya

Zeit, Institutionstyp
ab bis Institutionstyp
1612 1696 missio
1696 1731 residentia
1731 1773 collegium
Übergeordnete Jesuitenhäuser
ab bis Institutions
1612 1627 collegium Collegium Academicum Viennense
1627 1649 collegium Collegium Tyrnaviense
1649 1731 collegium Collegium Jaurinense
Untergeordnete Jesuitenhäuser
ab bis Institutions
1642 1684 missio Missio Andochiensis
Zeitweilige Pause

1704–ca. 1709. In den Jahren des Aufstandes von Franz Rákóczi II. (Kuruzenkrieg, 1703–1711) wurde die Stadt zunächst von den Kuruzen angegriffen. Dann plünderten südslawische (rác, illyrici) Soldaten auf kaiserlicher Seite die Stadt und die Jesuitenresidenz (1704), sie töteten vier Jesuiten und einen weltlichen Priester. Die Feindseligkeit der südslawischen Soldaten wurde wahrscheinlich durch die frühere Missionstätigkeit der Jesuiten geschürt, die auf Wunsch von Fünfkirchner Bischof Mátyás Ignác Radonay auf die (manchmal gewaltsame) Union der griechisch-orthodoxen Gemeinden mit der Römisch-katholischen Kirche abzielte.

Aufhebung
1773
Geschichte

Fünfkirchen lag zwischen 1543 und 1686 unter osmanischer Besatzung. Die Stadt wurde ein osmanischer Verwaltungs- und Gerichtssitz. Die christliche Bevölkerung bestand hauptsächlich aus Südslawen und einer Minderheit von Ungarn, letztere waren Antitrinitarier (Unitarier) und Römisch-Katholiken (mit einer kleinen Anzahl von Reformierten). Die Fünfkirchner Bischöfe residierten seit 1543 nicht mehr in der Stadt.
In den 1610er Jahren bestanden bereits die Voraussetzungen für die Missionstätigkeit. Es gab bereits Jesuiten, die Ungarisch und Kroatisch sprachen — einige von ihnen waren einheimischer Herkunft. Unter diesen stieg Gergely Vásárhelyi SJ, der als Missionar auf den Gütern von Kristóf Bánffy (in der Nähe von Unterlimbach/ Lendava/ Alsólendva) tätig gewesen war, zur Schlüsselfigur der Fünfkirchner Gründung auf. Vásárhelyi war von 1612 bis 1617 in der Fünfkirchner Mission tätig. Unterstützt wurde die Mission von der österreichischen Provinzleitung, dem erzherzoglichen Beichtvater in Graz, Bartholomäus Viller SJ, und dem Ordensgeneral Claudio Acquaviva SJ. Die südlichen Stationen der sog. türkischen Mission (Belgrad, Temeswar) wurden von der römischen Jesuitenprovinz über Ragusa versorgt. Die Stationen nördlich der Drau wurden hingegen von der österreichischen Jesuitenprovinz organisiert (Fünfkirchen, dann Andocs und Gyöngyös). Die anfänglichen Schwierigkeiten zeigen sich darin, dass die Fünfkirchner Mission 1614 aufgelöst und nach einigen Monaten (auf Druck des Ordensgenerals) wiedereröffnet wurde. Von damals an arbeitete die Mission (bis 1686) unterbrochen.
Die Bedingungen für die Gesellschaft Jesu änderten sich nach 1686 radikal. Die Stadt kam unter die Herrschaft der Militärverwaltung, dann der Wiener Hofkammer, dann der Ofner Kameraladministration. Erst im April 1703 nahmen der Bischof und das reorganisierte Domkapitel die Stadt (wieder) als kirchliches Eigentum in Besitz. Nach der Rückeroberung der Stadt (1686) schenkte Feldmarschall Ludwig Wilhelm Markgraf von Baden die Moschee von Pascha Ghazi Khassim und andere Gebäude in der Innenstadt den Jesuiten. Am 5. Februar 1694 machte der Graner Erzbischof György Széchényi eine Fundation von 50.000 Gulden für das Fünfkirchner Kolleg. (Die Jesuiten erhielten jedoch nur mühsam einen Teil der Fundation und deren Zinsen.) Leopold I. genehmigte die jesuitische Gründung am 1. Dezember 1698, und am 1. September 1699 erließ er eine ausführliche Gründungsurkunde, die am 15. Oktober 1699 auch von dem Graner Erzbischof Leopold Kollonitsch bestätigt wurde. Erst viel später, am 3. November 1731, erhielt die Residenz den Status eines Kollegs.

Stiftung

Die Stiftung des Graner Erzbischofs György Széchényi am 5. Februar 1694 in Höhe von 50.000 Gulden ermöglichte die Kolleggründung. Trotzdem erlangte das Haus die Zinsen des Stiftungskapitals nur mühsam, mit großen Verzögerungen und unvollständig. Dennoch wurde Erzbischof Széchényi als Fundator anerkannt.

Mitgliedschaft

[1612–1686] Nach 1543 wurde Fünfkirchen eines der Zentren der Transdanubischen Reformation. Ab den 1570er Jahren verbreiteten sich die antitrinitarischen (unitarischen) Lehren aus Siebenbürgen unter den ungarischen Einwohnern der Stadt. Die türkischen Behörden gestatteten den Unitariern und den Katholiken die öffentliche Religionsausübung (den Reformierten war dies nicht gestattet). Die einzige christliche Kirche in Fünfkirchen, die Allerheiligenkirche in der Ofner Vorstadt, wurde eine Zeit lang von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt.
Die Katholiken von Fünfkirchen waren Südslawen (Kroaten, Bosniaken und aus Ragusa) und Ungarn — die Jesuitenmission war von Anfang an zweisprachig. Die Mission bestand in der Regel aus zwei-drei Patres. Für die österreichische Jesuitenprovinz war es schwierig, für Nachwuchs zu sorgen, weil die Missionsarbeit körperlich und geistig sehr anstrengend war. Außer einigen wenigen Priester blieben die Missionare nicht länger als zwei-drei Jahre. Die Jesuiten versorgten die einzige katholische Pfarrei in der Stadt. Die Jesuiten spendeten nicht nur die Sakramente, sondern leiteten auch die Pfarrschule. Gelegentlich konnte ein Diözesanpriester für diese Aufgaben eingesetzt werden, aber nicht immer.
Die Missionare betreuten die katholischen Gemeinden in den umliegenden ungarischen Dörfern (60–70 Gemeinden), und in der Stadt Fünfkirchen gab es immer einen kroatischsprachigen Jesuitenpriester. An Feiertagen konnten sich bis zu 500–2.000 Gläubige aus der Stadt und der Umgebung versammeln. Die Patres hielten Predigten in der Allerheiligenkapelle auf Kroatisch und auf dem umliegenden Friedhof auf Ungarisch.
Es gab auch Reibereien zwischen der lokalen kroatischen und der städtischen und ländlichen ungarischen katholischen Bevölkerung. Die Situation verschärfte sich, als die Südslawen den neuen gregorianischen Kalender verwendeten, während dagegen die ungarischen Katholiken den neuen Kalender nicht annehmen wollten. Der Hauptgrund dafür war, dass die lokalen protestantischen Ungarn die „päpstliche” Kalenderreform ablehnten und die katholischen Ungarn dazu zwangen, nach dem alten Kalender zu leben, um die gewohnte Ordnung der Märkte nicht zu stören — jede Änderung wäre auf den Widerstand der lokalen osmanischen Behörden gestoßen. Dieser Widerstand war so groß, dass 1641 die drei Jesuitenmissionare, die auf eine Kalenderreform gedrängt hatten, beinahe vom Fünfkirchner Beg aufgespießt worden wären. Die ungarischen Missionare waren gezwungen, mit Genehmigung des Römischen Heiligen Offiziums bis zum Jahr 1686 den alten Kalender zu verwenden.
Auch bei der Bekehrung der Protestanten waren den Jesuiten enge Grenzen gesetzt, da sich die osmanischen Behörden gegen jede Veränderung wehrten, um die Steuerkraft der Bevölkerung zu erhalten und jegliche Auswanderung zu verhindern. Auf die Gründung der Mission folgte eine Welle von Konversionen, aber Ende der 1630er Jahre war diese Dynamik abgeklungen. Die Bedeutung der Mission ist also darin zu sehen, dass sie über Jahrzehnte hinweg die katholischen kroatischen-ungarischen Gemeinde der Stadt und der umliegenden ungarischen Dörfer (Komitat Branau/ Baranya) seelsorgerisch betreute. Dazu mussten sie neben einigen wenigen Diözesanpriestern mit kompetenten einheimischen Bauern, den so genannten Lizenziaten, zusammenarbeiten, die von den örtlichen Gemeinden akzeptiert und zur Verwaltung der Sakramente und der Liturgie eingesetzt wurden.
[1686–1773] Nach 1686 spielten die Jesuiten eine Schlüsselrolle bei der (Re-)Katholisierung der christlichen Einwohner der Region (Unitarier, Reformierte und Griechisch-Orthodoxe). Unter Bischof Mátyás Ignác Radonay (1687–1703) arbeiteten der Bischof und die Jesuiten zunächst eng zusammen. Bischof Wilhelm Franz Johann Bertrand von Nesselrode (1703–1732) stand der Gesellschaft jedoch feindselig gegenüber, versuchte sie in mehreren juristischen Prozessen (meist erfolglos) ihres Besitzes zu enteignen, verhinderte den Bau ihres Kollegs und verbot manchmal ihre Prozessionen.
Nach 1714 setzten die Jesuiten ihre schulische und seelsorgerische Tätigkeit fort, predigten und katechisierten in ungarischer und kroatischer Sprache, wobei die deutschsprachige Predigt von den lokalen Franziskanern übernommen wurde. Die Jesuiten betreuten die Kapelle des heiligen Franz Xaver, die Kapelle des heiligen Rochus, die städtischen Spitäler und den Kalvarienberg. Unter den Mitgliedern der Residenz trat 1717 der erste Laienbruder als Bauleiter auf. Zu dieser Zeit gehörten dem Haus nur sechs Mitglieder an. Bis 1726 wurden die unteren Klassen (principia, parva) hauptsächlich von weltlichen Lehrern unterrichtet. Im Jahr 1731, als die Residenz den Status eines Kollegs erhielt, zählte er 16 Mitglieder (acht Priester, drei Magister, fünf Koadjutoren). 1759 waren es 20 und 1765 sogar 22. In den letzten Jahren der Gesellschaft ging die Mitgliederzahl leicht zurück, und 1773 waren es zehn Priester, zwei Magister und fünf Koadjutoren.

Zunahme der Mitgliedschaft
Gebäude, Lage in der Stadt

Die einschiffige romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert fungierte lange Zeit als einzige christliche Kirche in der Stadt. Ab 1610 nutzten die Unitarier und die Katholiken die Kirche gemeinsam, zwischen 1617 und 1619 nahmen sie die Missionare für die Katholiken in Beschlag. Nach 1619 nutzten die Katholiken aufgrund der konfessionellen Konflikte eine neben der Kirche errichtete Holzkapelle. Die Baukosten wurden größtenteils von wohlhabenden lokalen Kaufleuten aus Ragusa und Bosnien getragen. Bis 1653 ließen die Katholiken trotz des Verbots der osmanischen Behörden eine neue Holzkapelle für die Katholiken bauen. 1659 wurde sie niedergebrannt und nach fast zehn Jahren wiederaufgebaut. Die Steinkirche wurde den Unitariern erst 1687 abgenommen und den Katholiken übergeben.

Die mittelalterliche Pfarrkirche St. Bartholomäus, die nach der türkischen Belagerung der Stadt als Moschee diente, wurde wahrscheinlich niedergebrannt und anschließend abgerissen. An ihrer Stelle errichtete der Ofner Pascha Gazi Khassim in den 1560er Jahren eine große Moschee. Der Durchmesser der Kuppel beträgt 16,9 Meter. Nach 1686 übernahmen die Jesuiten diese Moschee. Unter ihrer Leitung wurde hier von 1686 bis 1700 die Stadtpfarrei betrieben. Ab 1686 richteten die Jesuiten die Kirche ein, bauten sie um und vergrößerten sie nach und nach. In den 1760er Jahren hat man das Minarett abgerissen und durch einen massiven Glockenturm ersetzt. Die Patres ließen einen Korridor zwischen dem Kolleg und der Kirche errichten, der einen Rundbogen über die Straße spannte (abgerissen am Ende des 19. Jahrhunderts). Die barocke Eingangshalle stand bis 1939. Im 19. Jahrhundert verlor die Kirche ihren barocken Charakter, und in den 1940er Jahren wurde ein moderner Anbau hinzugefügt.

Das Gebäude existiert nicht mehr, seine Lokalisation ist ungefähr: an der südlichen Ecke des Allerheiligenfriedhofs, neben dem Fluss Tettye. Von Anfang an wohnten die Jesuiten in der Nähe der Allerheiligenkirche, und ihr bescheidenes Haus war gleichzeitig Sitz der Mission und der Schule. Der Superior Ferenc Paczoth SJ kaufte das Haus 1632 für die Jesuitenmission, die vorübergehend auf fünf Mitglieder anwuchs, und nutzte es bis 1686. Paczoth kaufte das Gebäude am Ufer der Tettye für 210 Gulden von einem Unitarier. Die Jesuiten als Besitzer waren gezwungen, durchreisende Türken zu beherbergen, darunter türkische Offiziere und Soldaten aus Kanischa (Großkirchen, Kanizsa), die das Gebäude regelmäßig plünderten, so dass die Priester mehrmals fliehen mussten. Nach 1686 blieb das Haus im Besitz der Jesuiten, die erst 1695 in die Innenstadt umzogen und ihr altes Haus zu wirtschaftlichen Zwecken nutzten.

Vor 1686 gehörte das Haus Ağa Mehmed, dann nach der christlichen Widereroberung (1686) schenkte es Feldmarschall Ludwig Wilhelm Markgraf von Baden der Gesellschaft Jesu. Die Jesuiten bauten es 1688 als Residenz um und fügten zwei Keller, ein Zimmer und eine Küche im Erdgeschoss sowie sechs Zimmer im Obergeschoss hinzu. Im Innenhof befanden sich auch Wirtschaftsgebäude. Die Mitglieder der Mission zogen 1695 aus den Vorstädten hierher. Nachdem die Jesuiten um 1725 in das neue Kolleggebäude umgezogen waren, benutzten sie diese Gebäude als Gymnasium weiter. Nach 1773 erwarb die Stadt das Gebäude, in dem die Elementarschulen untergebracht waren.

Vor 1686 gehörte die Gebäude dem Janitscharen Ağa Ibrahim Csoór, nach 1686 schenkte sie Feldmarschall Ludwig Wilhelm Markgraf von Baden der Gesellschaft Jesu. Sie nutzten das Haus als Schule bis circa 1725. Als die Jesuiten in das neugebaute Kolleg an der Westseite des Hauptplatzes (heute Széchényi Platz) umzogen, übersiedelte das Gymnasium in das benachbarte, vorher als Residenz benutzte Gebäude.
Es war geplant, hier ein Seminar (Konvikt) zu errichten, das jedoch nie verwirklicht wurde. Ab 1722 war die städtische deutsche Elementarschule im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht, da sie unter der Aufsicht der Jesuiten stand (wenn auch mit einem weltlichen Lehrer). Spätestens im Jahr 1741 zog diese Schule aus dem Gebäude aus. Nach 1725 (als der Bau des Seminars nur unrealistischer Plan geblieben war) befand sich hier eine Taverne — eine günstige Einnahmequelle für das Kollegium.

Das Grundstück (mit mehreren kleineren Häusern) wurde 1686 von der Gesellschaft erworben. Die Jesuiten ließen das neue Kolleggebäude zwischen 1716 und 1725 aus den hart erkämpften Zinsen der Széchényi-Stiftung und aus den Einkünften des inzwischen erworbenen Gutes Görcsöny gebaut. Bischof Nesselrode lehnte die Bautätigkeit ab und behinderte die Jesuiten. Der Architekt war Antal Tscholl, und das ursprüngliche L-förmige Gebäude wurde durch einen einzigen, langgestreckten, zweigeschossigen Flügel an der Westseite des Hauptplatzes ersetzt. Hinter dem zweigeschossigen Gebäude befanden sich ein Innenhof, ein Stadtgarten und Wirtschaftsgebäude. In den 1760er Jahren ließen die Patres einen Korridor zwischen dem Kolleg und der Kirche in Höhe des ersten Stocks errichten.

Das Gebiet des Kalvarienbergs, der so genannte Bartholomäus-Hügel, an der Nordseite der Stadtmauer, wurde bereits 1701 von den Jesuiten erworben. Bis 1713 errichteten sie drei Kreuze und zehn Stationen, und 1721 zäunten sie den Kalvarienberg ein. Im Jahr 1814 wurde an der Stelle der drei Kreuze eine klassizistische Kalvarienbergkapelle errichtet.
8. Städtische kroatische Elementarschule. (Früher Makar-Haus, Anna Gasse 16.) 46.07833, 18.23042
Im Jahr 1722, zeitgleich mit der deutschen Elementarschule, hat man die kroatische Elementarschule unter jesuitische Aufsicht (neu)organisiert, ebenfalls mit einem weltlichen Lehrer. Die Jesuiten beteiligten sich auch an der Renovierung des für die Schule gekauften Gebäudes.

Im Jahr 1722, zeitgleich mit der deutschen Elementarschule, hat man die kroatische Elementarschule unter jesuitische Aufsicht (neu)organisiert, ebenfalls mit einem weltlichen Lehrer. Die Jesuiten beteiligten sich auch an der Renovierung des für die Schule gekauften Gebäudes.

Verbundene/Weitere Einrichtungen

Im Jahr 1712 stellten die Jesuiten eine Unterkunft für neun Schülern zur Verfügung. Eine formelle Gründung fand nicht statt, und die für das Seminar gewählte Gebäude wurde ab 1725 als Taverne genutzt.

Es gibt sporadische Hinweise auf seine Existenz: Im Jahr 1688 erwarben die Jesuiten ein Haus, in dem sie 40 Waisenkinder unterbrachten.

Die deutsche Elementarschule stand nur einigen Jahren lang unter der Aufsicht der Jesuiten, sie hat ein weltlicher Lehrer. Ab 1722 war die Schule im Erdgeschoss des Jesuitengymnasiums untergebracht, von wo sie spätestens 1741 verlegt wurde.

Ab 1722 betreuten die Jesuiten die kroatische Elementarschule, deren Gebäude (Anna Gasse 16.) mit ihrer Hilfe renoviert wurde. Die Beziehung der Patres zu dieser Schule dauerte bis 1773 an, wobei der kroatische Jesuitenprediger in der Regel ebenfalls der Aufsicht der kroatischen Schule war (habet curam scholarum trivialium).

Schule, Unterricht

Die Schule der Mission war ab 1616 ununterbrochen tätig. Aber nur mühsam konnten die Schüler in drei Grammatikklassen unter einem weltlichen Schulmagister (oft einem ehemaligen Schüler der Jesuiten) lernen, ca. 30–45 Jungen pro Jahr. Dennoch spielte die Fünfkirchner Schule eine wichtige Rolle: Einige ihrer Schüler setzten ihre Studien am Jesuitengymnasium in Gyöngyös fort, und einige besuchten später Universitäten oder Akademien (in Tyrnau, Wien oder Agram). Selbst die lokalen Jesuiten unterrichteten einige einheimische Schüler in den Grundlagen der Theologie und ließen sie von Missionsbischöfen zu Priestern weihen, um den katholischen Dörfern des Komitats Branau (Baranya) zu dienen. Andere waren als sog. Lizenziaten in den katholischen Kleindörfern tätig. Wie wichtig die Fünfkirchner Mission war, zeigt die Tatsache, dass neun Jesuiten von dort kamen und einige ihrer Schüler auch in den Franziskanerorden eintraten.
[1686–1773] Nach der Widereroberung der Stadt organisierten die Jesuiten die Schule wahrscheinlich im Jahr 1688 mit einem weltlichen Schulmagister neu. Ihre Tätigkeit wurde 1691 durch die Pest unterbrochen. Ein vollständiges, sechsklassiges Gymnasium mit zwei Jesuiten und einem weltlichen Lehrer (beide leiteten zwei Klassen) wurde 1698 eingerichtet. Nach der Verwüstung der Stadt im Jahr 1704 eröffneten die Patres die Schule (vor) 1712 wieder und sie unterrichteten fortan kontinuierlich mit drei Magister in sechs Klassen, wobei die unterste Stufe gelegentlich von einem weltlichen Lehrer unterrichtet wurde. Im Jahr 1700 lag die Schülerzahl bei 125 und stieg bis 1726 auf über 400 an. 

Kongregationen

„Annuntiatio Mariae” lateinische Schülerkongregation. Die römische Mutterkongregation aggregierte die Sodalität am 26. Juli 1698, erst dann nahm die Schülerkongregation ihre Tätigkeit im Jahr 1699 auf. Mangels einer städtischen (bürgerlichen bzw. adeligen) Kongregation war es möglich, neben den Studenten auch externe Mitglieder aufzunehmen. Ihre gewählten Amtsträger stammten aus der weltlichen Elite der Stadt und der Komitat (Stadtrat, Vizegespane usw.) und aus kirchlichen Amtsträgern (z. B. Domherren, Weihbischöfe, Bischofsvikare). Die Kongregation förderte die Erweckung der priesterlichen und religiösen Berufe: Sie brachte vor allem Diözesanpriester, Jesuiten und Franziskaner hervor. Im Jahr 1702 zählte sie 42 Mitglieder.
„Agonia Christi”-Sodalität. Die Mitglieder des 1693 gegründeten Kongregation kamen aus der Stadt und den umliegenden Dörfern. Nach 1712 organisierten die Jesuiten das Leben der Sodalität neu. Im Jahr 1727 zählte sie schon 340 Mitglieder. Die Jesuiten errichteten 1713 einen Kalvarienberg mit drei Kreuzen und zehn Stationen. Die Gesellschaft war auch für die Pflege des Kalvarienbergs, die Bußprozessionen am „Judica me”-Sonntag und am Karfreitag sowie für die Errichtung des „Heiligen Grabes” vor Ostern verantwortlich.

Pfarrei, Weitere Kirche

Die Jesuiten — im Vertrauen auf den Schutz des Heiligen Franz Xaver — führten Prozessionen gegen die (nach 1686 mehrmals in der Stadt wütende) Pest durch. Die barocke Kapelle wurde wahrscheinlich 1739 an der Stelle einer früheren Kapelle errichtet, und die Patres führten weiterhin Prozessionen gegen die Pest hierher. Später unterhielten die lokalen Franziskaner die Kapelle, die seit 1972 als griechisch-katholische Kirche dient.

Die Türbe, also Grabstätte, von Idris Baba (den wichtigsten „Heiligen” / „veli” der türkischen Fünfkirchen) stand bereits Ende der 1640er Jahre. Nach 1686 bauten die Jesuiten sie zu einer Kapelle zu Ehren der Schutzheiligen gegen die Pest, vor allem des Heiligen Rochus, um. Rundherum befand sich ein Friedhof; in der Nähe errichtete man das städtische Lazarett der Pestkranken. Bis 1793 benutzte man die Kapelle für liturgische Zwecke, als sie in einem Pulverturm umgewandelt wurde.

Schicksal nach der Aufhebung

Nach 1773 stand das Gymnasium als Hauptgymnasium unter staatlicher Verwaltung, es wurde in das ehemalige Jesuitenkolleg verlegt. Im Jahr 1814 nahmen der Zisterzienserorden das ehemalige Jesuitenkolleg und das Gymnasium über.
Die Kirche der Himmelfahrt Mariä wurde zur Pfarrkirche der Innenstadt: Die Stadt erhielt im Jahr 1780 den Status einer königlichen Freistadt.

Benefactores

Bis 1686 hatte die Mission mit schweren und anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mehrmals erhielten die Jesuiten nicht einmal Almosen von ihren eigenen Mitbrüdern oder gar von den Jesuitenkollegien (Graz, Raab), die die Mission administrierten. So finanzierte sich die Mission im Wesentlichen aus drei Quellen: Spenden von wohlhabenden Fünfkirchner Kaufleuten und Gewerbetreibenden, Zahlungen für die Pfarrarbeit in den Dörfern und Einnahmen aus den Weinbergen (Weinverkauf) in und um Fünfkirchen. Die Jesuiten konnten Weingüter in größerer Zahl nur ab den 1670er Jahren kaufen.
Nach 1686 erwarben die Jesuiten mehrere Grundstücke und Häuser in der Innenstadt, und zwar von Ludwig Wilhelm Markgraf von Baden, der die Belagerung leitete. Auch die militärischen Oberen und später die Offiziere der Kammerverwaltung waren der Gesellschaft Jesu wohlgesonnen und unterstützten sie finanziell.

Grundstücke und andere ertragsfähige Immobilien

Görcsöny, 1702–1773. Die Fünfkirchner Niederlassung kaufte das Dorf Görcsöny und seine Ländereien im Jahr 1702 für 1500 rheinischen Gulden von der Hofkammer. Da die Zinsen aus der Széchényi-Stiftung nur schwer einzutreiben waren, die Einkünfte von Görcsöny waren sehr wichtig für den Unterhalt der Jesuitenniederlassung und das Gymnasium, sowie für den Bau des neuen Kolleggebäudes. Die Pfarrkirche von Görcsöny, die die Jesuiten damals restaurierten, existiert nicht mehr. Die Jesuitenresidenz wurde nach 1773 von der Familie Benyovszky erworben, die das Gebäude in ein Schloss umwandelte.

Archivmaterial

Das Ungarische Nationalarchiv (MNL OL, Budapest) bewahrt die Reste des ehemaligen Hausarchivs des Kollegs auf, vor allem die rechtlichen Dokumente. Darüber hinaus sind einige weitere Manuskripte in verschiedenen Sammlungen erhalten geblieben. Die folgende Liste enthält die wichtigsten Bestände.

  • MNL OL MKA E 152, Acta Iesuitica, 51–53. d. 137. k. (Collegium Quinqueeclesiense, Regestrata)
  • MNL OL MKA E 152, Acta Iesuitica, 214. d. (Collegium Quinqueeclesiense, Irregestrata)
  • Litterae Annuae missionis Quinque-Ecclesiensis Societatis Jesu. 1687–1728. Bibliothek der Eötvös Loránd Universität, Budapest, Handschriftensammlung, Ab 250. XXXIV.
  • Liber (Rationum) Congregationis Agoniae Christi ab anno 1718 (usque 1784). Pécs-Belvárosi Plébánia (Pfarrei Fünfkirchen–Innenstadt), Fünfkirchen (ohne Signatur).
  • Quinque-Ecclesiae. (Anmerkungen zur jesuitischen Hausgeschichte, 1687–1704.) Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest, Handschriftensammlung, Magy. Tört. Ívrét. 133. p. 501–518.
  • Berényianae gloriae zodiacus, kalendis Maii onomasticum diem celebranti excellentissimo, illustrissimo ac reverendissimo domino domino Sigismundo e comitibus Berényi de Karánts-Berény, perpetuo in Bodok, Dei et apostolicae sedis gratia episcopo Quinque-Ecclesiensi etc. etc. oblatus a Quinque-Ecclesiensi Gymnasio Societatis Jesu anno 1746. Bibliothek der Eötvös Loránd Universität, Budapest, Handschriftensammlung, H 57. (Gedichte aus dem Fünfkirchner Jesuitengymnasium)
Literatur

Árvai, Tünde: A városfejlődés hatása az oktatási intézményhálózat bővülésére a 18–19. században. [Die Wirkung der Stadtentwicklung auf den Ausbau des Schulnetzwerks im 18. und 19. Jahrhundert.] In: Pécs város topográfiája a kezdetektől a 20. század elejéig. [Topographie der Stadt Fünfkirchen vom Anfang bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.] Hrsg. Tamás Fedeles. Pécs, 2013. 169–195.

Bárdos, Kornél: Pécs zenéje a 18. században. [Musik in Fünfkirchen im 18. Jahrhundert.] Budapest, 1976. 65–74.

Galambos, Ferenc: A pécsi jezsuiták működése 1687−1728. [Die Tätigkeit der Jesuiten in Fünfkirchen, 1687–1728.] Budapest, 1942. (Publicationes ad historiam S. J. in Hungaria illustrandam. Lucubrationes 8)

Kiss, Albin: A pécsi gimnázium története. [Die Geschichte des Fünfkirchner Gymnasiums.] Pécs, 1914. 7–27.

Márfi, Attila: A pécsi jezsuiták egyházi témájú színdarabjai a 17–18. században. [Schuldramen der Fünfkirchner Jesuiten mit kirchlichen Themen im 17. und 18. Jahrhundert.] In: A pécsi egyházmegye a 17–18. században. [Die Diözese Fünfkirchen im 17. und 18. Jahrhundert.] Hrsg. Tamás Fedeles, Szabolcs Varga. Pécs, 2005. (Seria Historiae Dioecesis Quinqueecclesiensis 1.) 273–289.

Molnár, Antal: Jezsuiták a hódolt Pécsett (1612–1686). [Jesuiten im eroberten Fünfkirchen, 1612–1686.] In: Ders.: A katolikus Egyház a hódolt Dunántúlon. [Die katholische Kirche im eroberten Transdanubien.] Budapest, 2003. (METEM Könyvek 44) 11–119.

Pinzger, Ferenc: Emlékezzünk régiekről. [Erinnerung an die alten Zeiten.] Bd. I–III. Pécs, 1934–39.

Staud, Géza: A magyarországi jezsuita iskolai színjátékok forrásai. I. 1561–1773. Fontes ludorum scenicorum in scholis S. J. Hungariae Pars secunda. Budapest, 1986. (A magyarországi iskolai színjátékok forrásai és irodalma) 117–131.

Sudár, Balázs–Varga, Szabolcs–Varga J., János: Pécs története. [Geschichte von Fünfkirchen.] Bd. III. A hódoltság korában (1543–1686). [Im Zeitalter der Eroberung, 1543–1686.] Pécs–Budapest, 2020.

Szentkirályi, István: A pécsi jezsuita rendház feloszlatása az 1773. évben. [Die Aufhebung des Jesuitenkollegs in Fünfkirchen im Jahr 1773.] A „Pécs-Baranyamegyei Múzeum-Egyesület” Értesítője (1916), No. 1–2, 14–16.

Weiser, Fridericus: A katholikus iskolaügy Magyarországban II. Literae Authenticae exhibentes origines scholarum Hungariae, quas pro informanda juventute post cladem ad Mohács viri catholici condiderunt et dotarunt, reges apostolici confirmarunt. Fasciculus I. Coloczae, 1882. 68–70., 182–192.; Fasciculus II. Coloczae, 1884. 87–88. (Veröffentlichung der Gründungsurkunden)

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Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
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