Geprüft von Béla Mihalik, Martin Scheutz. 31.05.2025.
Ort

Erlau (Eger)
Königreich Ungarn, Komitat Heves

Zeit, Institutionstyp
ab bis Institutionstyp
1688 1697 missio
1697 1739 residentia
1739 1773 collegium
Zeitweilige Pause

1707–1710. Während des Rákóczi-Aufstandes verließen die Jesuiten die Stadt Erlau.

Aufhebung
1773
Geschichte

Die Stadt Eger war der Sitz des mächtigen Bistums Erlau (Eger) und des Komitats Hewesch (Heves) und wurde ab 1541 zu einer der wichtigsten antiosmanischen Festungen. Nach der Belagerung im Jahr 1596 kam die Festungsstadt unter osmanische Herrschaft und wurde als Verwaltungs- und Gerichtszentrum (als Sitz eines Wilajets und eines Kadis). Der Erlauer Bischof und das Domkapitel mussten ihren Sitz nach Kaschau (Košice, Kassa, und teilweise nach Jossau/Jasov/Jászó) verlegen. Die christlichen Truppen eroberten die Stadt Erlau im Jahr 1687 zurück. Die von den Verteidigern unterzeichnete Kapitulationsdokument erlaubte den Muslimen, in der Stadt zu bleiben, aber die meisten (scheinbar) christianisierten Muslime verließen das Königreich Ungarn nach dem Frieden von Karlowitz (26. Januar 1699).
Diejenigen, die sich nach 1687 in Erlau niederließen, waren Ungarn, vor allem Heiducken (militärische Elemente) und griechisch-orthodoxe Südslawen („Raitzen”/„Rascier” und „Griechen“), mit einer bedeutenden deutschsprachigen Militärpräsenz. Sie bildeten auch die drei anerkannten Nationen der Stadt (Ungarn, Deutsche, Raitzen). 1688 traten die Griechisch-Orthodoxen vor dem Erlauer Bischof György Fenesy in die Union (formelle Vereinigung) mit der römisch-katholischen Kirche ein. Im Jahr 1695 wurde die Stadt wieder der Jurisdiktion des Erlauer Bischofs unterstellt, was dazu beitrug, die mögliche Religionsausübung und Ansiedlung der protestantischen Bevölkerung zu verhindern.
Zwei Jesuiten dienten 1687 als Militärkapläne der christlichen Truppen, die die Stadt belagerten, und erwarben sofort Eigentum in der zurückeroberten Stadt, ebenso wie die Franziskaner und die Minoriten. Die Serviten kamen 1688 hinzu. Zunächst nutzten die religiöse Orden und das Domkapitel selbst die türkischen Moscheen als katholische Kirchen. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis der Bischof und die Diözesanverwaltung zurückkehrten.
Die Jesuiten wurden 1688 von General Antonio Caraffa unterstützt, und die Zipser Kammer (Administrator Michael Fischer) überließ ihnen geeignete Grundstücke im Stadtzentrum. Die Gesellschaft erwarb eine Moschee und 17 Häuser an der Ostseite der Innenstadt, in der Nähe des Fußgängertors der Stadtmauer (das sogenannte Kleine Tor, „Kiskapu”), ganz in der Nähe der Bischofsresidenz und der Pfarrkirche St. Michael.
Als Wohltätern der Jesuitenmission waren sowohl die Militärbeamten als auch die Funktionäre der Kammerverwaltung bedeutend. Im Jahr 1688 stellte Bischof György Fenesy der dreiköpfigen Mission ein jährliches Einkommen von 300 Talern, 40 Kübel Wein und 20 „cila” (etwa 20*140 kg) Weizen zur Verfügung. Ihre langfristige Tätigkeit ermöglichte die Stiftung des Graner Erzbischofs György Széchényi, der 1689 die Ländereien der (ehemaligen Zisterzienser-) Abtei von Šavnik (Savnik) zum Unterhalt des Hauses erwarb. Die Jesuiten wurden ab 1687 von Bischof György Fenesy und König Leopold I. in ihrem Besitz in der Innenstadt auch bestätigt.

Stiftung

Als Stiftung des späteren Kollegs diente die Abtei Šavnik (Savnik), die ließ der Graner Erzbischof György Széchényi den Jesuiten über. Die Gründungsurkunde wurde 1689 ausgestellt, aber die Niederlassung übernahm die Ländereien erst 1695. Die Abtei, die vorher an die Familie Thököly verpfändet worden war, wurde von Széchényi für 60.000 Gulden abgelöst.
Darüber hinaus nutzte die Niederlassung auch einen Teil der Ländereien des (ehemaligen Prämonstratenser-) Propstei Bozók (Mezőnyárád, Bükkaranyos).
Im Jahr 1748 legte der Domherr György Foglár eine besondere Stiftung für den Bau des Gymnasiums an.

Mitgliedschaft

In den Jahren nach 1687 spielten die Jesuiten eine Schlüsselrolle bei der Neuorganisation des städtischen Alltagslebens nach der römisch-katholischen Normen. Ab 1688 leiteten die Patres für kurze Zeit das von Leopold Kollonitsch gegründete Waisen- und Armenhaus (das bald aus Erlau wegzog). Sie bemühten sich um die Union der südslawischen Griechisch-Orthodoxen und um die Taufe der örtlichen muslimischen Bevölkerung. Anfangs spielten sie auch eine Rolle bei der Konversion von Protestanten aus den Reihen der ungarischen Heiducken.
Die Seelsorge passte sich den sprachlichen und ethnischen Bedingungen der Stadt an, und es kam zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Diözesanklerus (Pfarrer, Domherren) und anderen anwesenden religiösen Orden (Franziskaner, Minoriten, Serviten). Die Jesuiten predigten in ihrer eigenen Kirche auf Ungarisch und Deutsch und hielten auch in der Pfarrkirche ungarischen Predigten. Daneben slawisch sprechende Jesuitenpriester waren auch regelmäßig in Erlau tätig. Der Bischof István Telekessy verlegte 1699 seinen Sitz zurück nach Erlau — zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt bereits begonnen, sich als katholische Zivilgemeinde zu entwickeln.
Anfangs dienten drei-vier Jesuitenpriester im Haus, aber um 1700 lebten bereits fünf Priester und drei Magister in Erlau. Während des Rákóczi-Aufstandes verließen zwischen 1707 und 1710 zunächst die Magister und dann die Jesuitenpriester die Stadt. Zu den Mitgliedern der Residenz, die im November 1710 wieder eröffnet wurde, gehörte auch ein Theologieprofessor, der am bischöflichen Seminar lehrte. Zwischen 1720 und 1739 nahm die Mitgliederzahl allmählich zu. Ab 1713 fungierte ein Laienbruder als Apotheker. Nach 1726 unterrichteten in der Schule nur Jesuiten (keine externen Lehrer mehr). Im Jahr 1739, als der Status eines Kollegs bewilligt wurde, gab es bereits 19 Mitglieder in Erlau: zehn Priester, drei Magister, sechs Koadjutoren. Obwohl das bischöfliche Seminar ab 1754 nicht mehr von den Jesuiten unterrichtet wurde, erhielt das Jesuitengymnasium zur gleichen Zeit neue Lehrer, so dass die Klassenzusammenlegungen nicht mehr stattfanden.
Zwischen 1758 und 1772 wurde die Zahl des Hauses dadurch erhöht, dass es neben dem Kolleg ein Tertiatshaus mit neun-zwölf Tertiaren pro Jahr gab.

Zunahme der Mitgliedschaft
Gebäude, Lage in der Stadt

Ab Dezember 1687 nutzten die Jesuiten die türkische Moschee — die sie in der Nähe des kleinen Stadttors (sog. „Kiskapu“) übernahmen — als Kirche. Sie statteten die Gebäude mit 500 Gulden Spende von General Antonio Caraffa aus, und im Jahr 1690 erweiterten sie sie mit einer Sakristei. Der Bau einer geeigneten Jesuitenkirche und eines Kollegs wurde ab 1692 geplant, aber die vollständige Durchführung verzögerte sich fast bis zur Ordensaufhebung. Obwohl hat man der Grundstein für den neuen Baukomplex bereits 1700 gelegt, musste der eigentliche Bauarbeiten der Kirche bis 1731 warten. Dank der Spenden des österreichischen Jesuitenprovinzials, des Erlauer Bischofs Gábor Antal Erdődy und mehrerer lokalen Domherren konnte der Bau ab 1731 begonnen werden.
Das neue Presbyterium haben die Jesuiten am 31. Juli 1733 in Gebrauch genommen. Das Langhaus wurde 1736 fertiggestellt, und der Chor für die Musiker 1737 errichtet. Um 1740 war die Fassade mit ihren beiden Türmen bereits fertig. Die Vorhalle wurde 1743 errichtet. Gleichzeitig wurde das Innenraum dekoriert, zunächst mit dem Altar des Hl. Kreuzes und dann, zwischen 1742 und 1744, mit vier weiteren Seitenaltären (dem Hl. Aloysius, der Jungfrau Maria, dem Hl. Ignatius von Loyola und dem Hl. Franz von Xaver). Der letzte Seitenaltar (der Hl. Anna) wurde 1754 fertiggestellt. Die Jesuiten ließen bis 1750 die Kanzel, bis 1770 (mit großen Skulpturen des Bildhauers Johann Anton Krauss) den Hochaltar errichten. Die Fresken wurden von Johann Lucas Kracker gemalt (aber bei einem Brand im Jahr 1800 zerstört).
Von 1778 bis 1787 besaßen die Zisterzienser die Kirche, dann übernahm sie zunächst die Diözese. Nach dem Stadtbrand, im Jahr 1802 übernahmen wieder und restaurierten die Zisterzienser die Kirche, die als Gymnasial- und Ordenskirche diente.

In den Jahren 1699–1700 einigten sich der Erlauer Rektor István Pethő SJ, der österreichische Provinzial Bernhard Geyer SJ, und der Jesuitengeneral Thyrso Gonzalez SJ auf den Grundriss des künftigen Kollegs und der Kirche. Ursprünglich war das Kolleg mit drei Flügeln und einem U-Grundriss geplant, aber die Pläne wurden vereinfacht: zwei Flügel, L-Grundriss. Am 31. Juli 1700 legten die Patres der gemeinsame Grundstein für die Kirche und das Kolleg. Der Bau des Kollegs war vorrangig. Im Jahr 1702 erhielten die Patres Bausteine aus dem Teil der Erlauer Burg, der auf königlichen Befehl abgerissen worden war. Aber der Rákóczi-Aufstand unterbrach die Bauarbeiten (ca. Zwischen 1703 und 1711). Ab 1713 wurde der Bauprozess nach den ursprünglichen Plänen unter der Leitung von lokalen Maurermeistern (Georg Joseph Schenk, ab 1717 Giovanni Battista Carlone) fortgesetzt. 1720 waren in dem zweistöckigen Gebäude 13 Zimmer schon bewohnbar, die Jesuiten zogen ein. Das Refektorium wurde 1724, das gesamte Kolleg 1727 vollendet.

Die Schule war zunächst in den übernommenen ehemaligen Türkenhäusern untergebracht, und schon im Jahr 1699 fand im Hof dieser Häuser eine Theateraufführung statt. Ab 1695 standen mehr Räume für das Gymnasium zur Verfügung, da der Bischof die Volksschule an einen anderen Ort verlegte. Die Jesuiten rissen diese Schulgebäude nach 1734 ab, als die Kirche gebaut wurde. Das Gymnasium war vorübergehend in dem noch stehenden Gebäude der Moschee untergebracht, wo es von etwa 1745 bis 1749 tätig war.
Im Jahr 1750 schenkte der Domherr György Foglár den Jesuiten sein Haus an der Nordseite des Kollegs mit einem Grundstück. Hier, an der Ecke des Grundstücks, wurde an der Stelle der Wirtschaftsgebäude das separate (noch heute bestehende) Gebäude des Jesuitengymnasiums errichtet. Der Grundstein wurde am 1. Juni 1750 gelegt, und 1754 stellte man das zweistöckige Schulgebäude fertig. Im Erdgeschoss befanden sich drei, im ersten Stock vier Klassenräume, und im zweiten Stock ein Theater, das auch als Oratorium der Marianischen Kongregation diente. Es enthielt auch zwei Chöre und einen Marienaltar. Die Baukosten wurden auf 13.000 Gulden geschätzt. Die Einweihung des Gebäudes fand am 31. Juli 1754 statt. Der Erlauer Bischof Ferenc Barkóczy bestätigte die Fundation von Foglár und schenkte den Jesuiten noch ein angrenzendes Grundstück (mit Nebengebäuden).
Nach 1773 führten die Zisterzienser das Gymnasium im selben Gebäude weiter, dann fungierte es als königliches Gymnasium. Im Jahr 1827 brannte das Schulgebäude ab, der Erlauer Erzbischof kaufte es und schenkte es dem Militär, so dass es als Kaserne diente. Ab 1892 wurde es als städtische Realschule genutzt, die auch heute noch für Bildungszwecke verwendet wird.

Auf dem Grundstück, das die Jesuiten 1749 vom Domherr György Foglár übernahmen, stand ein Haus, das wahrscheinlich der ehemalige Wohnsitz des Domherr war. Nach der Übernahme ließen es die Jesuiten umbauen. Das Haus, das unmittelbar an das neue Schulgebäude angrenzt, könnte als Konvikt (evtl. seminarium pauperum) genutzt worden sein. Nämlich die Jesuiten stellten Unterkunft und Nahrung für einige der ärmeren Studenten zur Verfügung.
Die Funktion des Gebäudes ist aber unsicher, weil das adelige Konvikt in Erlau nicht unter der Leitung und Administration der Jesuiten stand, und in den jesuitischen Namensregistern finden wir keinen einzigen Regenten des Konviktes. Gleichzeitig mit der Gründung des Diözesanseminars (1709) verfügte der Erlauer Bischof István Telekessy, dass zehn adelige, weltliche Knaben einen Platz im Seminar erhalten sollten. Die Versorgung für ungarische adelige Knaben, hauptsächlich Konvertiten, die in dem Gymnasium studierten, blieb auch danach bestehen. Im Jahr 1754 wurde auch die vom Domherr György Foglár 1740 gegründete juristische Ausbildung (Lyzeum) neu organisiert. Das adelige Konvikt blieb also eine diözesane Einrichtung. Die Jesuiten nur unterrichteten die Konviktoren in ihrem Gymnasium.

Verbundene/Weitere Einrichtungen

1758–1772. Im Königreich Ungarn wurde nach Neusohl (Banská Bystrica, Besztercebánya) in Erlau ein zweites Terziatshaus errichtet. Zwischen 1758 und 1772 hielten sich jedes Jahr 8–12 Terziarier in der Stadt auf, wahrscheinlich in dem Kolleggebäude. Zu dieser Zeit ist ein Pater in den jährlichen Personenkatalogen als „instructor patrum tertiae probationis” aufgeführt. Die Tertiarier führten Volksmissionen in der gesamten Diözese Erlau und erreichten jedes Jahr 40–50 Ortschaften.

1713–1773. Der Erlauer Bischof István Telekessy ist als Stifter der Apotheke verehrt, der 2.000 Gulden für diesen Zweck spendete. Die Räume der Apotheke wurden bereits 1713 an der nordöstlichen Ecke des neuen Kolleggebäudes eingerichtet, und sie wurde wahrscheinlich 1714 eröffnet. Seit 1714 war im Kolleg ein Laienbruder (Koadjutor) als Apotheker tätig, der mindestens einen Gehilfen hatte.
Die Apotheke ging nach 1773 in Privatbesitz über und wurde 1802 aus dem ehemaligen Gebäude des Jesuitenkollegs verlegt. Die Einrichtung der Apotheke (barocke Schränke und 79 Holzgefäße) und einige Fayencegefäße (aus den 1740er Jahren) sind erhalten geblieben. (Heute gehören sie zum Burgmuseum „István Dobó” in Erlau.) Die Spezialität der Apotheke war die Herstellung des so genannten „Erlauer-Wassers”, wahrscheinlich eine Erfindung von Ferenc Simon (Jesuit 1728–1761), das aus 14 verschiedenen Heilkräutern hergestellt wurde.

Schule, Unterricht

Die Jesuiten eröffneten die Schule im Frühjahr 1689 mit etwa 15 Gymnasiasten und 50 Elementarschülern. Bis 1691 stieg die Gesamtzahl der Schüler auf über 200, wobei ein Jesuit für die Sekundarstufe und ein Laienlehrer für die Elementarstufe zuständig war. Der gymnasiale Unterricht entwickelte sich erst nach 1695 (Übernahme der Abtei Šavnik), zunächst mit zwei Lehrern in vier Klassen, dann ab 1697 mit drei Magistraten in sechs Klassen. Im Jahr 1695 übertrug der Bischof die Volksschule dem Pfarrer und verlegte sie aus den jesuitischen Gebäuden. So wurde die Entwicklung des Jesuitengymnasiums ermöglicht. Während des Rákóczi-Aufstandes von 1703 bis 1707 wurde die Tätigkeit des Gymnasiums jedoch eingeschränkt, und Bischof Telekessy setzte zeitweise Laienpriester ein, um den Unterricht nicht völlig zu unterbrechen. Die Schülerzahl betrug im Jahr 1711 80, 1716 200 und 1724 453. Die spätere jährliche Schülerzahl schwankte in der Regel zwischen 300 und 400.
Lange Zeit wurden die Klassen zusammengelegt, wobei ein Magister zwei Klassen unterrichtete. Im Jahr 1743 kam ein vierter, 1753 ein fünfter und 1754 ein sechster Lehrer hinzu, wobei jede Klasse einen eigenen Lehrer hatte. Die Schule erreichte ihre höchste Schülerzahl um 1766 (572) und 1768 (645), aber die Zahl der Parvisten war immer noch sehr hoch (302 bzw. 355).
Ab 1699 wurden Schultheateraufführungen veranstaltet, zunächst in den Höfen der ehemaligen türkischen Häuser, die als Schulen genutzt wurden. Die Theateraufführungen blieben ein regelmäßiges Ereignis, wobei die Erlauer Bischöfe und Domherren oft Preise an die Schüler verteilten. Die Aufführungen umfassten biblische und historische Themen sowie Stücke über das Leben von Heiligen. Von lokalem Interesse war ein Stück über die erfolglose Türkenbelagerung von Erlau im Jahr 1552 und den Heldenmut des Burgkapitäns István Dobó.

Im Jahr 1700 gründete Bischof István Telekessy ein Diözesanseminar in Erlau, dessen Leiter ein Domherr war. (Die formelle Gründung erfolgte 1709.) Seine Schüler waren zunächst Gymnasiasten, die bei den Jesuiten studierten. Die höhere, theologische Ausbildung begann 1705, wobei ein Jesuit Kasuistik erteilte und die Kandidaten nach einem Jahr zu Priestern geweiht wurden. Während der Rákóczi-Bewegung wurde die theologische Ausbildung unterbrochen und erst nach 1711 als zweijähriges Theologiestudium wieder aufgenommen. Ab 1719 unterrichtete ein Jesuit Kasuistik, ein anderer Pater lehrte Kontroverstheologie. Ab 1740 lehrte ein drittes Ordensmitglied das Kirchenrecht (auf Kosten einer Sonderstiftung von Domherr György Foglár). Die Zahl der Theologiestudenten lag bei 20–30 pro Jahr (einige von ihnen waren weltliche/externe Studenten).
Im Jahr 1754 entzog Bischof Ferenc Barkóczy den Jesuiten den Theologieunterricht und übertrug die Leitung und den Unterricht des neuorganisierten Seminars das Domkapitel.
Zur Zeit von Bischof István Telekessy beherbergte das Seminar auch adelige Konviktoren, die Einrichtung stand jedoch nie unter der Administration der Jesuiten: Die Professoren wurden vom Bischof als Gegenleistung für ihre Lehrtätigkeit bezahlt.

Kongregationen

„Agonia Christi” Todesangst-Sodalität. Die Sodalität wurde 1690 für die „älteren Erlauer Bürger” gegründet, und der Erlauer Pfarrer János Nagy half bei der Organisation viel. Im ersten Jahr traten fast 1.000 Mitglieder bei. Die jesuitischen Präsides waren anfangs die ungarischen Prediger. In den 1730er Jahren gab es bereits eine ungarische und eine deutsche Sektion. Mitte des 18. Jahrhunderts betrug die Mitgliederzahl mehrere Tausend.
„Visitatio Mariae” lateinische Schülerkongregation und Bürgerkongregation. Die Kongregation war seit November 1697 (d.h. seit der Einrichtung der Rhetorikklasse) tätig und bestätigte sie 1698 die römische Mutterkongregation. Am 3. August 1699 hielt sie ihre erste öffentliche Feier, Mitgliedsaufnahme und Vorständewahl ab. Bei dieser Gelegenheit wurden 67 neue Sodalen aufgenommen. Bischof György Fenesy wurde der erste gewählte Rektor der Kongregation. Der Erlauer Stadtpfarrer Mihály Balogh unterstützte die Gründung und die Kongregationstätigkeit aktiv. Das jährliche Einkommen der Kongregation betrug etwa 200–300 Gulden. Neben den Studenten gab es auch „externe“ erwachsene Mitglieder, die Latein verstanden — z.B. Mitglieder des Erlauer Stadtmagistrats — da in Erlau keine getrennte Bürgerkongregation organisiert war.

Schicksal nach der Aufhebung

Nach 1773 wurde das Gymnasium fünf Jahre lang von Diözesanpriestern unterrichtet, dann wurde es vom Zisterzienserorden übernommen. Während der josephinischen Zeit wurde es als königliches Gymnasium weitergeführt, und ab 1802 wurde es wieder vom Zisterzienserorden unterhalten.

Benefactores

Zu den Wohltätern der Niederlassung gehörten die Erlauer Bischöfe, militärische Hauptleute und Beamte der Zipser Kammer. Später kamen immer mehr Unterstützer aus der neu entstehenden lokalen Zivilgemeinde. Auch die Erlauer Domherren leisteten einen großen Beitrag zum Leben des Kollegs.

Garten und Sommerresidenz

Im Jahr 1688 erhielten die Jesuiten von Mihály Fischer, dem Administrator der Zipser Kammer, einen großen Garten außerhalb der Stadtmauer, unweit des Jesuitenklosters. Der Garten war von einer Steinmauer umgeben und wurde als Gemüse- und Obstgarten genutzt. Sein kunstvolles barockes Steintor war zur Stadt hin ausgerichtet (Osten). Das Gartenhaus und die Nebengebäude befanden sich in der nordwestlichen Ecke des Geländes.
Nach 1773 ging der Garten in den Besitz des Zisterzienserordens über, aber nach 1782 wurde er zu Privateigentum. Das barocke Tor war in den 1950er Jahren noch vorhanden, allerdings in einem sehr schlechten Zustand.

Grundstücke und andere ertragsfähige Immobilien

Die Abtei wurde von Graner Erzbischof György Széchényi für die Erlauer Jesuitenniederlassung erworben. (Zuvor war sie in königlichem Besitz, nachdem sie von den Thökölys konfisziert worden war.) Die Abtei befand sich von 1695 bis 1773 im Besitz der Jesuiten, mit Ausnahme der Zeit des Rákóczi-Aufstandes (ca. 1704–1711). Das Zentrum der Herrschaft war ein Schloss westlich des Dorfes Schawnik (Komitat Zips), von dem ein Grundriss aus der Zeit der Jesuiten erhalten ist. Bis 1739, als die Erlauer Niederlassung den Status eines Kollegs erhielt, lebte der Administrator der Herrschaft Schawnik, ein Jesuitenpriester, im Leutschauer Jesuitenkolleg.

Archivmaterial

Das Ungarische Nationalarchiv (MNL OL, Budapest) bewahrt die Reste des ehemaligen Hausarchivs des Kollegs auf, vor allem rechtliche Dokumente. Ein Teil der Archivalien sind im Archiv der Erzdiözese von Eger erhalten. Darüber hinaus sind einige Manuskripte in verschiedenen Archiven und Handschriftensammlungen erhalten geblieben. Die folgende Liste enthält die wichtigsten Bestände.

  • MNL OL MKA E 152, Acta Jesuitica, 1–4. d. (Collegium Agriense, Regestrata)
  • MNL OL MKA E 152, Acta Jesuitica, 197. d. (Collegium Agriense, Irregestrata)
  • Album Congregationis Agoniae Christi. [1690–1771] Archiv der Erzdiözese Eger, Sign. 3344.
  • Historia domus Agriensis Societatis Jesu. Vol. I–II. [1687–1772] Archiv der Erzdiözese Eger, Sign. 3346– 3347.
  • Jesuitas Agrienses (1715–1773). Archiv der Erzdiözese Eger, Archivum Vetus, nr. 1271.
  • Jesuitas et eorum abolitionem tangentia (1665–1780). Archiv der Erzdiözese Eger, Archivum Vetus, nr. 149.
  • Liber rationum missionis Societatis Jesu Agriae. Rationes trimestres. Anno 1693–1719. Bibliothek der Eötvös Loránd Universität, Budapest, Handschriftensammlung, Ab 80.
  • Liber rationum Congregationis Beatae Mariae Virginis Elisabetham Visitantis Agriae erectae a partu Virginis 1698. [1697–1772.] Im demselben Band: Historia seu annuae res gestae Sodalitatis Beatae Mariae Virginis sub titulo Elisabetham Visitantis in Archi-Episcopo Sosietatis Iesu Gymnasio Agriae erectae et confirmatae anno a partu Virginis 1698. [1698–1772.] Archiv der Ungarischen Provinz der Gesellschaft Jesu, Sign. I., 2. d.
  • Memoriale Reverendorum Patrum Provincialium Societatis Jesu; Memoriale pro Residentia Agriensi a Reverendo Patre Ferdinando Acatio Provinciali post visitationem anno 1688. die 19. Decembris relictum et usque annum 1774. Bibliothek „Batthyaneum”, Alba Iulia, Handschriftensammlung, Nr. 330.
Literatur

Bárdos, Kornél: Eger zenéje (1687–1887). [Die Musik von Eger/Erlau, 1687–1887.] Budapest, 1987. 129–138. [Die Musik des Gymnasiums]

Bozsik, Pál: Az egri papnevelés története a XVIII. században 1780-ig. [Die Geschichte der Priesterausbildung in Eger/Erlau im 18. Jahrhundert bis 1780.] Eger, 1910. 56–92.

Granasztóiné Györffy, Katalin: Eger, Szent Bernát-templom. [Eger/Erlau, Kirche von St. Bernhard.] Budapest, 1985. (Tájak, Korok, Múzeumok Kiskönyvtára 215.)

Jávor, Anna: Johann Lucas Kracker: egy késő barokk festő Közép-Európából. [Johann Lucas Kracker: ein spätbarocker Maler aus Mitteleuropa.] Budapest, Enciklopédia, 2004. 119–121., cat. 209., 213., 216.

Juhász, Norbert: Az egri gymnasium. Történeti vázlat. [Das Gymnasium von Eger/Erlau. Historische Skizze.] Az egri cisztercita gimnázium Értesítője [Bulletin des Zisterziensergymnasiums von Eger/Erlau] (1865), 1–40.

Kassuba, Domokos: Az egri gimnázium története. [Die Geschichte des Gymnasiums von Eger/Erlau.] In: Emlékkönyv, melyet Magyarország ezeréves fennállása ünnepén közrebocsát a hazai cziszterczi rend. [Zisterzienser-Gedenkbuch.] Hrsg. Békefi Remig. Budapest, 1896. 93–180.

Kassuba, Domokos: Az egri gymansium épületének viszontagságai. [Die Wechselfälle des Gebäudes des Gymnasiums von Eger/Erlau.] Az egri cisztercita gimnázium Értesítője [Bulletin des Zisterziensergymnasiums von Eger/Erlau.] (1902), 3–77.

Kilián, István: Az egri jezsuita iskola színjátszásának adatai 1692–1772. [Daten zum Jesuitenschultheater in Eger/Erlau, 1692–1772.] In: Kétszáz éves az egri főegyházmegyei könyvtár, 1793–1993, Emlékkönyv. [Die Erzdiözesenbibliothek von Eger/Erlau ist zweihundert Jahre alt, 1793–1993. Gedenkbuch.] Hrsg. Antalóczi Lajos. Eger, 1993. (Schematismus Archidioecesis Agriensis 6) 185–225.

Kilián, István: Dráma, színház és közönség Egerben a XVIII. században. [Drama, Theater und Publikum in Eger/Erlau im 18. Jahrhundert.] In: Egyház és barokk kor. Az 1992. július 17-18-án Egerben lezajlott tanácskozás anyaga. [Kirche und Barock. Konferenz in Eger/Erlau, 17.–18. Juli 1992.] Hrsg. Löffler Erzsébet. Eger, 1993. (Barokk Konferenciák 1) 59–72.

Kiliánné Jakab, Viktória: Az egri ciszterci templom építésének története és művészettörténeti elemzése. [Baugeschichte und kunsthistorische Analyse der Zisterzienserkirche von Eger/Erlau.] In: Egyház és barokk kor. Az 1992. július 17-18-án Egerben lezajlott tanácskozás anyaga. [Kirche und Barock. Konferenz in Eger/Erlau, 17.–18. Juli 1992.] Hrsg. Löffler Erzsébet. Eger, 1993. (Barokk Konferenciák 1) 85–103.

Löffler, Erzsébet: A Telekessy patikamúzeum. [Das Apothekenmuseum Telekessy.] Agria 25–26 (1989–1990) 675–679.

Mihalik, Béla Vilmos: Papok, polgárok, konvertiták: Katolikus megújulás az egri egyházmegyében (1670–1699). [Priester, Bürger, Konvertiten: Katholische Erneuerung in der Diözese Eger/Erlau, 1670–1699.] Budapest, 2017. 109–117. [Die Jesuiten], 295–314. [Der zurückgewonnene alte Bischofsitz, Eger/Erlau]

M. T. [Tertina, Mihály]: Besondere historische Nachricht von dem Jesuitengymnasium zu Erlau. Merkur von Ungarn 2(1787), 306–325.

Nagy, Árpád: Az egri volt jezsuita („Magyar Király”) patika története 1717–1773. [Die Geschichte der ehemaligen Jesuitenapotheke (’zum König von Ungarn’) in Eger/Erlau 1717–1773.] Archívum. A Heves Megyei Levéltár Közleményei 1(1973), 31–41.

Staud, Géza: A magyarországi jezsuita iskolai színjátékok forrásai. Bd. III. 1561–1773. Fontes ludorum scenicorum in scholis S. J. Hungariae Pars tertia. [Die Quellen des ungarischen Schultheaters der Jesuiten.] Budapest, MTA Könyvtára, 1988. (A magyarországi iskolai színjátékok forrásai és irodalma) 127–162.

Sugár, István: Az egri jezsuita könyvtár 1774-ben, a rend feloszlatásakor. [Die Jesuitenbibliothek von Eger/Erlau im Jahre 1774, zur Zeit der Ordensaufhebung.] Magyar Könyvszemle 97(1981), 328–332.

Voit, Pál: [Ehemalige Jesuitengebäude als Kunstdenkmäler in der Stadt Eger.] In: Heves megye műemlékei [Kunstdenkmäler der Komitat Heves] Bd. II. Hrsg. Dercsényi Dezső, Voit Pál. Budapest, 1972. (Magyarország műemléki topográfiája 8) besonders: 526–528., 528–550., 553–555.

MAP

Ab Dezember 1687 nutzten die Jesuiten die türkische Moschee — die sie in der Nähe des kleinen Stadttors (sog. „…

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Empfohlene Zitation / Javasolt hivatkozás: Kádár, Zsófia: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online Datenbank, 2023. https://leveltar.jezsuita.hu/domicilia

Förderung / Pályázati támogatás: FWF Österreichischer Wissenschaftfonds. Lise Meitner-Projekt M-3041. 
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